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Veröffentlicht am 15.07.2026 07:18, aktualisiert am 15.07.2026 20:57

Frau mit Machete getötet - Zeugen überwältigen Ehemann

Menschen kommen vorbei und legen Blumen ab. (Foto: Andreas Arnold/dpa)
Menschen kommen vorbei und legen Blumen ab. (Foto: Andreas Arnold/dpa)
Menschen kommen vorbei und legen Blumen ab. (Foto: Andreas Arnold/dpa)

Viel erinnert am Morgen nicht mehr an die Gewalttat, die im hessischen Kelkheim geschehen ist. Der Markt, der immer mittwochs stattfindet, ist zwar nur spärlich besucht, aber drumherum wuseln die Menschen durch die Innenstadt. Der Tatort ist nur ein paar Schritte vom Marktplatz entfernt. Blaue Kreise sind dort auf dem Boden aufgezeichnet: Überbleibsel der Spurensicherung. 

Kelkheim liegt im Taunus, nicht weit von Frankfurt entfernt. Am Dienstagabend wurde dort eine 58 Jahre alte Frau mutmaßlich von ihrem Ehemann auf brutale Weise getötet. Die Tat geschah im Freien ganz in der Nähe des besagten Marktplatzes. Zeugen überwältigten den 60 Jahre alten Mann und hielten ihn fest, bis Polizisten ihn festnahmen. Dabei wurde der Angreifer laut Polizei verletzt. Die attackierte Ehefrau erlag noch am Tatort ihren Verletzungen. Beide sind laut Staatsanwaltschaft kroatische Staatsangehörige.

Am Abend nennt die Staatsanwaltschaft Frankfurt grausige Details: Der Mann habe seiner Frau mit einer Machete „mindestens 30 abgrenzbare Stich- und Schnittverletzungen im Bereich des Kopfes, Halses, Nackens und Oberkörpers zugefügt“. Er habe „aus übersteigertem Besitzdenken und Eifersucht, in der Annahme, sie gehe ihm fremd“, gehandelt, so die Staatsanwaltschaft.

Mehrfache Drohungen

Das Ehepaar war nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit 1991 verheiratet, lebte aber seit etwa drei Jahren in Trennung. Die Frau habe den Mann aber zwischenzeitlich wieder in der ehelichen Wohnung aufgenommen. Den Wunsch der Frau, sich scheiden zu lassen, habe der Beschuldigte nicht akzeptiert. Er habe wiederholt gedroht, seine Ehefrau im Falle einer Scheidung umzubringen. 

„Seitens der Polizei unterbreitete Hilfsangebote lehnte die später Getötete in der Vorstellung, der Beschuldigte werde ihr nichts antun, da er sie noch liebe, ab“, schildert die Staatsanwaltschaft die Vorgeschichte. Eine Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Frankfurt erließ Haftbefehl wegen des Verdachts des Mordes aus niedrigen Beweggründen. 

„Alles voller Blut. Ich bin um mein Leben gerannt.“

Dem Verbrechen war offensichtlich ein Streit vorausgegangen. Ein Augenzeuge berichtet, er sei nur etwa fünf Meter von der Attacke entfernt gewesen. Ein Mann, der womöglich betrunken gewesen sei, habe dem Opfer mit einer Machete in den Hals gestochen: „Alles voller Blut. Ich bin um mein Leben gerannt.“ 

Die Frau sei in dieselbe Richtung geflohen und dann - das habe er nicht mehr gesehen - anscheinend kollabiert, sagt der Zeuge, der nur seinen Vornamen Peter nennen wollte. Er habe nur einen einzigen Stich gesehen, dann sei die Attacke schon „vorbei“ gewesen, ergänzt der junge Mann.

Eine Spaziergängerin sagt, dass viele ihrer Freunde am Dienstagabend in einem Lokal auf dem Marktplatz das WM-Spiel zwischen Spanien und Frankreich geschaut hätten. Sie hätten die Tat miterlebt und seien alle noch sehr geschockt. 

Die Umgebung war während der Tat belebt. „Dort gibt es verschiedene Lokalitäten. Entsprechend hatten wir dann auch den Publikumsverkehr“, erklärt ein Polizeisprecher. Seelsorger seien vor Ort gewesen. „Das ist psychisch eine entsprechende Belastung, wenn man so etwas miterleben musste.“

„Ganz ehrlich: Ich bin eine Frau.“ 

Der Tatort ist nur wenige Meter vom Marktplatz entfernt. Vor einer Bäckerei liegen neben den blauen Kreisen der Spurensicherung Blumen und ein paar einzelne Kerzen. Immer wieder kommen Passanten vorbei, die verdutzt vor der geschlossenen Tür der Bäckerei stehen bleiben - sie haben von der Tat nichts mitbekommen. 

Eine ältere Frau sagt, sie habe Sirenen gehört und gedacht, es sei wegen des Fußballspiels gewesen. Erst als ihre Tochter ihr geschrieben habe, ob es ihr gut gehe, habe sie von der Tat erfahren. 

Nach und nach kommen am Morgen auch Menschen mit frischen Blumen vom Marktstand um die Ecke, um diese zu den anderen zu legen. Eine der Passantinnen antwortet auf die Frage, warum sie eine Blume ablege: „Ganz ehrlich: Ich bin eine Frau.“ Frauen sollten in Deutschland in Freiheit leben können, sagt sie. Gerade deshalb habe sie das Geschehene sehr berührt.

Wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden - also weil sie Frauen sind - dann spricht man von einem Femizid. Als häufigste Form gilt die Tötung von Frauen durch Partner oder Ex-Partner. Zu Tatmotiven der geschlechtsspezifischen Tötung von Frauen zählen männliches Besitzdenken, Frauenverachtung, sexuelle Frustration, Frauenhass sowie Kontroll- und Dominanzstreben.

„Es passiert viel, viel, viel zu oft. Ich habe da keine Worte für.“

Vladimir Milovac aus Kelkheim sagt, er kenne den Tatverdächtigen schon lange, die Getötete seit einigen Monaten. Sein Hund habe immer mit ihrem Hund gespielt. Die Frau habe auf ihn sehr gestresst und müde gewirkt, der Mann sei manchmal aggressiv gewesen und habe der Frau gedroht, sagt Milovac. Er habe sich aber nicht einmischen wollen. Als er am Morgen von dem Tod seiner Bekannten erfahren habe, sei er sehr traurig gewesen.

Eine andere Frau legt am Morgen eine weiße Rose neben die Blumen. „Ich habe das heute Morgen gelesen“, sagt sie. Das habe sie „total“ betroffen gemacht. „Wir gehen immer hier frühstücken“, erzählt sie und zeigt auf den Bäcker. „Ich habe die Rose hingelegt, weil was anderes kann man ja nicht machen.“ Wie es ist, wenn so etwas in der eigenen Heimatstadt passiere? „Ganz schlimm natürlich. Es passiert ja leider viel, viel, viel zu oft. Ich habe da eigentlich keine Worte für“, sagt sie.

© dpa-infocom, dpa:260714-930-385700/9


Von dpa
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