Um an ihr Geld zu kommen, soll ein 24-Jähriger seine Großmutter getötet haben - nun muss er sich vor dem Landgericht München I wegen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die 76-Jährige ermordet zu haben, als sie mit Kontaktabbruch drohte und er somit fürchten musste, von ihr keine finanzielle Unterstützung mehr zu bekommen.
Mit ihren Bankkarten habe er sich, so die Anklage, Zugang zu ihrem Bankschließfach verschaffen wollen, in dem die Seniorin neben Schmuck rund 69.000 Euro und 20.000 US-Dollar verwahrte - was ihm aber nicht gelang.
Die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ehrl machte gleich zu Beginn des Verfahrens darauf aufmerksam, dass im Falle einer Verurteilung gemäß der Anklage - sollten sich die Vorwürfe bestätigen - neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld in Betracht kommen könnte. Das würde eine vorzeitige Aussetzung der möglichen Strafe nach 15 Jahren zur Bewährung erheblich erschweren.
Der 24-Jährige kam in den Gerichtssaal mit einer Kapuze weit über den Kopf gezogen, das Gesicht verdeckte er mit einem roten Aktendeckel. Zu Beginn der Verhandlung spielte er nervös mit den Händen, die Beine wippten auf und ab. Ein Disput, ob der Angeklagte anstatt auf der Bank vor seinen beiden Verteidigern zwischen diesen sitzen dürfe, verzögerte am Vormittag den Fortgang des Verfahrens.
Die Putzfrau der Großmutter hatte diese am 17. März vergangenen Jahres tot in ihrer Wohnung gefunden. Laut Anklage soll der Enkel der Toten mit einem Messer an beiden Unterarmen Schnittverletzungen zugefügt und sie in die Badewanne gelegt haben, um einen Suizid vorzutäuschen. Die Ermittler gingen aber sehr bald von einem Tötungsdelikt aus. Nach einigen Tagen wurde der Enkel unter Tatverdacht festgenommen.
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