Ob spannende Detektivabenteuer, lustige Erzählungen aus der Drachenwelt oder geheimnisvolle Tiergeschichten: So unterschiedlich wie Kinder sind, so individuell sind auch ihre Lese-Vorlieben. Zum zweiten Mal in Folge veranstaltete die Grundschule Feuchtwangen-Land die Aktion „Lesen aus dem Schuhkarton“.
Insgesamt zwölf Vorleser, darunter acht Eltern, haben sich bereiterklärt, an der diesjährigen Aktion mitzumachen und ihr selbst ausgewähltes Kinderbuch den Grundschulkindern der ersten bis vierten Klasse vorzustellen.
Um die Mädchen und Buben neugierig zu machen, gestalteten die Vorleser im Vorfeld einen Schuhkarton mit Bildern und typischen Dingen ihrer Geschichte. So gab es beispielsweise den frechen Kobold Pumuckl zu sehen, wie er in Meister Eders Schreinerei in einem Papierboot schaukelt, oder ein kleines Klassenzimmer mit dem Fuchs Rabbat und der Schildkröte Henrietta – die beliebten Figuren aus der Buchreihe „Die Schule der magischen Tiere“. Mit viel Liebe zum Detail haben die Vorleser ihre Kisten dekoriert. Die Grundschüler konnten sich dann anhand dieser bunt beklebten und bemalten Schuhkartons für die Bücher entscheiden, deren Geschichte sie gerne hören wollten und sicherten sich so quasi die Eintrittskarten für den jeweiligen Vorleseraum.
Jahrgangsgemischt konnten die Kinder jeweils eine Schulstunde lang zwei Erzählungen lauschen. Mit verstellten Stimmen, um in unterschiedliche Sprecherrollen zu schlüpfen, zogen die Vorleser die Mädchen und Jungen in ihren Bann. Sie klebten regelrecht an ihren Lippen, gespannt darauf, was wohl als nächstes passieren wird. „Es war wirklich toll“, betonte Kerstin Sindel, die als Mama einer Zweitklässlerin gerne die Aktion als Vorleserin des Buches „Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst“ unterstützte. „Die Kinder haben richtig mitgefiebert, von daher wusste ich, dass sie auch wirklich zuhören“, freute sie sich. Die gebastelten Schuhkartons bezeichnete sie als kleine „Meisterwerke“.
Eine weitere Mama, Katja Sindel, berichtete, dass es schon etwas Zeit koste, aber dass man es ja gerne für die Kinder mache. Bereits zum zweiten Mal hat sie bei der Aktion mitgemacht und die Geschichten des Pumuckl vorgelesen.
Irina Michel, Mama einer Erstklässlerin, wollte mit ihren Geschichten von den „Kindern von Bullerbü“ kindgerechte Themen aufgreifen. „Da konnten sich die Kinder dann richtig hineinversetzen. Jeder wollte dann auch von seinen eigenen Erfahrungen zu den jeweiligen Themen erzählen. Das hat mir gefallen.“
Die Idee für die Aktion stammte von Julia Maranca, Lehrerin einer ersten Klasse. „Wir merken, dass das Vorlesen zu Hause immer weniger wird, vor allem bei den älteren Kindern. Es wird meistens durch Hörbücher ersetzt. Aber wenn man etwas vorliest, etwas erklärt, die Kinder Fragen dazu stellen können, dann hat das eine ganz andere Qualität. Dieses Zwischenmenschliche ist einfach sehr wichtig.“
Das bestätigten auch zwei Viertklässler. „Daheim wird bei uns nicht mehr vorgelesen. Wir lesen die Bücher selbst. Aber wir hören viel lieber zu“, waren sich die Buben einig. Am meisten habe ihnen das „Tagebuch einer Killerkatze“ gefallen.
Neben ganz viel Spaß kam bei der Aktion auch die Pädagogik nicht zu kurz: Die Rektorin der Grundschule Feuchtwangen-Land, Ellen Schürrlein, hält das Vorlesen für besonders wertvoll und wichtig. Es helfe Kindern, ihre Lesekompetenz zu entwickeln und fördere die Konzentration, die Aufmerksamkeit und die Ausdauer beim Lesen. „Gerade auch für Kinder, denen zu Hause nicht vorgelesen wird, ist diese Aktion besonders.“ Die Schule spiele eine sehr wichtige Rolle, um bei den Kindern die Neugierde für Bücher zu wecken. Auch die Sprachkompetenz werde durch die Aktion verbessert.
„Wir als Schule bemühen uns jedes Jahr, eine Autorenlesung zu veranstalten, um den Kindern die Lust am Lesen näher zu bringen“, erklärte Schürrlein. „Aber da wären wir schnell bei Kosten von zirka 800 Euro gewesen. Das war uns einfach zu viel“. Da schien das Konzept der Aktion „Lesen aus dem Schuhkarton“ eine gute Alternative zu sein. Sie sei froh und dankbar, dass so viele freiwillige Vorleser gefunden werden konnten, die für ihren Einsatz kein Geld verlangten.