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Europäische Länder: Nawalny starb laut Analyse an Nervengift

Bei einem gemeinsamen Auftritt am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz präsentieren Außenminister Johann Wadephul und mehrere Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Nawalny-Witwe Julia neue Erkenntnis zum Tod des Kremlkritikers (Foto: Kay Nietfeld/dpa)
Bei einem gemeinsamen Auftritt am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz präsentieren Außenminister Johann Wadephul und mehrere Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Nawalny-Witwe Julia neue Erkenntnis zum Tod des Kremlkritikers (Foto: Kay Nietfeld/dpa)
Bei einem gemeinsamen Auftritt am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz präsentieren Außenminister Johann Wadephul und mehrere Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Nawalny-Witwe Julia neue Erkenntnis zum Tod des Kremlkritikers (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Zwei Jahre nach dem Tod von Alexej Nawalny steht für Deutschland und vier weitere europäische Länder fest, dass Russland den prominenten Kremlkritiker mit einem starken Nervengift umgebracht hat. Außenminister Johann Wadephul erklärte bei einem aufsehenerregenden Auftritt mit Nawalnys Witwe am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, nach Analysen von Proben sterblicher Überreste sei klar: „Alexej Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet.“ 

Julia Nawalnaja sagte, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder sei. Schon vor zwei Jahren hatte sie auf der Konferenz angesichts der damaligen Berichte über den Tod ihres Mannes zum Kampf gegen den russischen Machtapparat aufgerufen. Nun forderten Wadephul, dessen Kolleginnen und Kollegen aus Großbritannien, Frankreich, Schweden sowie den Niederlanden und Nawalnaja erneut Konsequenzen für Putin. 

Solche Folgen muss der Kremlchef aber zunächst nicht fürchten. So blieb etwa ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wegen des von Putin vor fast vier Jahren begonnenen Angriffskriegs auf die Ukraine bislang folgenlos, weil das Gericht keinen Zugriff auf den Kremlchef hat.

Moskau spricht von Ablenkungsmanöver

Für das russische Außenministerium nannte Sprecherin Maria Sacharowa die Veröffentlichung eine „Informationskampagne mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit von den drängenden Problemen des Westens abzulenken“. 

Wadephul sagte auf eine Journalistenfrage, warum die Analysen so lange gedauert hätten, es habe sich um ein kompliziertes Verfahren gehandelt. Details nannte er nicht. Er betonte: „Es ist heute eine passende Gelegenheit, das der Öffentlichkeit auch zu präsentieren“ Dies zeige, dass Putin fürchten müsse, „dass so etwas nicht unter der Decke bleibt“.

Hochgiftige Substanz aus Hautdrüsensekret bestimmter Pfeilgiftfrösche

Die sterblichen Überreste Nawalnys hätten ein besonders starkes Nervengift, Epibaditin, enthalten, sagte Wadephul. Die Wirkung des im Hautdrüsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador, sogenannten Pfeilgiftfröschen, vorkommenden Giftes sei 200 Mal so stark wie Morphium. Das Nervengift lässt sich inzwischen auch im Labor herstellen. Am effektivsten wirkt Epibaditin bei Injektion ins Blut, ist aber auch bei Verschlucken wirksam. Der Tod tritt durch Atemstillstand ein.

Tod in Strafkolonie nördlich des Polarkreises 

Nawalny galt als prominentester Gegner Putins, auch weil er Korruptionsfälle aufdeckte und dessen nach außen getragenen konservativen Werte als hohl entlarvte. Damit schuf er sich in Putin einen Todfeind. Selbst den Namen seines Kontrahenten sprach der Präsident nicht aus.

Dass Nawalny eine echte Gefahr für das System darstellte, zeigt die Moskauer Oberbürgermeister-Wahl von 2013, wo er trotz Hindernissen 27 Prozent der Stimmen gegen den Amtsinhaber und Putin-Vertrauten Sergej Sobjanin holte. 

2020 wurde Nawalny vergiftet und im Koma liegend nach Deutschland geflogen, wo er in der Berliner Charité behandelt wurde. Russlands Behörden nahmen ihn im Januar 2021 bei seiner Rückkehr noch auf dem Flughafen fest - wegen des angeblichen Verstoßes gegen frühere Bewährungsauflagen. 

Später verurteilten russische Gerichte Nawalny zu langen Haftstrafen - unter anderem wegen Extremismus. Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises. Damals war er 47 Jahre alt - die russischen Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache.

Chemiewaffen-Kontrolleure sollen sich mit Analysen beschäftigen

„Niemand außer Putins Schergen wird uns sagen können, wie dieser 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist“, sagte Wadephul. „Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen.“

Vor dem Hintergrund, dass das Gift in Russland in der Natur nicht vorkommt und im Labor hergestellt werden kann, kritisierte Wadephul, Putin seien auch seine Verpflichtungen nach dem Chemiewaffenübereinkommen völlig egal. Deshalb habe man den Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen über die Erkenntnisse informiert. Das Abkommen hat ein weltweites Verbot chemischer Waffen und die Vernichtung von Chemiewaffenbeständen zum Ziel. 

„Mühlen der Gerechtigkeit mahlen langsam, aber entschlossen“

Nawalnaja erklärte in einer teils auf russisch gehaltenen Rede, sie hoffe, dass Putin „irgendwann auf der Anklagebank landet und sich für alles, was er getan hat, verantworten muss“. 

Die britische Außenministerin Yvette Cooper zitierte in München Nawalnys Worte: „Wir müssen das tun, was sie fürchten. Sagt die Wahrheit, verbreitet die Wahrheit. Das ist die mächtigste Waffe.“ Schwedens Außenministerin Maria Stenergard sprach von einem wichtigen Schritt, um Russland zur Rechenschaft zu ziehen und seine fortwährenden Lügen aufzudecken. Der niederländische Außenminister David van Weel sagte, die Mühlen der Gerechtigkeit mahlten zwar vielleicht langsam, aber entschlossen für Nawalny.

© dpa-infocom, dpa:260215-930-689874/1


Von dpa
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