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Veröffentlicht am 23.08.2024 16:00

Für den Feuchtwanger Leo Trumpp heißt es ab nach München

„Der ist immer so gelassen, selbst beim dritten Versuch“, sagt ein ehemaliger Trainer über Leo Trumpp, der künftig vom Landestrainer betreut wird. (Foto: Theo Kiefner)
„Der ist immer so gelassen, selbst beim dritten Versuch“, sagt ein ehemaliger Trainer über Leo Trumpp, der künftig vom Landestrainer betreut wird. (Foto: Theo Kiefner)
„Der ist immer so gelassen, selbst beim dritten Versuch“, sagt ein ehemaliger Trainer über Leo Trumpp, der künftig vom Landestrainer betreut wird. (Foto: Theo Kiefner)

Manchmal berührt Leo Trumpp die Wolken. Nicht wirklich, aber es fühlt sich so an. In seiner Disziplin kommt er den Wolken näher als die meisten anderen Leichtathleten und wenn er dann aus gut vier Metern nach unten fällt, dabei nach oben blickt und sieht, dass die Latte liegen bleibt, ist das genau der Moment, der ihn am Stabhochsprung so fasziniert.

Touch the Clouds heißt ein berühmter Stabhochsprungwettbewerb in Gräfelfing. Kennt Trumpp natürlich, war er schon am Start – als Gast. Wenn das nächste Mal Deutschlands größtes Stabhochsprung-Festival stattfindet, ist es ein Heimspiel für Trumpp. Der Feuchtwanger wechselt nach den Ferien zu Landestrainer Matthias Schimmelpfennig nach Gräfelfing an den Stadtrand von München.

Damit verbunden ist das, was Jugendliche sonst meist erst dem Schulabschluss machen. Daheim ausziehen, die Stadt wechseln, das kommt auf Trumpp nun halt schon mit 15 zu. Mit dem Mamazettel in der Hand in der Schlange vor dem P1 wird man ihn eher nicht sehen. Der Umzug in die Landeshauptstadt soll den Realschüler als Sportler weiterbringen.

Nummer drei in Deutschland

„Ich möchte so hoch springen, wie es mir möglich ist“, sagt Trumpp. 4,30 Meter hat er schon geschafft. Damit ist er in seiner Altersklasse M15 der Drittbeste in Deutschland. Die Nummer eins hat schon 4,61 Meter überquert. Im Training, wenn meist eine Schnur die Latte ersetzt, sei auch Trumpp schon in diesem Bereich unterwegs gewesen, erzählen Beobachter. Wie weit ihn der Stab mal in den Himmel katapultiert, wenn sein noch härter trainierter Körper, Geschwindigkeit, Technik und Material ideal zusammenspielen, weiß man nicht.

Was man weiß, ist, dass Trumpp seinen Sport mit einigem Ernst verfolgt, Biss und Willen mitbringt. Und Talent natürlich.

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„Der kann alles“, sagt Rainer Weißmann, der Trumpp beim Heimatverein TuS Feuchtwangen lange trainierte. Trumpp ist als Mehrkämpfer tatsächlich ein sehr umfassend ausgebildeter Athlet, hat bei Meisterschaften in den vergangenen Jahren diverse Erfolge erreicht. Der wichtigste aber, die Deutsche Vizemeisterschaft, gelang diesen Sommer im Stabhochsprung.

Mehrkämpfer bei der Deutschen Meisterschaft

Ob Trumpp weiterhin als Mehrkämpfer aktiv ist, wie auch an diesem Wochenende wieder bei der Deutschen Meisterschaft in Hannover, oder sich auf den Stabhochsprung fokussiert, ist eine der Fragen, die noch geklärt werden müssen. Dazu zählt auch ein möglicher Vereinswechsel. Aktuell startet Trumpp für das LAC Quelle Fürth, wo er zuletzt von Eva Mühlhöfer, die aus Heilsbronn stammt und selbst eine erfolgreiche Stabhochspringerin ist, betreut wurde.

Für das Training in Fürth nahm Trumpp einiges auf sich. Eine knapp zweistündige Transportkette bestehend aus Bus, S-Bahn und E-Roller war mehrmals die Woche nötig, um ihn von Feuchtwangen zum LAC und wieder zurück zu befördern. „Da freue ich mich schon auf die kurzen Wege in München“, sagt Trumpp.


Der Leo ist ein Bewegungstalent.

Erich Grau

Mehrere Jahre lang war Trumpp auch im Stabhochsprungstützpunkt bei Trainer Erich Grau in Ansbach. Und hat dort Eindruck hinterlassen. „Der Leo ist ein Bewegungstalent und eine richtig coole Socke. Der ist immer so gelassen, selbst beim dritten Versuch“, sagt Grau.

Der Wechsel nach Gräfelfing ist ein logischer Schritt in der Karriere, nachdem sich die Trainingsgruppe in Fürth auflöst.

„Wir in Ansbach haben 16 Stäbe, die in Gräfelfing haben 200“, benennt Grau prägnant einen nicht unwichtigen Unterschied. Das unverzichtbare Teil, um die vier Meter lang und auch in der einfachsten Ausführung kaum unter 1000 Euro zu haben, dürfte demnächst auch an einem Strand im Norden von Frankreich zu sehen sein. Familie Trumpp verbringt ihre Ferien an der Atlantikküste und auf dem Autodach reist ein Stab mit.

Stäbe werden trotz des Risikos getauscht

In seiner grundsätzlich sehr sportlichen Familie kann Trumpp auf Verständnis und Unterstützung zählen. Der Vater, Martin Trumpp, war einst Wettkampfturner und ist Trainer beim TuS, ein Bruder spielt Handball beim HC Erlangen und zwei weitere Geschwister sind ebenfalls als Sportler aktiv.

Apropos Turnen: Es heißt, dass jeder gute Stabhochspringer auch ein guter Turner ist. Für Trumpp trifft das zu. Seine Vergangenheit als Turner hilft ihm, die komplexen, kraftraubenden Abläufe zu bewältigen. Heute noch trainiert er regelmäßig am Reck.

Die Stäbe gelten in gewisser Weise als Gemeinschaftseigentum. Selbst auf Meisterschaften werden die manchmal getauscht mit dem Risiko, einem Konkurrenten besseres Material und damit einen Vorteil zu verschaffen. „Die Stabis sind eine richtig gute Gemeinschaft“, benennt Trumpp Erfahrungen, die ihn zuversichtlich in die neue Trainingsgruppe eintreten lassen.

Ein Ziel dort ist, schneller zu werden. Je schneller der Anlauf umso höher die Energie, die auf den Stab übertragen wird und die ihn dann in den Himmel hebt, ganz nah zu den Wolken.


Alexander Keck
Alexander Keck
Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
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