Sechs Stadtratssitzungen für acht Bauplätze: Das neue Baugebiet am nordwestlichen Ortsrand von Neustadts Teilort Schauerheim hat eine lange Planungsphase hinter sich. Grundsätzlich beschlossen worden war es am 14. April 2021, also vor knapp fünf Jahren. Seit Mittwochabend ist es endgültig in trockenen Tüchern.
Tatsächlich liest sich die Vorgeschichte dieses gerade mal acht Parzellen umfassenden Areals in einigen Abschnitten absurd und gab im Neustädter Stadtrat immer wieder Grund und Anlass, den Regulierungswahn der Behörden anzuprangern. Die Ursache: Ein winziger Zipfel eines einzigen Bauplatzes, gerade mal wenige Quadratmeter groß, ragte auf dem Papier in die Fläche des Landschaftsschutzgebietes „Naturpark Steigerwald”. Dieser Umstand entfachte ein bürokratisches Inferno.
Zunächst war man beim Bauamt noch recht zuversichtlich gewesen. Das könne man doch sicher auf dem kleinen Dienstweg regeln, lautete die Hoffnung – man werde dem Naturpark einfach in unmittelbarer Nähe ein paar Quadratmeter zuschlagen, dies entsprechend beurkunden lassen und dann müsste doch alles gut sein, oder? Weit gefehlt: Im Landratsamt machte man sich rechtlich kundig und das Resultat lautete: Nach Abstimmung mit dem Landratsamt musste 2023 eine offizielle Änderung des Landschaftsschutzgebietes beim Freistaat beantragt werden – ein Verfahren, das sich über Monate hingezogen hatte.
Damit nicht genug: Nachdem man schon im Juni 2022 den Bebauungsplanentwurf gebilligt hatte, wurde wenig später bekannt, dass der Paragraf 13b des Baugesetzbuches, der in solchen und ähnlichen Fällen ein beschleunigtes Verfahren vorgesehen hatte, nach gerichtlicher Prüfung bundesweit nicht mehr angewandt werden konnte.
Die Folge: Notgedrungen beschloss der Stadtrat, das Bauleitverfahren in das so genannte „Regelverfahren” überzuleiten, was wiederum bedeutete, dass man auch den Flächennutzungsplan (FNP) entsprechend anpassen musste. Dazu gab es wieder öffentliche Auslegungen – mittlerweile die dritte und vierte – und am Mittwoch wurden nun die daraufhin eingegangenen Stellungnahmen der „Träger öffentlicher Belange” im Stadtrat abgearbeitet.
Man kann nur spekulieren, ob selbst die Behörden, Naturschutzverbände, Kommunikationsdienstleister oder Bauernverbände angesichts der schieren Dauer des Verfahrens ermattet waren: Einwendungen oder Anregungen erfolgten jedenfalls höchst minimalistisch und waren kaum der Rede wert.
Das Landratsamt erklärte seine grundsätzliche Billigung und gab einige kleinere Hinweise zum sorgsamen Umgang mit Flora und Fauna und der Bund Naturschutz fokussierte sich vor allem auf die Bitte nach einer insektenfreundlichen Ausleuchtung der künftigen Erschließungsstraße. Beides wurde in der mittlerweile sechsten Sitzung, in der man sich mit dem Thema zu befassen hatte, vom Gremium zur Kenntnis genommen.
Der Satzungsbeschluss wurde anschließend gegen die Stimmen von Lisa Kastelan und David Muck (beide Grüne) getroffen, die sich von Anfang an gegen das Baugebiet ausgesprochen hatten und nun konsequent blieben. Abschließend bedankte sich Bauamtsleiter Gerald Schorr im Brustton der Überzeugung beim Schauerheimer Ortssprecher Achim Pfundt, für die „jahrelange konstruktive Unterstützung”. Er dürfte damit unter anderem auch Pfundts Geduld gemeint haben.