Fährt man von Gattenhofen nach Bettwar, sieht man auf der rechten Seite den Gattenhofer Bach. Um Bettwar vor diesem zunächst unscheinbaren Gewässer zu schützen, setzte die Gemeinde nun mit dem Wasserwirtschaftsamt eine große Maßnahme durch.
Erstmal klingt es komisch: Der Ort soll vor dem Gattenhofer Bach geschützt werden. Vor dem Bach, der von vielen wohl gar nicht als solcher wahrgenommen wird. Es handelt sich um einen Wildbach, der nicht wasserführend ist, wie Nadine Wölkl, Abteilungsleiterin beim Wasserwirtschaftsamt Ansbach für den nördlichen Landkreis, erklärt.
Ein Bach ohne Wasser birgt erstmal keine Gefahr. Doch bei Starkregen kam es bereits des Öfteren vor, dass der Gattenhofer Bach gefüllt wurde und den Hang hinab nach Bettwar floss. Die Gefahr ist also hier nicht die Tauber, sondern der Bach in Kombination mit dem Wetter.
„Wenn es regnet, ändert sich der Wasserspiegel hier enorm schnell“, erklärt Nadine Wölkl. Das Problem daran: Geröll wie Steine und Äste wird dabei mitgerissen. Dadurch wurde beispielsweise auch schon mal eine Brücke am Ortseingang zerstört, die mittlerweile repariert ist.
Bürger aus Bettwar sind deshalb vor etwa einem Jahr auf Steinsfelds Bürgermeisterin Margarita Kerschbaum zugegangen und baten sie um Hilfe. Diese traf sich kurzerhand vor Ort mit dem Wasserwirtschaftsamt aus Ansbach. Da der Gattenhofer Bach ein Gewässer dritter Ordnung ist, ist nämlich nicht die Gemeinde selbst verantwortlich. Die Lösung: Ein Wildholzrechen musste her.
Der soll nun bei Starkregen das Geröll vom Ort fernhalten. Mit einem Bagger oder Schlepper könne man dann nach unten fahren, um es dort aufzusammeln, wo es hängen bleibt. Dies funktioniere sowohl, wenn der Bach gerade aktiv ist, als auch nach einem Hochwasser, wie Thorsten Busch vom Ansbacher Wasserwirtschaftsamt weiß.
Der Wildholzrechen ist nun fertig. Die einzelnen Stäbe sind aus Stahl und haben einen Durchmesser von 20 Zentimetern und eine Wanddicke von 14 Millimetern. Aus der Erde hinaus ragen nur etwa 1,60 Meter. Insgesamt sind die Stäbe des Rechens jedoch drei Meter lang und unter der Erde durch ein massives Fundament befestigt. Dieses wurde mit Beton eingegossen und soll verhindern, dass der Rechen bei Hochwasser mitgerissen wird.
Nun wird nur noch die Quadermauer an Steinen fortgesetzt, erklärt Nadine Wölkl. Dadurch soll das Ufer geschützt und der Hang stabilisiert werden.
„Es ging alles sehr schnell“, so Bürgermeisterin Kerschbaum. Und auch Johannes Drott vom Wasserwirtschaftsamt freut sich, wie schnell das Projekt vonstattenging: „Im Winter wurde hier gerodet, dann vermessen und als der Naturschutz geklärt und das Geld da war, wurde direkt angefangen.“
Die Kosten für die Baustelle betragen rund 60.000 Euro und werden vom Wasserwirtschaftsamt übernommen; Förderungen gibt es keine. Weitere 10.000 Euro zahlt die Gemeinde für den Zuweg, so Margarita Kerschbaum. Dass es so schnell voranging, liege auch daran, dass an der entsprechenden Stelle wenig Lebewesen waren. Beide Seiten, sowohl die Gemeinde als auch das Wasserwirtschaftsamt Ansbach, seien sehr zufrieden mit der guten Zusammenarbeit. Auch für das Amt sei dies ein besonderer Fall gewesen. Wildbäche wie diesen gebe es nur insgesamt 15 Mal im Landkreis Ansbach, erklärt Wölkl. Meistens befänden sie sich nämlich eher in Alpengegend.
Und, was erhofft sich die Bürgermeisterin von dem Projekt? „Dass das Wasser ungehindert durch die Durchlässe fließt und dadurch Schäden verhindert werden“, so Margarita Kerschbaum.