Bewaffnete Einsatzkräfte, ein kreisender Hubschrauber, Absperrungen: Es sind Szenen wie aus einem Actionfilm - mitten in Sinzig, einem kleinen Ort in Rheinland-Pfalz. Die Polizei war am Morgen alarmiert worden, demnach sollen in der Gemeinde im Kreis Ahrweiler mehrere Täter in einer Bankfiliale Geiseln in ihrer Gewalt haben. Bei einer Geisel handele es sich um den Fahrer eines Geldtransporters. Laut Polizeisprecher waren mehrere Hundert Einsatzkräfte vor Ort.
„Wir hoffen, dass wir die Lage ohne Verletzte beenden können“, sagt Polizeisprecher Jürgen Fachinger am frühen Nachmittag. Die Lage sei statisch. „Die Maßnahmen laufen - auch wenn es nach außen nicht so aussieht.“ Details will er nicht nennen. „Über taktische Maßnahmen machen wir grundsätzlich keine Angaben.“ Allerdings sei eine Verhandlungsgruppe vor Ort, sagt Fachinger. „Es besteht keine Gefahr für Menschen außerhalb der Absperrung.“
Es seien wohl keine Kunden unter den Geiseln, hieß es von der Polizei. Es gebe auch keine Erkenntnisse über Tote oder Verletzte. „Es handelt sich um eine Geiselnahme, das kann dauern.“ Schulbetrieb und normales Leben sei außerhalb der Absperrung aber möglich.
Sinzig mit knapp 20.000 Einwohnern liegt etwa 26 Kilometer südlich von Bonn. Im Pfarrheim St. Peter wurde eine Rettungsstation aufgebaut, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Rollbare Liegen wurden vorbereitet, die Fenster mit Sichtschutz verhängt. Vor dem improvisierten Lager standen Autos des Katastrophenschutzes Ahrweiler und des Roten Kreuzes. Einsatzkräfte bereiteten sich auf den Ernstfall vor. Einem Sprecher zufolge handelte es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Er sprach von einem Verbands- beziehungsweise Behandlungsplatz.
Aus einiger Entfernung von der Bankfiliale machen sich Menschen aus dem Ort ein Bild von der Lage. „Ich wollte einkaufen gehen, da war direkt alles abgesperrt“, sagt ein 84 Jahre alter Mann der dpa. Er wohnt in der Nähe und sei besorgt gewesen, weil seine Tochter häufig die Bank besucht. „Da war ich etwas unruhig.“ Zum Glück sei alles in Ordnung.
Unweit davon steht ein 26 Jahre alter Mann. Er betreibt ein Café, das nun geschlossen sei. „Ein Polizist kam und sagte: Innerhalb von fünf Minuten komplett räumen“, erzählt er. „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in Sinzig passiert.“ Sein Laden wird wohl geschlossen bleiben müssen. „Ich habe eigentlich bis 17.00 Uhr auf. Da kann man nix machen.“
Ähnlich geht es einem Mann, der einen Friseurladen betreibt. „Auf einmal war Totenstille und Polizei überall. Da wusste man, das ist kein normaler Tag“, erzählt der 34-Jährige. Eine Kundin habe angerufen und ihren Termin für den Nachmittag abgesagt. „Es sei ihr zu unsicher. Kann man verstehen, die Angst. Keiner weiß, was passiert.“ Er selbst habe gemischte Gefühle. „Hoffen wir, dass alles schnell vorbeigeht.“
In der nahen Kita St. Peter wurden Kinder teils früher abgeholt. Eine Frau sagte, sie komme für ihre Enkeltochter - heute sei ja „Rambazamba“ in der Stadt.
Im benachbarten Hessen hatte vor gut einem Jahr in Rimbach ein Mann drei Stunden lang eine Bankmitarbeiterin festgehalten, bevor Spezialkräfte der Polizei ihn festnehmen konnten. Der 36-Jährige und sein 21 Jahre altes Opfer blieben äußerlich unverletzt.
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