Die Konjunktur ist im Keller. Das hat vielfach negative Folgen, etwa in der Baubranche. Doch auf dem Lehrstellenmarkt ist davon bisher nichts zu spüren.
„Die Unternehmen melden im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert viele Ausbildungsstellen.“ So schildert auf FLZ-Anfrage Claudia Wolfinger, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg, die regionale Lage.
Demnach sind die Jugendlichen weiterhin in einer guten Position: Statistisch gesehen gibt es pro Bewerber eineinhalb Ausbildungsstellen, so die Situation im Gebiet der Stadt Ansbach und der Landkreise Ansbach und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.
Diese Daten gehen aus einer Zwischenbilanz hervor. Denn für die Statistik beginnt das Ausbildungsjahr jeweils im September. Lukas Schliepkorte, der Pressesprecher der Ansbacher Arbeitsagentur, teilte Zahlen bis einschließlich Mai mit. In diesem Monat waren regional 2.561 Ausbildungsstellen gemeldet, und damit etwa genauso viele wie im Vorjahr. Davon waren etwas mehr als die Hälfte noch unbesetzt. „Wir sehen also, dass der Ausbildungsmarkt sich im Wesentlichen konjunkturunabhängig verhält“, erläutert Wolfinger.
Auf der anderen Seite waren im Mai 1.763 Lehrstellensuchende bei der Berufsberatung gemeldet, und damit knapp zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. Etwa ein Drittel der Bewerber ist noch unversorgt. Diese Quote sei „trotz des absehbaren Ausbildungsstarts üblich“, so Wolfinger. Sie verweist etwa auf Jugendliche, „die mehrere Eisen im Feuer haben und deshalb eine Entscheidung hinauszögern“.
Die Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg bildet auch selbst aus. Angelina Wick (20) aus Ansbach und Jael-Marie Dengel (18) aus Windelsbach bei Rothenburg sind bei der Agentur Azubis im dritten und letzten Lehrjahr. „Wir machen jetzt nach der Ausbildung weiter – in unserer Wunschabteilung, der Eingangszone in Ansbach. Da empfangen wir alle Anliegen, die so kommen. Zum Beispiel Arbeitssuchendmeldungen oder wir vereinbaren Termine – einfach alle möglichen Kundenanliegen“, sagt Angelina Wick.
Jael-Marie Dengel schilderte gegenüber Schliepkorte die Herausforderungen, angesichts der schwierigen Lebenssituation, mit der Arbeitslose oft konfrontiert sind: „Das dicke Fell entwickelt man mit der Zeit. Ich habe mit 16 angefangen, da braucht das ein bisschen. Manchmal sind Menschen auch einfach verzweifelt und nicht direkt sauer auf uns – trotzdem bekommen wir das dann auch mal ab.“
Indes verbessert sich nach Erkenntnissen der Handwerkskammer die Lage in handwerklichen Mangelberufen. Bei diesen bleiben jährlich viele Lehrstellen unbesetzt. Sowohl bei den Metzgern als auch bei den Bäckern verzeichne die Handwerkskammer einen leichten Anstieg der Zahl an Bewerberinnen und Bewerbern beziehungsweise Lehrverträge, so Professor Dr. Elmar Forster, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken.
Bei den Bewerbern wiederum stünden besonders hoch im Kurs „Berufe mit Green Skills, beispielsweise in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK), Dachdecker oder Schornsteinfeger“. Dass Berufe mit umweltfreundlichen Tätigkeiten beliebter werden, gehe auch aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von 2023 hervor, so Forster.
Für eine endgültige Bilanz im Kalenderjahr sei es noch zu früh, doch bis Ende Mai gab es in der Stadt und dem Landkreis Ansbach bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen im Handwerk einen erheblichen Anstieg. Lediglich im Raum Neustadt blieb die Zahl unverändert. Für die Vergleiche zog die Kammer die Statistik aus dem Jahr 2023 heran.
Forster erläutert zu den Daten: „Die aktuell gestiegenen Lehrvertragszahlen im mittelfränkischen Handwerk stimmen uns vorsichtig optimistisch – auch wenn sie lediglich eine Momentaufnahme“ seien. Er fügt hinzu: „In einem weiterhin schwierigen Umfeld mit hoher Studienneigung und demografischen Herausforderungen sehen wir es schon als Erfolg, das Niveau zu halten.“
Horst Maußner, der stellvertretende Leiter der IHK-Geschäftsstelle Ansbach, berichtet: „Die Ausbildungssituation in IHK-Berufen in der Region zeigte sich 2024 unverändert stabil. Dennoch blieben zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt, was den anhaltenden Fachkräftemangel unterstreicht.“ Die Tendenz im Jahr 2025 zeige „auch erfreulicherweise eine bisher stabile Entwicklung bei den neu abgeschlossenen IHK-Berufsausbildungsverhältnissen“.
Claudia Wolfinger verweist auf das Beratungsangebot der Arbeitsagenturen: „Wer dieses Jahr die Schule abschließt und noch Fragen zu einer Berufsausbildung hat, kann sich sehr gerne an unsere Berufsberatung wenden.“