Geflügelpest in Brünst: Was die Seuche für den Betrieb der Dietrichs bedeutet | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.01.2025 07:33

Geflügelpest in Brünst: Was die Seuche für den Betrieb der Dietrichs bedeutet

Landwirt Stefan Dietrich im Kükenstall: Für ein gesundes Wachstum brauchen die jungen Hühnchen in den ersten Wochen viel Wärme, denn der Flaum bietet noch keinen ausreichenden Schutz, und gutes Futter. (Foto: FAN-Kunstanstalt)
Landwirt Stefan Dietrich im Kükenstall: Für ein gesundes Wachstum brauchen die jungen Hühnchen in den ersten Wochen viel Wärme, denn der Flaum bietet noch keinen ausreichenden Schutz, und gutes Futter. (Foto: FAN-Kunstanstalt)
Landwirt Stefan Dietrich im Kükenstall: Für ein gesundes Wachstum brauchen die jungen Hühnchen in den ersten Wochen viel Wärme, denn der Flaum bietet noch keinen ausreichenden Schutz, und gutes Futter. (Foto: FAN-Kunstanstalt)

Seit fast 35 Jahren ist die Geflügelhaltung ein wichtiger Bestandteil im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Dietrich in Brünst bei Lehrberg. Mit dem Ausbruch der Vogelgrippe um die Weihnachtsfeiertage und einem Stallbrand vor knapp fünf Jahren gab es auch Rückschläge zusätzlich zu den produktions- und marktbedingten Schwankungen.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag mussten 17.000 Puten gekeult werden, um ein Ausbreiten der Geflügelpest zu verhindern. Im Sommer 2020 kamen 5500 Puten bei einem Brand ums Leben. Durch technischen Defekt war ein Feuer in einer mit Stroh gefüllten Lagerhalle ausgebrochen und hatte sich von dort auf den angrenzenden Putenstall ausgeweitet. Den Feuerwehren gelang es aber, zu verhindern, dass noch ein weiterer Putenstall in Flammen aufging.

Die Vogelgrippe kam trotz Vorsorge in den Stall

Geholfen hätten in solchen schwierigen Situationen aufbauende und ermutigende Worte von Berufskollegen, aus den Reihen des Bauernverbandes und von Gemeindebürgern. „Man verkraftet das Ganze dann leichter“, sagt Hedwig Dietrich.

Trotz aller Vorsicht und Hygiene, um mögliche Eintragsquellen des Vogelgrippe-Virus zu verhindern, infizierte sich innerhalb kürzester Zeit ein Teil des Bestands. Ob es über die Einstreu oder eine sonstige Verbindung nach außen in den Stall gelangte, lässt sich schwer feststellen.

Um den Ausbruchsbetrieb wurde eine Schutzzone (rot) und eine Überwachungszone (blau) eingerichtet. Dort gelten klare Vorgaben zum Umgang mit Geflügel, Eiern und Fleisch. (Grafik: Landratsamt Ansbach)

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Zu den amtlichen Maßnahmen gehörte die Einrichtung einer Schutzzone und einer Überwachungszone. Sämtliche Geflügelbestände in diesem Umkreis wurden ebenfalls auf einen Befall durch Geflügelpest untersucht.

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Jetzt stehen die Putenställe in Brünst leer

Die Putenställe der Familie Dietrich bleiben zunächst leer und stehen unter Quarantäne. Sie müssen einer professionellen Reinigung und Desinfektion unterzogen werden. Die strengen Hygienemaßnahmen gelten auch für sämtliche Einrichtungsgegenstände und Gerätschaften, die in der Geflügelzucht eingesetzt werden, ebenso für den Kot und die Einstreu, in denen sich Erreger befinden könnten.

Erst nachdem die Abschlussdesinfektion amtlich abgenommen ist, gilt die Geflügelpest dort als erloschen und es kann wieder eingestallt werden. Bis dahin können Wochen vergehen. Selbst nach Wiederbelegung der Ställe werden noch klinische Untersuchungen vorgenommen. Erst wenn diese negativ sind, gilt der Fall als erledigt.

Die Tierverluste im Seuchenfall und die erlittenen Einbußen durch den Verdienstausfall werden nur teilweise durch Versicherungen und staatliche Hilfen abgedeckt. Die Seuchenkasse ist Pflicht für Nutztierhalter. Sie kommt aber beispielsweise nicht für Folgeschäden wie etwa für nicht erfüllte Lieferverträge auf.

