Im November 2025 ist der Tante-M-Laden in Wieseth eingeweiht worden. Die Bilanz nach 100 Tagen fällt durchweg positiv aus: Der Nahversorger hat sich inzwischen als feste Größe im Ort etabliert und wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen, wie es bei einem Ortstermin hieß.
Dazu traf sich Bürgermeister Walter Kollmar mit dem Leitenden Baudirektor Wolfgang Neukirchner und Projektleiterin Eva-Maria Fell vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken, dem größten Fördergeber. Der Rathauschef blickte zurück und erinnerte daran, dass vor über zehn Jahren der letzte Lebensmittelladen im Ort geschlossen habe. Die Verhandlungen mit mehreren Discountern scheiterten, weil das Einzugsgebiet von Wieseth als zu klein angesehen wurde und in naheliegenden Kommunen wie Bechhofen, Herrieden und Feuchtwangen große Supermarktketten angesiedelt seien.
Das Thema Nahversorger sei erst dann wieder konkret geworden, als der Tante-M-Laden in Weiltingen eröffnet habe, erklärte Kollmar. Nach der Kontaktaufnahme mit den dortigen Verantwortlichen und mehreren Informationsveranstaltungen beschloss Wieseths Gemeinderat die Umsetzung. Glücklicherweise zeigte sich der Eigentümer des Gebäudes, in dem zuvor die Sparkassen-Filiale untergebracht war, dem Vorhaben gegenüber sehr aufgeschlossen. Ein positiver Nebeneffekt: Leerstand wurde vermieden.
Der Laden hat etwa 100 Quadratmeter Fläche. Die Kundschaft muss sich selbst bedienen und an der Kasse die mit einem Strichcode versehenen Artikel abscannen. Bezahlt wird komplett bargeldlos mit der EC-Karte oder mit der Kundenkarte, von denen nach weiterer Mitteilung bereits 200 im Umlauf sind. Auf die Kundenkarte kann Guthaben aufgeladen werden. Mit den beiden Karten ist auch der Einlass in den Laden geregelt, der von 5 bis 23 Uhr geöffnet ist. Wie es hieß, wurden bislang rund 2000 Kundinnen und Kunden pro Monat registriert.
Das Anfangssortiment wurde von Fachleuten ausgewählt und kann jederzeit ergänzt werden. „Hierzu ist auch eine Wunschbox im Laden vorhanden“, teilte Kollmar mit. Bewusst verzichtet worden sei auf Spirituosen und Zigaretten. Auch ein Kaffeeausschank sei nicht vorgesehen, da man weder dem benachbarten Getränkemarkt noch dem örtlichen Café diesbezüglich Konkurrenz bieten wolle. Am Mittwochnachmittag und am Freitagvormittag sei jeweils eine Servicekraft anwesend, um im Bedarfsfall Kundschaft beim Einkauf zu unterstützen. Außer zwei Teilzeitangestellten sei kein weiteres Personal erforderlich, sodass die Lohnkosten überschaubar seien.
Kollmar hebt die regionale Ausrichtung des Ladens hervor: „Viele Produkte stammen von Erzeugern aus der Umgebung.” Das trage zur Stärkung der lokalen Wirtschaft bei, außerdem würden die Transportwege reduziert, so der Bürgermeister, der selbst zu dem Team gehört, das am Sonntagmorgen frische Brötchen aus Bechhofen nach Wieseth holt.
Die anwesenden Gemeinderäte Erwin Wälzlein und Bernd Hiller bestätigten, dass der Rathauschef „mit vollem Herzen dabei ist“. Kollmar selbst, der sich auch um die Optimierung der Preise durch Vergleiche mit Edeka und Rewe kümmert sowie die händische Auszeichnung bei ablaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum vornimmt, bezeichnet seinen Einsatz als „persönliches Hobby“.
Wolfgang Neukirchner und die mit ähnlichen Projekten befasste Eva-Maria Fell zeigten sich stark beeindruckt und sahen sich in der Unterstützung des Projekts durch Gewährung einer Fördersumme in Höhe von rund 95.000 Euro bestätigt: „Der Laden ist ein Zugewinn für alle, vor allem auch für die nicht mobile Bevölkerung.”
„Der Tante-M-Laden wäre als wertvolles Kleinod in Wieseth ohne den Fördergeber ALE nicht möglich gewesen“, betonte der Rathauschef. Von den insgesamt beantragten Ausgaben mit 225.000 Euro waren knapp 160.000 Euro förderfähig. Der Zuwendungssatz betrug 50 Prozent plus weitere zehn Prozent ILE-Bonus im Einklang mit dem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK). Nicht gefördert wurde die Inneneinrichtung. Die hierfür benötigten 50.000 Euro entfallen auf die Gemeinde.
Der Tante-M-Laden in Wieseth erfülle die Leitprinzipien der Ländlichen Entwicklung, sagte Neukirchner. Besonders hob er die Sicherung der Daseinsfürsorge, die Förderung der regionalen Wertschöpfung und die Stärkung des sozialen Zusammenhalts hervor. „Ein Erfolgskonzept zeichnet sich ab“, bilanzierte Neukirchner die ersten 100 Tage des Nahversorgers in Wieseth, der an sieben Tagen in der Woche auch als Begegnungsort und Treffpunkt das Dorfleben bereichert.