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Veröffentlicht am 11.11.2023 10:00

Freizeitoase in Schmalenbach wurde geschlossen

Mit ihren Tieren pflegt Kathrin Schülein ein liebevolles Verhältnis. Alle machen optisch einen guten Eindruck, haben ausreichend Wasser und Futter und einen Stall, in dem sie Unterschlupf finden. (Foto: Florian Pöhlmann)
Mit ihren Tieren pflegt Kathrin Schülein ein liebevolles Verhältnis. Alle machen optisch einen guten Eindruck, haben ausreichend Wasser und Futter und einen Stall, in dem sie Unterschlupf finden. (Foto: Florian Pöhlmann)
Mit ihren Tieren pflegt Kathrin Schülein ein liebevolles Verhältnis. Alle machen optisch einen guten Eindruck, haben ausreichend Wasser und Futter und einen Stall, in dem sie Unterschlupf finden. (Foto: Florian Pöhlmann)

Die Kaninchen wuseln durch ihr Gehege. Der Hahn, der auf den Namen Elvis hört, thront auf dem Zaun, während im Hintergrund ein Lama und ein Pony Fangen spielen. Die Freizeitoase in Schmalenbach (Markt Lehrberg) im Landkreis Ansbach ist ein Gnadenhof für geschundene Tiere – und doch steht die bei Kindern sehr beliebte Anlage im Fokus der Behörden. Derzeit ist sie geschlossen. Notgedrungen.

Als Kathrin Schülein mit ihrem Lebensgefährten im Dezember 2022 in den beschaulichen Ortsteil von Lehrberg zog, ging es ihr zunächst um einen geeigneten Ort für ihre Pferde. Den hat sie hier auf dem einstigen Reiterhof Ziegler gefunden. Zwischen den Gebäuden eines alten Bauernhofs und den Gleisen der Bahn stehen eine Reihe Paddocks, in denen sich die Pferde aufhalten, ehe sie am Abend in ihren Stall wechseln. Gleich nebenan haben viele weitere Vierbeiner ein Zuhause.

Es könnte hier so herrlich sein, ein paar Kilometer entfernt von der Stadt, aber doch gut erreichbar, mitten im Grünen. Schülein liebt Tiere, das erkennt jeder, der einmal zu Besuch in ihrer Freizeitoase war. Nahezu jeder ihrer Schützlinge hat einen Namen, die Bindung zur Besitzerin ist eng. Es heißt, Tiere spüren, wer es gut mit ihnen meint.


„Es geht nicht um das Tierwohl. Das ist eine persönliche Sache.”

Kathrin Schülein

Es ist noch nicht mal hell, wenn Schüleins tägliche Routine startet. Einem Landwirt hilft sie beim Melken, im Gegenzug überlässt ihr der Bauer Heu für ihre Schützlinge. Anschließend werden die Tiere in ihrem Refugium gefüttert, sie bekommen frisches Wasser und die Ställe werden ausgemistet. Rund 2500 Euro monatlich gibt Schülein für Futter, Tierarzt, Hufschmied und Strom aus.

Ihr Geschäftsmodell sieht vor, die erforderlichen Einnahmen dafür aus dem Betrieb des Kiosk zu generieren. Eintritt verlangt Schülein nicht. Gruppen aus dem Bezirkskrankenhaus, aus sozialen Einrichtungen, Grundschulklassen und Kindergarten-Gruppen sind neben Familien mit ihren Jüngsten ihre Stammgäste. Doch die müssen draußen bleiben, seitdem das Veterinäramt ihr vor rund drei Monaten den Betrieb des Gnadenhofs untersagt hat.

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Schülein hat hier viele Geschöpfe aufgenommen, die sonst nicht mehr leben würden. Ein in die Jahre gekommener Esel, aussortierte Mini-Schweine, ein sozial auffälliges Lama und Laufenten, deren Vorbesitzer verstarb. Ein bunter Mix, der aber insofern zusammenpasst, weil hier jedes der Tiere sein spätes Glück finden darf, berichtete Schülein beim Vor-Ort-Termin gegenüber der FLZ.

So hat sich das Lama Joker offensichtlich entschieden, das Pony Pumuckl als Freund an seiner Seite gut zu finden. Andere Lamas oder Alpakas akzeptiert der bei seiner Vorbesitzerin ohne Artgenossen großgewordene Joker nicht.

Der vom Veterinäramt befohlene Versuch der Sozialisierung mit Alpakas schlug fehl. Das Video, das Schülein davon zeigt, ist eindeutig: Joker biss und versuchte mit seinem wuchtigen Körper, auf die vermeintlichen Eindringlinge aufzuspringen.

Gut für das Lama, aber gegen die Vorschrift

Dabei startete sie noch einen zweiten Versuch und zog dafür einen Alpaka-Experten mit dessen Tieren hinzu. Auch das ging schief. Vom Veterinäramt hatte sie einen Bescheid mit Strafandrohung erhalten, sollte die Situation so bleiben, wie sie aber für das Alpakamännchen mit seinem Pony-Kumpel gut ist. Das Amt reagiert nach dem Motto: Vorschrift ist Vorschrift. „Daraus entsteht dem Pferd Leiden, da es sich der Situation (Vergesellschaftung mit artfremdem Tier) nicht entziehen kann“, heißt es in dem der FLZ vorliegenden Schreiben des Veterinäramtes.

