Deutschland ließ Elke Sommer nie ganz los. Selbst als sie längst im Scheinwerferlicht Hollywoods stand, blieb die Schauspielerin ihrer Herkunft treu. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre wurde sie zur deutschen Antwort auf Brigitte Bardot - aber eben zur sehr deutschen: Das Verruchte passte nicht zur Adenauer-Republik, das überließ sie anderen.
Ihr Haus in Los Angeles? Eingerichtet wie jenes in ihrer Heimat, wie sie mal verriet. Im ländlichen Marloffstein bei Erlangen, wohin es die Familie aus Berlin in den Nachkriegswirren verschlug, soll Elke Sommers Urne zusammen mit der ihres Mannes auch begraben werden, wie sie einst verriet.
Elke Sommer war immer ein bisschen Hollywood - aber mit fränkischem Einschlag. Das machte sie sehr populär. Nun ist die Schauspielerin wenige Tage vor ihrem 86. Geburtstag gestorben, wie die Deutsche Presse-Agentur aus ihrem Umfeld erfuhr. „Sie ist friedlich, wie gewünscht, zu Hause eingeschlafen“, hieß es. Zuerst hatte die „Bild“ über den Tod der Schauspielerin berichtet.
Die Erdverbundenheit, die Sommer ausstrahlte, stand stets im scharfen Kontrast zu den fast schon mythischen Umständen, die ihre Karriere begleiteten. Manche nannten sie einen großen Zufall. Andere ein Märchen.
Wer sich selbst ein Urteil bilden will, muss auf das Jahr 1958 zurückblicken, in dem Elke Schletz - wie sie eigentlich hieß - in den italienischen Badeort Viareggio reiste. Ein Student fragte die Pfarrerstochter dort, ob sie mit ihm tanzen gehen wolle. Der Abend endete damit, dass Elke Schletz zur „Miss Viareggio“ gewählt wurde. Ihr Preis waren Strümpfe.
Dann schlug - Zufall oder Märchen - das Schicksal zu. Ein italienischer Regisseur sah ihr Bild in der Zeitung und engagierte sie für den Film. Aus Elke Schletz wurde so Elke Sommer. Ihre Begründung für den neuen Namen: Die Italiener hätten Schletz einfach nicht aussprechen können und immer „Sklutz“ gesagt.
Bald wurde aus Elke Sommer ein internationaler Star - der Inbegriff der blonden, aber nicht verruchten und irgendwie deutschen Sexbombe. Sie schaffte den Sprung nach Hollywood und gewann 1964 einen „Golden Globe“ für ihre Rolle in „Der Preis“. Sommer drehte mit Paul Newman und Kirk Douglas, zeitweise galt sie gar als die neue Marilyn Monroe.
Auch deutsche Karl-May-Fans lieben Sommer bis heute für ihre Rolle in „Unter Geiern“ (1964). Sie spielte darin eine unerschrockene deutsche Farmerstochter. Am Ende heiratete sie den braven Farmerssohn Martin Baumann (Götz George).
Zweimal posierte Elke Sommer auch für den „Playboy“. Der Schah von Persien soll ihr für eine gemeinsame Nacht ein Collier mit Smaragden und Diamanten geboten haben, hieß es. Sommer lehnte ab.
Sie drehte zig Filme und Fernsehserien. Bis sie irgendwann auf den ganz großen Bühnen nicht mehr zu sehen war - dafür aber immer wieder auch auf deutschen Provinzbühnen, 1999 etwa bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg. Und sie baute sich eine zweite Karriere als Malerin auf.
Als ihre Heimat betrachtete die gebürtige Berlinerin stets Marloffstein in Franken. Den Winter verbrachte sie zwar oft lieber in Los Angeles, aber sie ließ nie ein schlechtes Wort über Marloffstein zu. „Ich bin ja ein Landmensch, ich bin ja überhaupt kein Stadtmensch“, sagte sie. 1993 hatte sie in zweiter Ehe den New Yorker Hotelmanager Wolf Walther geheiratet - ebenfalls in Franken.
Erst im hohen Alter ließ Sommer erkennen, dass die unbändige Lebenslust früherer Jahre langsam nachließ. „Genug ist genug!“, sagte sie 2025 in einem Interview mit der Zeitschrift „Bunte“. Zuvor hatte es einige gesundheitliche Rückschläge gegeben. „Der liebe Gott soll mich nehmen, wenn mein Mann mich nicht mehr braucht.“
Zu Hollywood bewahrte sich Sommer immer eine gesunde Distanz. Privat blieb sie stets die bildungsbewusste Pfarrerstochter, die sieben Sprachen sprach. Mit dem Wort „Zufall“ wäre ihre Karriere aber wohl weit unter Wert beschrieben.
© dpa-infocom, dpa:261030-930-919633/2