Eine künstliche Intelligenz macht sich Gedanken zu Richard Wagners „Rheingold“ - und große Teile des Publikums gehen da nicht mit. Nach der Premiere der ersten Episode des Bayreuther Jubiläums-„Rings“ gibt es nur sehr gemischte Reaktionen. Es hagelt viele und laute Buh-Rufe, Applaus gibt es aber auch, nachdem die KI zweieinhalb Stunden lang wilde Assoziationen zu Rheintöchtern, Gold, Ring, Zwergen, Göttern und der Bayreuther Aufführungsgeschichte in den Zuschauerraum geworfen hat.
Die Sänger, die weitgehend regungslos auf der Bühne stehen, gehen oft in – oder sogar hinter – einem ruhelosen, vielfach an Bilder Salvador Dalís erinnernden Gewusel unter, das in seinen starken Momenten zeigt, wozu KI auf der Bühne bald wohl fähig ist, in seinen schwächsten Momenten aber zur undefinierten Farbsuppe wird.
Weil ansonsten jegliches Regiekonzept fehlt und es keinerlei Figurenführung oder auch nur nennenswerte Interaktionen zwischen den Charakteren gibt, wird selbst das „Rheingold“, der mit Abstand kürzeste Teil von Wagners Tetralogie, quälend lang. Wie das mit dieser nahezu konzertanten Produktion noch werden soll bei den stundenlangen Nachfolgern, vor allem bei der „Götterdämmerung“, das bleibt abzuwarten.
Das Publikum tröstet sich derweil mit dem musikalischen Teil und bejubelt Dirigent Christian Thielemann, der wenige, aber für Bayreuth sehr überraschende Buhs abbekommt, sowie Michael Volle als Wotan und Klaus Florian Vogt als Loge.
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