Schülein kann mit ihrer ausgeprägten Tierliebe diese Art des Vorgehens nicht nachvollziehen. „Bei mir leidet kein Tier“, versichert die 35-Jährige. Das Lama müsse sie dann eben als Ultima Ratio abgeben, sollen die Behördenvertreter gesagt haben. Damit aber würde das Problem nur verlagert und keinesfalls gelöst, argumentiert Schülein. Ein Lama hat von den Sozialisierungsversuchen mit dem rüden Joker einen Oberschenkelbruch davon getragen. Die Kosten für die Operation wird sie tragen müssen. „Finanziell ist das eine Katastrophe. Auf den Kosten bleibe ich sitzen“, sagt Schülein.

Argumente scheinen zwischen der selbst ernannten „Tier-Mama“ und dem Veterinäramt inzwischen ausreichend ausgetauscht. Findet zumindest Schülein, sie beklagt eine über die Grenzen der normalen Prüfungen hinausgehenden Kontrollwut der im Landratsamt ansässigen Behörde. „Es geht nicht um das Tierwohl. Das ist eine persönliche Sache. 18 Besuche des Amtes hatten wir von Dezember 2022 bis zum August. Irgendwann reicht es.“

Dr. Ralf Zechmeister, Chef des Veterinäramtes, dürfte das anders sehen. Unser Versuch der direkten Kontaktaufnahme mit dem Behördenleiter kam nicht zustande. Fragen beantwortete nur die Pressestelle. Und da heißt es: „Das Veterinäramt führte insgesamt acht Kontrollen seit Dezember 2022 durch.“

Klar ist, dass der Konflikt zwischen Schülein und der Tierschutzbehörde bereits seit Jahren schwelt. Gegen Zechmeisters Vorgänger, Dr. Hans Moser, der das Veterinäramt bis 2017 leitete, prozessierte Schülein. Die von ihm erhobenen Vorwürfe hatten sich in der Verhandlung als haltlos herausgestellt.

Beschwerde gegen den Amtsleiter

Die nun erfolgte „intensive Überwachung“ sieht die Gnadenhof-Betreiberin als Retourkutsche der Behördenvertreter. Ihr solle die Arbeit auf dem Hof schwergemacht werden, glaubt sie und stützt sich dabei auf Aussagen von Personen, die im Landratsamt arbeiten. Beweisen kann sie das nicht, weil diese Personen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Das Amt spricht von „anonym vorgebrachten relevanten Anzeigen“ und „Nachkontrollen“.

Zuletzt erhielt sie Post vom Landratsamt, weil der schon vor vielen Jahren vom Vorbesitzer erstellte Kiosk nebst Vereinsheim nun als Schwarzbau eingestuft wird. Ebenso die Ställe für die Tiere, die ihr Lebensgefährte jüngst gezimmert hatte.

Doch das sei nicht alles, zählt Schülein auf: Laut Amt sollen sich ihre Pferde von den vorbeifahrenden Zügen gestört fühlen – bei unserem Besuch dösten die Vierbeiner selbst als ein Zug vorbeiratterte. Für ihre Hunde, die einen Platz zum Übernachten in der Scheune haben, soll Schülein ein Fenster im Dach einbauen. Sonst würden den Tieren Depressionen drohen. Und ihre Kaninchen sollten Transponder erhalten. „Das wären dann die ersten in ganz Deutschland“, kalauert Schülein, die in den zurückliegenden Monaten Stück für Stück die vom Amt monierten Defizite aufgearbeitet hat.

„Persönliche Einstellungen der Mitarbeitenden des Veterinäramtes spielen hierbei keine Rolle“, lässt die Pressestelle des Landratsamtes offiziell verlauten. Von einem schwelenden Konflikt will man nichts wissen. Inzwischen hat Schülein eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Dr. Zechmeister gestellt.

Auslöser dafür: Der Wirt einer Gaststätte im Landkreis berichtete ihr von einem privaten Besuch des Veterinärs, bei dem er über Schüleins Fall ihm gegenüber offen gesprochen haben soll. Eine bei dem Gespräch anwesende Frau (Name der Redaktion bekannt) bestätigt die Aussage des Wirts auf Nachfrage der FLZ. Rufschädigung und ein Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht von Beamten stehen im Raum.

Offiziell wird die Schließung der Freizeitoase mit einer bislang fehlenden Genehmigung begründet. Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes besagt, dass Einrichtungen, bei denen Tiere entgeltlich oder unentgeltlich zur Schau gestellt oder für solche Zwecke zur Verfügung gestellt werden, eine entsprechende Genehmigung vorweisen müssen. „Diese kann erteilt werden, wenn Sachkunde, geeignete Räumlichkeiten und persönliche Zuverlässigkeit nachgewiesen ist“, erklärt das Amt zu dem laufenden Verfahren. Eine Nachfrage bei einigen Einrichtungen in der Region zeigt, das dies Theorie ist. In der Praxis liegt Paragraf 11 häufig nicht vor.

„Die Tiere haben es bei Frau Schülein nicht schlecht, die Haltung ist in Ordnung“, attestiert ihr Tierarzt Dr. Burkhard Barthel. „Auf dem Hof ist es wie bei einem Zirkus. Die Tiere sind in einem guten Zustand, trotzdem hagelt es Anzeigen.“ Das sei falsch verstandene Tierliebe von Laien, erklärt der Tierarzt dazu.

Inzwischen kann Schülein über einen Helfer Paragraf 11 vorweisen. „Ich weiß aber trotzdem nicht, ob ich bald wieder aufmachen darf“, sagt Schülein.

Einen Artikel über den derzeit laufenden Prozess am Verwaltungsgericht finden Siehier:


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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