Goetz-Weimer wirft AfD Diffamierung von Erhard-Gipfel vor | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 28.04.2026 16:52

Goetz-Weimer wirft AfD Diffamierung von Erhard-Gipfel vor

Theo Waigel (2.v.r) war sichtlich erfreut über die Auszeichnung mit dem Freiheitspreis der Medien auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel.  (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Theo Waigel (2.v.r) war sichtlich erfreut über die Auszeichnung mit dem Freiheitspreis der Medien auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Theo Waigel (2.v.r) war sichtlich erfreut über die Auszeichnung mit dem Freiheitspreis der Medien auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Zum Auftakt des Ludwig-Erhard-Gipfels hat Gastgeberin und Verlegerin Christiane Goetz-Weimer eine politische Kampagne gegen ihren Verlag und die Großveranstaltung am Tegernsee beklagt. „Wir hatten durch die Berufung meines Mannes in die Bundesregierung eine Phase scharfer Kritik“, sagte sie in ihrer Eröffnungsrede. Sie warf insbesondere der AfD und Wettbewerbern eine gezielte Diffamierung vor. „Das ist, politischer und wirtschaftlicher Wettbewerb hin oder her, gar nicht in Ordnung.“

2025 war der frühere Co-Verleger Wolfram Weimer (parteilos) als Kulturstaatsminister in die Bundesregierung eingetreten, in der Folge war der Gipfel unter Beschuss geraten. Ein Vorwurf lautete damals, dass auf dem Gipfel Unternehmen gegen Geld exklusiver Zugang zu Bundesministern angeboten wurde. Die Veranstaltung warb demnach explizit mit „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“. Die Weimer Media Group hatte die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Zwischenzeitlich beantragte die AfD im bayerischen Landtag auch die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. 

In diesem Jahr kaum Spitzenpolitiker unter Gipfelgästen

An der Veranstaltung am Tegernsee hatten in früheren Jahren regelmäßig Bundesminister und andere Spitzenpolitiker, darunter auch Kanzler Friedrich Merz (CDU), teilgenommen. Infolge der Kritik entschieden sich aber in diesem Jahr die meisten Politiker gegen eine Teilnahme. Goetz-Weimer gab sich kämpferisch und kündigte an, „Politikern von links wie rechts außen, von Linken und der AfD erhalten hier bei uns hingegen keine Bühne, auch 2026 nicht“. Die AfD versuche seit Jahren, am Gipfel teilnehmen zu dürfen, die Attacken seien somit „eine durchschaubare politische Kampagne“.

Freiheitspreis für Theo Waigel

Besonderen Grund zur Freude hatte beim Auftakt der Veranstaltung der ehemalige CSU-Bundesfinanzminister und „Mr. Euro“ Theo Waigel. Er erhielt den „Freiheitspreis der Medien“ der Weimer Media Group für sein politisches Lebenswerk. Waigel reiht sich damit in eine lange Reihe von Preisträgern ein, darunter der verstorbene Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und seine Frau Julia, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow.

„Der Theo Waigel war immer mittendrin“, sagte der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in seiner Laudatio über das politische Leben des 87-Jährigen. Er habe die Wiedervereinigung und die Einführung des Euro maßgeblich begleitet, „ein faszinierendes Projekt“. Waigel sei Schwabe, Bayer, Deutscher und Europäer und ihm gelinge das Kunststück, keine seiner Identitäten zu vernachlässigen.

Waigel sorgt sich um Demokratie 

Waigel nannte die Auszeichnung eine große Ehre, die er mit Demut annehme. Die Krise der Demokratie besorge ihn aber sehr. „Wir sollten viel öfters davon reden, dass Wohlstand und Sicherheit am besten dort gedeihen, wo die Demokratie gedeiht.“ Es brauche zur Verteidigung der Freiheit zudem endlich eine europäische Wehrhaftigkeit. 

Verlegerin Goetz-Weimer nannte Waigel einen großen Staatsmann und den „vielleicht besten Finanzminister, den wir je hatten“. Die Eurozone sei heute „Schutzburg in einer wild gewordenen Welt“.

© dpa-infocom, dpa:260428-930-5254/1


Von dpa
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