Zwölf Lehrgangsteilnehmer der Pferdefreunde Frankenhöhe bereiten sich momentan in Theorie und Praxis auf die Prüfung zum Kutschenführerschein vor. Ähnlich wie beim Autoführerschein ist er ein Nachweis über umfassende Sachkenntnis im Führen einer Pferdekutsche und über eine gewisse Grunderfahrung im Umgang mit Pferden.
Die 14-jährige Marie Schübel ist die jüngste Anwärterin auf den Kutschenführerschein. Ihr älterer Bruder Christian (18) bereitet sich ebenfalls auf die Prüfung vor und nutzt die freie Zeit bis zum Beginn seines Jurastudiums. Was den Opa besonders freut. Hans Blank (83) ist Ehrenpräsident des Vereins der Pferdefreunde, den er 1992 mitgegründet und 22 Jahre lang geführt hat.
Eine Stammtischrunde hatte Ende der 1980er Jahre aus einer Laune heraus mit einem ersten kleinen Zugleistungswettbewerb für Pferde auf der Wiese der Familie Berger im Charhof bei Feuchtwangen den Anstoß für den späteren Zusammenschluss von Freizeitreitern gegeben. Zur Pflege von Brauchtum und Geselligkeit kam 1999 der Wettstreit auf Turnieren dazu.
Einige Reiter und Gespannfahrer des Vereins gründeten eine Pferdesport-Abteilung als vereinsrechtliche Voraussetzung für ihre sportlichen Ambitionen. 407 Mitglieder zählt der Verein mittlerweile insgesamt. Ausfahrten der Pferdegespanne und die Teilnahme der Reiter und Gespannfahrer an Umzügen und Veranstaltungen sorgen für kollektive Aufmerksamkeit. Vorsitzender Emil Gröninger, der in jungen Jahren durch einen Freund zum Reiten kam und trotz anfänglicher Blessuren dabei blieb, züchtet Pferde neben seinem Beruf in der Hightechbranche.
Ehrenpräsident Hans Blank ist ein erfahrener Gespannfahrer und im Ruhestand weiterhin aktiv. Als Folge eines schweren Motorradunfall mit 19 Jahren setzte er nach Feierabend von seiner Tätigkeit als Justizmitarbeiter am Amtsgericht Rothenburg als Freizeitspaß auf Pferdestärken und stieg auf den Kutschbock um.
Zwei Wallache, Attila und Sirius, vor Jahren hatte er sogar drei Pferde nebeneinander eingespannt, ziehen seine Kutschen oder den Planwagen zu besonderen Anlässen: Hochzeit, Geburtstag oder als Kutschen-Taxi für den Lokalbesuch einer Gesellschaft beziehungsweise jüngst zur Abifeier seines Enkels mit dessen Kumpels.
Um den Kutschenführerschein ablegen zu können ist es notwendig, im Besitz des Pferdeführerscheins zu sein oder ihn im Rahmen des Lehrgangs mit abzulegen. In diesem Fall werden am Prüfungstag zwei Prüfungen absolviert.
Im Theorieteil stehen Pferdekunde, die Überprüfung von Geschirr und Wagen, das richtige Beladen der Kutsche und vorausschauendes Fahren im Straßenverkehr auf dem Stundenplan. Im praktischen Teil wird das korrekte Aufschirren und Anspannen gelehrt. Darüber hinaus gibt es Übungsfahrten, auf denen verschiedene Situationen aus dem Verkehrsalltag geübt werden. So beispielsweise das korrekte Abbiegen oder das Überqueren von Kreuzungen.
Am Fahrlehrgerät mit angehängten Gewichten mit mehreren Zügeln und Leinen für Trockenübungen in der geräumigen Garage von Hans Blank lernen die Lehrgangsteilnehmer das Führen von Pferden beziehungsweise das Gespannfahren. Auf einer Wiese des Hofes ist ein Parcours aufgebaut zur Vorbereitung auf die verschiedenen Stationenprüfungen.
Die 14-jährige Marie hat schon den Pferdeführerschein und damit die Voraussetzung, um den Kutschenführerschein ablegen zu können. Schon im Grundschulalter lernte sie das Reiten mit dem eigenem Pferd. Jetzt will sie mit der Prüfung die Qualifaktion für sicheres Gespannfahren im Straßenverkehr nachweisen.
Die Lehrgangsteilnehmer, neun Frauen, drei Männer, bereiten sich seit Ende August mit einer Vielzahl von Theoriestunden und praktischen Fahreinheiten auf die Prüfung am 28. Oktober vor, wo sie Kenntnisse und Können unter Beweis stellen müssen. Man kann auch durchfallen.
„Manche haben gescheit Bammel“ sagt Hans Blank. Unerfahrene nehmen noch zusätzlich Fahrstunden mit dem Gespann bei einem Fahrlehrer mit Pferdeausbildung. Er ist Mitglied des Vereins der Pferdefreunde. Abgenommen wird die Prüfung von unabhängigen Prüfern.
Der Zeitaufwand und die finanzielle Seite für den Kutschenführerschein sind schon besonders. Ein Basis-Lehrgang kostet rund 500 Euro. Weitere hundert Euro sind für den Erwerb eines Pferdeführerscheins fällig. Den Lehrgangsteilnehmern ist eine gute Mensch-Pferd-Beziehung viel wert.
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung fordert, dass jeder Fahrer, der sich mit einem Gespann im Straßenverkehr bewegt, den Kutschenführerschein nachweist. Auch die Unfallversicherungen drängen auf mehr Fachkenntnis im Umgang mit Pferd und Kutsche. Bundesweit gesetzlich verankert ist der Kutschenführerschein bisher nicht. Die Lehrgangsteilnehmer leisten mit ihrem Einsatz einen wichtigen Beitrag für die eigene Sicherheit und die aller anderen Verkehrsteilnehmer.