Frisch renovierte 30 Quadratmeter für Obdachlose in Ansbach | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 19.02.2023 18:05

Frisch renovierte 30 Quadratmeter für Obdachlose in Ansbach

Nach fünf Jahren Pause gibt es wieder einen städtischen Tagesaufenthalt für Wohnungslose. In der Schaitberger Straße, praktischerweise direkt neben der Obdachlosen-Unterkunft, der Herberge zur Heimat, stehen ab sofort 30 frisch renovierte Quadratmeter zur Verfügung.

Es gibt einen Aufenthaltsraum, Toiletten, eine neu eingebaute Dusche und einen Kühlschrank für Getränke. Eine kleine Küche, um warme Speisen zuzubereiten, soll noch kommen. „Wir lassen das erstmal anlaufen mit einfachen Gerichten wie Ravioli aus der Dose“, erzählt Markus Schlötterer von der städtischen Obdachlosenhilfe.

Aufgrund der Belegung in der Herberge zur Heimat und der Erfahrungen in der Wärmestube der Diakonie in der Karolinenstraße rechnet man zunächst mit zehn bis 15 Personen, die den Tagesaufenthalt nutzen werden. Getränke und Speisen sollen über Spenden hereinkommen. Einen anderen Namen, der nicht so steif klingt, soll die Einrichtung auch noch bekommen. „Ich freue mich über jede gute Idee“, so Schlötterer.

In Abstimmung mit der Diakonie

„Sieht doch ganz schön aus“, fand Oberbürgermeister Thomas Deffner, als er die Einrichtung bei der Eröffnung besichtigte. „Wir kommen damit unserer gesetzlichen Verpflichtung nach“, machte er deutlich. Ausdrücklich betonte Deffner, der städtische Tagesaufenthalt sei keine Konkurrenz zur Wärmestube der Diakonie. Im Gegenteil, man habe einen Kooperationsvertrag unterzeichnet und die Öffnungszeiten aufeinander abgestimmt. „Man muss zusammenarbeiten, um die Aufgaben zu schaffen, denn es fehlt an Personal und Geld“, so Deffner.

Dekan Dr. Matthias Büttner erklärte, man freue sich über das gute Miteinander. Ehrenamtliche, deren Engagement Büttner „einfach unglaublich“ findet, sollen in beiden Einrichtungen flexibel eingesetzt werden. Auch Pfarrer Martin Reutter, zweiter Vorstand des Diakonischen Werkes in Ansbach, bedankte sich für die unkomplizierte Zusammenarbeit. „Wir versuchen unsere Öffnungszeiten in der Karolinenstraße auszuweiten“, erklärte er.

Montags und dienstags werde von Ehrenamtlichen frisch gekocht, und donnerstags gebe man Lunchpakete aus: „Die werden uns von Yormas-Bistro im Bahnhof gespendet“, so Reutter.

Erste Wärmestube wurde 1997 eröffnet

Adelheid Seiler, die für die BAP 18 Jahre lang im Stadtrat saß, erinnerte an die Anfänge der Wärmestube. Im Jahr 1996 sei das gewesen, erzählte sie. Damals habe man einen Obdachlosen vertrieben, der unter einer Brücke Schutz suchte. Dadurch sei die Idee entstanden, in Ansbach einen Ort zu schaffen, an dem Obdachlose Schutz vor der Kälte finden. Am 7. Januar 1997 wurde die Wärmestube im Gebäude der Herberge zur Heimat eröffnet und dort bis 2008 betrieben, ehe die Diakonie in der Karolinenstraße übernahm.

Jetzt ist auch das Wochenende abgedeckt

„Ganz hervorragend“ findet Adelheid Seiler, dass den Obdachlosen jetzt täglich von 11 bis 16.30 Uhr ein geschützter Aufenthalt angeboten wird. „Vor allem, weil auch das Wochenende dabei ist.“

Hauptamtlich betreut wird der Tagesaufenthalt in der Schaitberger Straße von Friedrich Hirtreiter. Der ehemalige Hausmeister hat in den vergangenen Monaten bereits in der Herberge zur Heimat und in der Asylunterkunft in der Draisstraße gearbeitet. Für seine Unterstützung wurde eine halbe Stelle ausgeschrieben, für die die Bewerbungsfrist gerade abgelaufen ist. Und natürlich werden weitere Ehrenamtliche gesucht. Sozialreferent Holger Nießlein erklärte, darüber hinaus sei man im Gespräch mit dem Jobcenter über eine zusätzliche geförderte Stelle.

Pläne fürs Maurerhaus noch nicht vom Tisch

Sind mit der jetzigen Lösung die Pläne vom Tisch, im ehemaligen Maurerhaus in der Pfarrstraße einen Obdachlosen-Treff einzurichten? „Ganz vom Tisch ist das nicht“, erklärt OB Deffner auf Nachfrage. „Wenn das hier in der Schaitberger Straße funktioniert, werden wir das beibehalten.“ Doch wenn sich die Sache anders entwickle, werde man mit einem „Gesamtkonzept nachsteuern“. Dann könne das Maurerhaus durchaus wieder eine Option sein.

Sie laden in den neuen Tagesaufenthalt in der Schaitberger Straße ein (von links): Markus Schlötterer (Obdachlosenhilfe Stadt Ansbach), Dekan Dr. Matthias Büttner, Adelheid Seiler, OB Thomas Deffner und Pfarrer Martin Reutter (zweiter Vorstand Diakonisches Werk). (Foto: Winfried Vennemann)
Sie laden in den neuen Tagesaufenthalt in der Schaitberger Straße ein (von links): Markus Schlötterer (Obdachlosenhilfe Stadt Ansbach), Dekan Dr. Matthias Büttner, Adelheid Seiler, OB Thomas Deffner und Pfarrer Martin Reutter (zweiter Vorstand Diakonisches Werk). (Foto: Winfried Vennemann)
Sie laden in den neuen Tagesaufenthalt in der Schaitberger Straße ein (von links): Markus Schlötterer (Obdachlosenhilfe Stadt Ansbach), Dekan Dr. Matthias Büttner, Adelheid Seiler, OB Thomas Deffner und Pfarrer Martin Reutter (zweiter Vorstand Diakonisches Werk). (Foto: Winfried Vennemann)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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