Großprojekt im Freilandmuseum in Bad Windsheim: Kultur-Bauhof eröffnet | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 14.09.2025 13:45

Großprojekt im Freilandmuseum in Bad Windsheim: Kultur-Bauhof eröffnet

13 Millionen Euro Baukosten: Am Samstag wurde das Großprojekt in Bad Windsheim feierlich seiner Bestimmung übergeben. (Foto: Hans-Bernd Glanz)
13 Millionen Euro Baukosten: Am Samstag wurde das Großprojekt in Bad Windsheim feierlich seiner Bestimmung übergeben. (Foto: Hans-Bernd Glanz)
13 Millionen Euro Baukosten: Am Samstag wurde das Großprojekt in Bad Windsheim feierlich seiner Bestimmung übergeben. (Foto: Hans-Bernd Glanz)

13 Millionen Euro Baukosten, 19 beteiligte Planungsbüros und 86 beauftragte Firmen. Zahlen, die nur annähernd beschreiben, welches Mammutprojekt die Errichtung des neuen „Kultur-Bauhofes“ auf dem Gelände des Fränkischen Freilandmuseums war. Am Samstag wurde das Großprojekt in Bad Windsheim feierlich seiner Bestimmung übergeben.

„Ein Quantensprung“, der „Maschinenraum des Freilandmuseums“, eine „denkmalpädagogische Vermittlungsstelle“, „ein Bauhof, wie er sein soll“. Die Lobeshymnen, mit denen die Grußwortredner in der großen „Abbundhalle“ das neue Bauwerk bedachten, wurden spätestens bei den anschließenden Führungen durch den Museumsbauhof erklärbar.

Große Investition in das Fränkische Freilandmuseum

Das 13 Millionen Euro teure Bauwerk ist seit Bestehen des Museums die größte Einzelinvestition des Bezirks Mittelfranken für das Freilandmuseum. Im April 2022 erfolgte der Bauantrag, im April 2024 wurde Richtfest gefeiert und nun durfte Einweihung gefeiert werden. Eine Punktlandung, denn die bisherigen Örtlichkeiten des Bauhofes waren angemietet und müssen mit Ablauf des Pachtvertrages zum 31. Dezember 2025 geräumt sein.

Museumsleiter Dr. Herbert May, der in wenigen Wochen in den Ruhestand geht, war die Zufriedenheit über das neue Bauwerk deutlich anzusehen. „Wir haben endlich Raum für größere Gruppen. Das Gebäude darf sich mit Stolz Kultur-Bauhof nennen.“ Das erklärt zu einem guten Teil die Höhe der Bausumme, die zu Beginn mit rund 12 Millionen Euro veranschlagt wurde. Die Vermittlung museumspädagogischen Wissens, von alten Handwerkstechniken wie beispielsweise der Schablonenmalerei, von Stuckarbeiten und vielem mehr geschehe jetzt Tür an Tür mit den Handwerkern, sagte May.

Ein regionales Aushängeschild

Zudem habe man nun „endlich Raum für größere Gruppen“ mit adäquaten Möglichkeiten für Tagungen mit Themen rund um die Freilichtmuseen. Der Markenkern und die Domäne des Fränkischen Freilandmuseums wäre eben alles rund um historische Bausubstanzen. Museumsdirektor Dr. Herbert May würdigte schon bei der Grundsteinlegung das Konzept: „Wir sind unter den deutschen Freilichtmuseen das Kompetenzzentrum für historisches Handwerk.” 

Aussagen, die Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster während seiner Begrüßung der geladenen Gäste unterstrich. Das Museum sei unbestreitbar ein überregionales Aushängeschild, deswegen sei die wegweisende Entscheidung für den Bau des Kulturbauhofes richtig und gut gewesen. Dabei galt sein Dank unter anderem den Bezirksräten, die trotz manchmal „klammer Kassen“ für den Bau gestimmt hatten. Nicht zuletzt seien die neuen Arbeitsbedingungen für die rund 20 Mitarbeitenden der unterschiedlichen Fachrichtungen angesichts des Nachwuchsmangels im Handwerk auch eine Werbemöglichkeit.

Der Abschied von den historischen Gebäuden, hier die Synagoge aus Allersheim, fällt Herbert May, der bis Ende September Leiter des Fränkischen Freilandmuseums sein wird, schwer. (Foto: Daniela Ramsauer)
Der Abschied von den historischen Gebäuden, hier die Synagoge aus Allersheim, fällt Herbert May, der bis Ende September Leiter des Fränkischen Freilandmuseums sein wird, schwer. (Foto: Daniela Ramsauer)

„Ein Teil meines Lebens”: Leiter des Fränkischen Freilandmuseums hört auf

32 Jahre lang hat Herbert May im Bad Windsheimer Museum gearbeitet; 15 davon als Leiter. Ende September ist Schluss. Sein Team und die Häuser wird er vermissen.

Ein Gebäude auf dem neuesten Stand

Die Mitarbeitenden des Kultur-Bauhofes sind allesamt hochspezialisiert für die Tätigkeiten an und in den historischen Gebäuden. Der sensible Umgang mit der jeweiligen Hausgeschichte fordere nicht nur die entsprechenden Werkzeuge, sondern „ein besonderes Wissen um die historischen Arbeitstechniken”, erklärte Dr. Markus Rodenberg, stellvertretender Museumsleiter, noch vor wenigen Tagen in einem Gespräch mit der FLZ.

Neben den zusammengeführten Teilen des Bauhofes, dessen Beschäftigte bisher mit den Hemmnissen verschiedener Standorte rund um das Museum zurechtkommen mussten, zeigt sich der gesamte Gebäudekomplex auch im Umweltbereich auf dem neuesten Stand: Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ist die Versorgung des gesamten Museums nahezu ausschließlich durch die eigene Stromerzeugung gesichert. Außerdem ist der Gebäudekomplex wo immer möglich in Holzbauweise errichtet.

Endlich von niemandem mehr abhängig

„Wer die bisherigen Standorte kennt, weiß, wie wichtig der neue Bauhof für uns ist“, sagte Bauhof-Leiter Ernst Baßler. Wichtig sei, dass „wir von niemandem mehr abhängig sind“. Das gesamte Gebäude samt Außenanlagen befindet sich nun auf Museumsgrund. „Ein Bauhof, wie er sein soll.“ Angefangen von der Pädagogik, den Büros, der Technik, dem Glas- und Farbenlager, der Schmiede, dem Waschplatz, der Fahrzeughalle – um nur einiges aus Baßlers Aufzählung zu nennen.

Zu Beginn der Veranstaltung gedachten Dr. Herbert May und Peter Daniel Forster in bewegenden Worten des vor wenigen Tagen verstorbenen ersten Museumsleiters Prof. Konrad Bedal, der sich sowohl in seiner aktiven Zeit im Museum als auch später im Ruhestand „seinem Museum“ unermüdlich und in verschiedenster Art und Weise gewidmet hatte. Musikalisch begleitete die Gruppe „Nightwalk“ das Programm.

Professor Dr. Konrad Bedal hat in Bad Windsheim viel bewegt. (Archivbild: Sylvia Fehlinger)

Dr. Konrad Bedal ist tot: Trauer um den Pionier des Fränkischen Freilandmuseums

Der „Urvater” des Museums in Bad Windsheim ist am Donnerstag im Alter von 80 Jahren verstorben. Er hinterlässt ein großes kulturelles Erbe für die Region.

Von Hans-Bernd Glanz
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