Der mögliche Bau eines Güterbahnhofs im geplanten Industriegebiet Interfranken ist einen wichtigen Schritt vorangekommen. Das Projekt ist in das Güterverkehrskonzept des bayerischen Verkehrsministeriums aufgenommen worden, gab der Zweckverbandsvorsitzende Patrick Ruh bei einer Verbandssitzung bekannt.
Das Netz der großen Güterbahnhöfe, an denen Waren von der Straße auf die Schiene und umgekehrt geladen werden können, weist im westlichen Franken im Moment noch eine Lücke auf. Die nächsten Terminals für den kombinierten Verkehr befinden sich in Nürnberg, Heilbronn, Würzburg und Ulm. Diese Lücke könnte ein Bahnhof am Autobahnkreuz Feuchtwangen/Crailsheim schließen.
Wir müssen jetzt auch liefern.
Zur Vorstellung des neuen Güterverkehrskonzepts durch Verkehrsminister Christian Bernreiter vor wenigen Tagen in München waren auch Geschäftsführerin Hedwig Schlund und der Schillingsfürster Bürgermeister Michael Trzybinski als Vertreter des Zweckverbands Interfranken eingeladen. „Interfranken ist angekommen beim bayerischen Verkehrsministerium“, sagte Trzybinski in der Verbandssitzung am Donnerstag: „Das ist eine tolle Partnerschaft, aber wir müssen jetzt auch liefern“.
Gleichzeitig liegt eine weitere Voraussetzung dafür vor, dass die Planung für den Güterbahnhof bezuschusst werden kann. Eine Mengenpotenzialanalyse hat gezeigt, dass für das Terminal voraussichtlich genug Nachfrage bestehen würde, wenn das Angebot stimmt. „Fördermittel im sechsstelligen Bereich stehen im Raum“, sagte Ruh.
Als Kern-Einzugsgebiet gelten Stadt und Landkreis Ansbach sowie der Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg. Dazu kommen Gebiete in Nachbarlandkreisen mit einer Entfernung von bis zu 50 Kilometern.
Derzeit ist das Interesse der Firmen in der Region noch verhalten, meinte Patrick Ruh. Über 90 Prozent der Güter werden auf der Straße transportiert, nur acht Prozent mit der Bahn und Schiffe spielen praktische keine Rolle. Die Bahn sei zu unflexibel und der Lkw immer noch die billigste Transportmöglichkeit, meinte er. Aber: „Die Daumenschrauben für den Diesel-Lkw werden immer weiter angezogen“, mit dem Ziel, den Schienenverkehr attraktiver zu machen.
Etwa ein Dutzend Unternehmen aus der Region werden sich künftig ungefähr dreimal im Jahr zu einem Erfahrungsaustausch zum klimafreundlichen Güterverkehr treffen. Für genaue Zahlen zur künftigen Güter-Umschlagsmenge ist es noch zu früh. Angesichts des jahrelangen Vorlaufs will der Vorsitzende aber nicht auf gesetzliche Vorgaben warten.
Ein Vorteil von Interfranken ist die Lage. Das gilt nicht nur für die Autobahn, sondern auch für die Tatsache, dass zwei europäische Hauptkorridore für den Güter-Bahntransport nicht weit entfernt vorbeiführen. Potenziale sieht die Analyse vor allem in Richtung Italien, Polen und Holland, aber auch nach Frankreich, Österreich und Südosteuropa. Interfranken könnte zudem als Zwischenstopp dienen, an dem Waggons an Züge angehängt werden.
Die Versammlung stimmte außerdem einhellig einer Vereinbarung mit der Gemeinde Wörnitz zu. Sie sieht vor, dass der Zweckverband die Planungshoheit auch für den Teil der künftigen Autobahnausfahrt bekommt, der außerhalb des Verbandsgebiets liegt.