Dass ein Ehrenbürger auf einem Stück Kreide herumkaut, hat es so wohl auch noch nie gegeben: Bei der offiziellen Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Friedrich Hilterhaus offenbarte der als Mäzen sehr geschätzte Unternehmer sein komödiantisches Talent.
Rund 200 Gäste, darunter viele Wegbegleiter, Geschäftspartner und Würdenträger der Stadt und des Bezirks, waren in den Onoldiasaal gekommen, um der festlichen Stadtratssitzung beizuwohnen, bei der Hilterhaus im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Ende November war der Stadtrat dem Vorschlag von OB Thomas Deffner (CSU) gefolgt und hatte einstimmig beschlossen, die höchste Auszeichnung der Stadt Ansbach an Hilterhaus zu verleihen.
Im Jahr 2008 war Hilterhaus bereits mit dem Ansbacher Stadtsiegel geehrt worden, 2013 war dann mit der Ehrenmedaille der Stadt eine weitere Auszeichnung hinzugekommen. „Friedrich Hilterhaus hat sich auf besondere Weise verdient gemacht“, befand Oberbürgermeister Deffner nun in seiner Laudatio und nahm Bezug auf das Wirken der Hilterhaus-Stiftung: „Seit sehr vielen Jahren setzt er sich für die Bürger der Stadt mit großem persönlichen und zeitlichen Einsatz ein.“
Den Ring werde ich ihm nicht anstecken. Wir sind beide verheiratet.
Nach Hans Maurer, Gretl Schneider, Carl-Dieter Spranger und Klaus Dieter Breitschwert ist Hilterhaus der fünfte derzeitige Ehrenbürger der Stadt Ansbach. Gerade sein laut OB Deffner „herausragendes und wahres Mäzenatentum für die ganze Stadtgesellschaft“ zeichne ihn aus. „Den Ring werde ich ihm nicht anstecken. Wir sind beide verheiratet“, scherzte Deffner.
„Ich werde nicht nachlassen“, wandte sich der vitale 83-Jährige nach der Zeremonie an die Stadträte und versprach: „Ich werde mich nicht auf den Lorbeeren ausruhen und weiter anstrengen, mein Bestes zu geben.“ In seiner Dankesrede bedankte sich Hilterhaus ausdrücklich bei seiner Frau Gerti, die ihn immer unterstützt habe. „Uns gehört die Ehrenbürgerwürde gemeinsam.“
Über die von ihm und seiner Frau gegründete Stiftung unterstützt der seit 1968 in Ansbach beheimatete Hilterhaus zahlreiche Projekte unterschiedlichster Couleur. Von der Palliativstation im Krankenhaus über Spielplätze und Jugendprojekte bis hin zu kulturellen Einrichtungen wie dem Theater und der Staatlichen Bibliothek: Es gibt wenige Themen, an denen sich der im Bauwesen reich gewordene Mäzen finanziell nicht beteiligt.
Da kann man sich dann wohl die eine oder andere Marotte schon mal leisten und öffentlich von einem Stück Kreide abbeißen, „damit so eine Wutrede nicht noch einmal passiert“, meinte er spitzzüngig in Anspielung auf seine jüngste Kritik gegenüber der Theater-Genossenschaft.
Innerhalb seiner Stiftung will der neue Ehrenbürger künftig deutlich kürzer treten, wie er nun öffentlich machte. In einem noch einzurichtenden Stiftungsrat wird sich Hilterhaus aber weiterhin einbringen. „Ich passe schon noch auf“, meinte der 83-Jährige augenzwinkernd und versprach: „Ein Hanseat hält immer sein Wort.“