Rauscht das Depot ab? Oder sind eher Zukäufe sinnvoll, weil Wertpapiere im Laufe des Jahres zulegen könnten? Ist 2026 der richtige Zeitpunkt, um eine Immobilie zu kaufen? Oder investiert man sein Geld lieber in Gold? „Um solche Fragen seriös zu beantworten, bräuchte man schon die berühmte Kristallkugel“, sagt Finanzprofessor Andreas Hackethal von der Universität Frankfurt.
Doch auch ohne den hellseherischen Blick in die Zukunft zu haben, können Experten einige Punkte aufzeigen, die es sich lohnt, bei finanziellen Entscheidungen im Jahr 2026 im Blick zu behalten - und zwar auf weltpolitischer wie auf ganz persönlicher Ebene.
1. Die Politik der USA
„Die USA als größte Wirtschaftsmacht haben grundsätzlich immer einen Einfluss auf die Lage in Deutschland“, sagt Andreas Hackethal. Keiner weiß, ob Präsident Donald Trump seine erratische Handelspolitik weiter beibehält oder sie stabilisiert. Ebenfalls offen ist, ob er es schafft, Zinssenkungen bei der US-Notenbank (Federal Reserve, kurz Fed) durchzusetzen - was zumindest kurzfristig vorteilhaft für die konjunkturelle Entwicklung wäre.
Verhaltensökonom Prof. Hartmut Walz rechnet damit, dass Trumps Politik unberechenbar bleibt - und Anlegerinnen und Anleger 2026 darum noch mehr Börsenschwankungen aushalten müssen. Eine ähnliche Entwicklung erwartet er auch beim Goldpreis. „Viele, die gute Gewinne gemacht haben, wollen jetzt verkaufen. Und wer noch kein Gold hat, will noch schnell welches kaufen - beides wird zu höheren Schwankungen beitragen“, so Walz.
Grundsätzlich dient Gold im Portfolio dazu, gerade in Krisenzeiten mögliche Aktienverluste ein wenig abzufedern, weil es gerade dann als wertstabil gilt. „Mit langfristig zwei Prozent realer Rendite ist es allein für sich genommen aber kein gutes Investment, sondern nur in der Beimischung“, sagt Andreas Hackethal.
2. Der Ukraine-Krieg
Auch die weitere Entwicklung im Ukraine-Konflikt wird große Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland haben. „Kommt es zu einem Ende des Konflikts, ist Deutschland das Land, das am meisten vom Ende der Sanktionen profitieren kann“, sagt Hartmut Walz. Auch hier ist aber das gegenteilige Szenario denkbar, nämlich, dass der Krieg weitergeht oder sogar ausgeweitet wird - mit den entsprechenden negativen Auswirkungen auch für die deutsche Wirtschaft sowie für Anlegerinnen und Anleger.
„Da wir uns auf diese größeren Schwankungen einstellen müssen, sollten wir uns alle finanziell so aufstellen, dass wir trotz ihnen ruhig bleiben können“, rät Hartmut Walz. Für das eigene Portfolio bedeutet das: möglichst breit investieren - und das nicht nur in den Indexfonds MSCI World. „Es geht wirklich darum, die ganze Bandbreite des globalen Marktportfolios abzubilden, also weltweite Aktien, Anleihen, etwas Gold und Krypto“, sagt Andreas Hackethal. Wie man sein Geld hier genau aufteilt, hat etwas mit der persönlichen Risikobereitschaft zu tun. Anlageberater können bei der Auswahl der passenden Strategie helfen.
Wer sich lieber allein darum kümmern möchte, dem empfiehlt Honorar-Finanzanlageberater Kevin Kronauer ein einfaches Gedanken-Experiment: „Rechnen Sie doch einfach mal durch, was sie im schlimmsten Fall verlieren könnten und welche Emotionen diese Zahl auslöst.“ Dazu solle man einen Wertverlust des Portfolios von 53 Prozent annehmen - diese Zahl stammt von der schlimmsten Krise, die es in den vergangenen 55 Jahren gab - also, seitdem es verlässliche Daten für den globalen Aktienmarkt gibt.
Grundsätzlich rät Kevin Kronauer dazu, immer etwas defensiver einzusteigen statt zu offensiv. „Wenn ich dann bei mir beobachte, dass ich mit einem Verlust gut umgehen kann, kann ich das Risiko immer noch erhöhen“, so Kronauer weiter.
3. Der Minsky-Moment
Die Finanzmärkte werden nicht nur durch weltpolitische Ereignisse wie Kriege oder Pandemien beeinflusst. „Wenn sich Märkte lange in einem Aufwärtstrend befinden, kann das System auch aus sich selbst heraus zusammenbrechen“, sagt Hartmut Walz. Der US-amerikanische Ökonom Hyman Minsky erklärte diesen nach ihm beschriebenen Moment dadurch, dass Investoren sich durch die guten Zeiten dazu verleiten lassen, zunehmend riskante Kredite aufzunehmen und zu spekulieren - was bei einem Crash zu Finanzkrisen führen kann.
