Union Berlins ehemaliger Kult-Trainer Urs Fischer hat bei seiner emotionalen Rückkehr an die Alte Försterei den ersten Bundesliga-Sieg mit dem FSV Mainz 05 trotz langer Führung noch verpasst. Der Schweizer musste sich mit dem Bundesliga-Schlusslicht bei den Eisernen letztlich mit einem 2:2 (1:0) und einem Punkt im Bundesliga-Abstiegskampf zufriedengeben.
Nadiem Amiri (30. Minute) und der ehemalige Unioner Benedict Hollerbach (69.) mit seinem ersten Mainzer Bundesliga-Tor erzielten vor 22.012 Zuschauer die Treffer für die Rheinhessen. Wooyeong Jeong (77.) und Marin Ljubicic (86.) konnten für die Gastgeber mit ihren Toren in einer dramatischen Schlussphase aber die Niederlage noch abwenden.
Die Unioner büßten dennoch Boden auf das obere Tabellendrittel ein. Auch der mögliche erste Sieg-Hattrick in der Bundesliga seit dem Sommer 2023 misslang - der Berliner Trainer hieß damals noch Urs Fischer. Standesgemäß war der 59-Jährige vom Union-Anhang als „Fußball-Gott“ lautstark begrüßt worden.
Ein Winken ins Publikum hier, ein Lächeln dort und natürlich die Fotografen-Traube vor dem Anpfiff vor der Nase: So begann die Rückkehr für Fischer in die Alte Försterei. Von 2018 bis 2023 hatte er die Eisernen von der 2. Liga bis in die Champions League geführt.
Launig hatte der Schweizer vor der Partie am TV-Mikrofon schon vom obligatorischen Spaziergang zur Spielvorbereitung berichtet, bei dem ihm dutzendfach die Wiedersehensfreude der Menschen in Berlin-Köpenick zuteilwurde.
Und auf dem Platz? Da spielte ein Team, das den Fischer-Fußball gerade lernen soll (Mainz) gegen ein Team, das die DNA des Fischer-Fußballs nach prägenden Jahren nie losgeworden ist (Union). Griffig, eklig - und vor allem kompakt.
Umso überraschender, dass sich früh Lücken auftaten. Livan Burcu (6.) hätte Union aus kurzer Distanz in Führung bringen müssen. Neuzugang Phillip Tietz (11.) und Hollerbach (16.) fehlte bei ihren Abschlüssen die Präzision.
Dann passierte auf einem rasch zerfurchten Rasen lange wenig Aufregendes. Bis Jae Sung Lee mit einem feinen Pass Amiri freispielte und der Nationalspieler die Berliner Unaufmerksamkeit bestrafte.
Sauer war Union-Trainer Steffen Baumgart, dass die ersten guten Chancen nach dem Gegentreffer von Burcu (44.) und Oliver Burke (43./44.) zu leichtfertig vergeben wurde. Baumgart schmiss sein Basecap auf den Boden.
In der zweiten Halbzeit blieb die Kopfbedeckung auf ihrem angestammten Platz. Der Grund: Baumgart fehlte nun sogar die Gelegenheit für übermäßige Aufregung. Die Offensivaktionen der Hausherren waren lange mäßiger Natur.
Hollerbach bestrafte seinen Ex-Club aus kurzer Distanz. Und dann schlug Union doch noch zurück. Jeong und Ljubicic trafen in der großen Schlussoffensive und verhinderten einen Fischer-Coup an alter Wirkungsstätte. Oft genug hatte Union unter Fischer auf diese Weise noch Niederlagen verhindert.
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