Der Betrieb ist seit acht Generationen im Familienbesitz

Der moderne Vollerwerbs-Familienbetrieb ist seit acht Generationen in Familienbesitz. Karl und Stefan Dietrich sind nicht nur Vater und Sohn, sondern auch im Rahmen einer GbR beruflich miteinander verbunden. Hedwig Dietrich ist Ehefrau, Mutter und Mitunternehmerin.

Sie stammt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb und hat in den elterlichen Hof ihres Mannes eingeheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden während ihrer Fachschulausbildung in der Agrarwirtschaft.

Hofnachfolger Stefan Dietrich (35), ein studierter Landwirt, hat sich bewusst entschieden, den von der Eltern- und Großeltern-Generation aufgebauten Betrieb weiterzuführen. Die Eltern sind über 60, die Großeltern in den 90ern.

Landwirt Stefan Dietrich will „mit Fleiß” viel erreichen

Der Beruf des Landwirts hat es Stefan Dietrich angetan, die Vielseitigkeit und die Eigenverantwortung im selbstständigen Handeln. „Mit Fleiß, Wissen und unternehmerischer Risikobereitschaft kann man viel erreichen“, sagt er.

1990 errichtete der landwirtschaftliche Familienbetrieb den ersten Putenstall außerhalb der kleinen Ortschaft. 1995 kam ein zweiter dazu und 2015 die Erweiterung um weitere drei Ställe, damit der Betriebszweig Pute für die Zukunft gut aufgestellt ist. „Von 100 Puten können wir nicht leben“, erläutert Hedwig Dietrich.

Die Puten werden als Eintagsküken eingestallt. Im Alter von etwa acht Wochen beziehen sie die Mastställe. Die Puten können sich in den Laufställen frei bewegen, sie haben Aufsitzflächen, Beschäftigungsmaterial, flattern herum und können in der Einstreu scharren und jederzeit frisches Wasser und Futter picken.

Die Tiere wurden für die Zucht robuster

Die spezialisierten Zuchtunternehmen für die deutschen Puten haben vor mehr als zehn Jahren dazugelernt: Damals haben sie die Konstitution der Truthähne und -hennen „erheblich stabilisiert“. Die Tiere seien unempfindlicher, robuster geworden. Gleichzeitig wurde in Tierwohlaspekte investiert. Durch Labels wie QS, Initiative Tierwohl, Geprüfte Qualität Bayern sowie gentechnikfreie Fütterung erfüllt der Betrieb Dietrich freiwillig hohe Haltungsstandards. Dadurch werde ein hoher Selbstversorgungsgrad bei Putenfleisch in Deutschland gewährleistet.

Die Haltung von Geflügel ist mit Herausforderungen verbunden. Die Nachfrage nach Pute und Huhn als Alternativen zu Rind- und Schweinefleisch mit den Folgen in der Massentierhaltung zeigen Risikofaktoren für Infektionen.  (Foto: Silvia Schäfer)
Die Haltung von Geflügel ist mit Herausforderungen verbunden. Die Nachfrage nach Pute und Huhn als Alternativen zu Rind- und Schweinefleisch mit den Folgen in der Massentierhaltung zeigen Risikofaktoren für Infektionen.  (Foto: Silvia Schäfer)

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Das Wohlergehen der Tiere im Stall ist für den Geflügelhalterbetrieb Dietrich das Wichtigste. Die Herde stellt einen hohen Wert auf dem Hof dar, denn davon lebt die Familie. Mindestens zweimal am Tag ist ein Familienmitglied bei den Puten im Stall und schaut Erscheinungsbild und Verhalten der Tiere ganz genau an. Sollte etwas mit der Herde nicht in Ordnung sein, kann bei Bedarf jederzeit reagiert werden, führt Hedwig Dietrich aus. „Wir haben Verantwortung für die Tiere, dass sie gesund und munter bleiben.“

Die Putenställe werden durch die Abwärme aus der Biogasanlage beheizt. Tiermist und Einstreu können als Energiequelle genutzt werden, ebenso der Silomais. Der Betrieb bewirtschaftet eine Fläche von rund 100 Hektar und verfüttert das gesamte eigene Getreide an die Puten. So entsteht ein Kreislauf der Ressourcennutzung in der landwirtschaftlichen Produktion.

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