„Bei den Krypto-Währungen ist beispielsweise schon sehr viel heiße Luft im System“, sagt Hartmut Walz. Ähnlich sieht es im Bereich der Künstlichen Intelligenz aus. „Damit sich all das, was dort investiert wird, irgendwann rechnet, müsste jeder iPhone-Nutzer lebenslang 35 Dollar monatlich für die Nutzung zahlen“, sagt Andreas Hackethal. „Und man darf Zweifel daran haben, ob diese Bereitschaft wirklich da ist.“
Nicht zuletzt der Minsky-Moment spricht also dafür, sich eher nicht von geopolitischen Entwicklungen beeinflussen zu lassen und die eigene Finanzstrategie nach persönlichen Faktoren auszurichten. „Hierfür muss ich mir grundlegende Gedanken über meine finanziellen Ziele machen, über die Anlagedauer, die Risikobereitschaft sowie über einen Liquiditätspuffer“, sagt Kevin Kronauer.
1. Liquide Finanzmittel
Jeder Haushalt braucht Geld, das sich kurzfristig einsetzen lässt, wenn etwa das Auto kaputtgeht oder es zu anderen Notfällen kommt - rund drei Nettomonatsgehälter sollten hierfür schnell verfügbar sein, je nach Familienstand kann auch etwas mehr sinnvoll sein. Dafür werden häufig Tagesgeldkonten genutzt, weil sie rentabler sind als Girokonten. Die Zinssätze der Tagesgeldkonten orientieren sich unter anderem an der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, können sich aber je nach Bank stark unterscheiden.
„Ich würde mir hier jedoch nicht die Mühe des Zins-Hoppings machen und ständig die Zinssätze verschiedener Banken vergleichen, sondern einfach so wenig wie möglich Geld auf Tages- und Festgeldkonen halten“, sagt Hartmut Walz. Als Alternative nennt er Geldmarkt-ETFs oder kurzlaufende Anleihen-ETFs. „Auch darüber kann ich meine Liquidität parken und zwar bequem und zu marktgerechten Zinsen“, so Walz.
2. Immobilien
„Hier ist die grundsätzliche Frage, wozu ich die Immobilie brauche“, sagt Kevin Kronauer. Bei einer Eigennutzung spiele eher der persönliche, emotionale Wert und die familiäre Situation eine Rolle und es gehe weniger darum, wie rentabel die Investition am Ende ist. „Finde ich dazu eine zu einem vernünftigen Preis, muss ich auch 2026 nicht mit besonders hohen Bauzinsen rechnen“, sagt Hartmut Walz.
Dient die Immobilie dagegen als Geldanlage, steht zwar die Rendite mehr im Vordergrund. Kevin Kronauer zufolge ist deren Wertentwicklung allerdings ähnlich spekulativ wie ein Börseninvestment. Deshalb sollte auch hier die Frage im Mittelpunkt stehen, ob ein Immobilienkauf ins gesamte Anlage-Portfolio passt.
All diejenigen, die bereits eine Immobilie finanzieren, haben wegen der Inflation die letzte Zeit finanziell profitiert. Andreas Hackethal zufolge sollten sie jetzt jedoch einen Blick auf die Anschlussfinanzierung haben. „Falls bei einem nie auszuschließenden Zinsanstieg die Raten nicht mehr tragbar wären, würde ich jetzt einen Sicherheitsgurt anlegen und mich um eine Refinanzierung kümmern“, sagt Andreas Hackethal.
3. Lebensalter
Die Jahresrenditen für Aktien waren in den vergangenen Jahren gut. „Wer kurz vor dem Ruhestand steht und das Geld dafür braucht, sollte es mit Aktien nicht weiter überdrehen, sondern jetzt rausgehen“, sagt Andreas Hackethal. Heißt konkret: Anteile verkaufen und in risikoärmere Anlageklassen, wie Anleihen oder Festgeld, umschichten.
Liegt der Anlagehorizont dagegen noch bei zehn oder mehr Jahren, sieht er keinen generellen Handlungsbedarf. „Wenn ich bei mir persönlich aber feststelle, dass ich drohende Verluste selbst vorübergehend nicht aushalten kann und dann schlecht schlafe, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um Ordnung ins Depot zu bringen und Risiken etwas zu verringern“, sagt Hartmut Walz.
4. Job
Wer in einer Branche arbeitet, in der eine gewisse Job- oder Karriereunsicherheit herrscht, wie etwa derzeit in der Automobilbranche, dem empfiehlt Andreas Hackethal einen genaueren Blick auf seine Anlagestrategie. „Sobald mein Humankapital riskanter geworden ist, muss ich schauen, wie ich bei der Geldanlage Risiko rausnehmen kann.“ Andernfalls könne es passieren, dass es sowohl im Job als auch im Depot bergab geht. „Und dann wird es ungemütlich.“
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