Sechs Windräder mit der Beteiligung der Bürger sind geplant. Die erste Anlage soll in drei Jahren in Betrieb gehen.
Der Klimawandel begegnet Stadtförster Sven Finnberg täglich im Wald und das „massiv“. Umso mehr war er froh bei einer grünen Sitzung des Bad Windsheimer Stadtrats nun ein Projekt für Erneuerbare Energien vorstellen zu können. Wenn alles nach Plan läuft, geht in drei Jahren das erste von sechs Bürgerwindrädern im Schussbachwald ans Stromnetz.
„Wir begeben uns auf einen ganz tollen Weg und wollen als Vorreiter fungieren“, hob Bürgermeister Jürgen Heckel beim Treffen im Wald bei Haaghof hervor. Er rechne vorsichtig damit, dass am Ende vielleicht vier oder fünf Windräder aufgestellt werden, die Kosten für eines bezifferte er auf acht bis zehn Millionen Euro.
Die Windräder als Anlage der Bürger zu betreiben sei ihm nicht nur wegen der hohen Kosten wichtig. „Wir haben Nachteile in der Altstadt“, betonte Heckel. Die dort geltende Baugestaltungsverordnung regle unter anderem, dass dort nicht alles mit „PV-Anlagen zugekleistert wird“. Man müsse den Bürgern eine Alternative bieten, in Sachen Energie Geld sparen zu können.
„Alleine mit einem Windrad könnte man die gesamte Bürgerschaft in Bad Windsheim absichern“, erläuterte Projektplaner Daniel Koglin, der die Bürgerwindräder mit der Firma VWAP aus Wallmersbach plant und für die Stadt umsetzen will. Eines produziere bis zu 15 Millionen Kilowattstunden – damit sei die Fläche von rund 5000 Quadratmetern, etwa ein dreiviertel Fußballfeld, die für den Aufbau eines Windrades benötigt wird, seiner Meinung nach gerechtfertigt.
Dass es ohne Rodung nicht gehe, sei klar, erläuterte auch VWAP-Geschäftsführer Erik Vorlaufer. „Wir schauen eher in Fichtengebiete zu kommen, um möglichst wenig guten Wald zu beeinträchtigen.“ Allein die Lastwagen, welche schweres Gerät und Teile bringen, hätten Zuglängen von knapp 100 Metern, erklärte Koglin. Momentan sei die Zufahrt über Haaghof geplant, man achte darauf, dass man große Eichen stehen lässt.
Für den Aufbau des Großkrans, der im Liegen zusammengebaut wird und sich dann selbst aufrichtet, benötige man eine Länge mit 200 Metern auf möglichst ebenem Untergrund, ohne Gefälle. Finnberg und seine Mitarbeiter hatten dies an einem Weg im Wald abgesteckt, um den Stadträten, Verwaltungsmitarbeitern und interessierten Bürgern die Dimensionen zu erläutern.
Forstmitarbeiter und Planer stimmten sich eng miteinander ab, seien laufend im Gespräch. Das angedachte Gebiet sei im Regionalplan geprüft worden und es habe bislang „keine Stellungnahme gegeben, die gegen die Fläche spricht“. Das sei aber noch nicht verbindlich, machte Koglin klar, auch Heckel ist noch sehr vorsichtig mit Zusagen, dass die Anlage auch sicher kommt.
Erst im Frühjahr 2025 erwartet Koglin, der seit 15 Jahren Windräder in Wäldern plant, dass der Regionalplan rechtskräftig wird. Noch in diesem Herbst starten Gutachten zur Uhu- und Eulen-Population, im Frühjahr werden Horste kartiert. Ein Artenschutzgutachten werde erstellt, so Vorlaufer, auch wenn das nach neuester Maßgabe der Bundesregierung nicht mehr erforderlich sei. „Wir untersuchen trotzdem parallel zum Verfahren und reichen das dann nach.“
Das sei wichtig, weil sonst im Nachgang das Landratsamt eine zeitweise Abschaltung der Anlagen anordnen könnte, sollte sich herausstellen, dass dort beispielsweise der Rotmilan brütet. „Das wollen wir dann vorher wissen und Alternativen überlegen“, sagte Vorlaufer.
„Das Gebiet hat Charme und ist für Windkraft nutzbar“, betonte Koglin, der zuversichtlich ist, dass die Anlage, in welcher Form auch immer, dort gebaut werden kann. Er und VWPA gingen mit einer Summe im sechsstelligen Bereich in Vorleistung und würden so etwas nicht tun, wenn sie sich nicht einigermaßen sicher wären.
Im Bezug auf Abstandsflächen, die einzuhalten seien, geben die Planer momentan sogar noch rund 200 Meter mehr dazu, so dass auch hier keine Kritik zu erwarten sei. Sorge bereiten Bürgermeister Heckel „die Amerikaner“. Die Kaserne mit Flugplatz in Illesheim sei nahe. Geforderte Überflughöhen werden eingehalten erläuterte Koglin – dennoch: „Die Amerikaner haben viel verhindert und das zu einem Zeitpunkt, als die Messe schon gelesen war.“
Im Regionalplan hätten sie keine Einwände gehabt, dennoch werde „das Militär noch mal abgefragt“, bevor es ernst werde, sicherte Koglin dem ehemaligen Stadtrat und Ortssprecher Ickelheims, Wilhelm Dehner, zu. Der wollte auch wissen, ob die Windkraft ausreiche und Messungen in Nabenhöhe stattgefunden hätten. Genug Anlagen in der näheren Umgebung brächten nicht den Ertrag, von dem man ausgegangen war, kritisierte Dehner. Wind sei da, der wurde auch gemessen. Nur auf den Windatlas könne man sich freilich nicht verlassen, „der ist rudimentär, entspricht nicht der Wirklichkeit“, so Koglin. Entsprechend werde es weitere Gutachten geben.
Auch nach der Möglichkeit der Einspeisung fragte Dehner. „Wenn ich sagen würde, die Einspeisung ist gesichert, würde ich lügen“, antwortete Heckel. Stadtwerke und N-Ergie prüfen derzeit Möglichkeiten. Eine Option wäre laut Heckel, die längst stillgelegte Wasserleitung von Altseligenbach, die nach Bad Windsheim führte, quasi als Leitungskanal zu reaktivieren. „Zum Großteil liegt die noch.“
Annemarie Bruckert (Grüne) wollte wissen, ob an Gegeninitiativen gedacht wurde und wie man damit umgehe. Claus Düll von der Stadtverwaltung, der sich im Arbeitskreis für die Windkraftanlagen engagiert, erläuterte, dass man gerade, weil man die Bürger mitnehme, nicht mit Gegenwind rechne. Auch die Bürger aus den umliegenden Gemeinden werden informiert, sobald alles konkreter werde, sagte Heckel zu. „Wir machen keinen Alleingang.“
Sobald die „Tiefe der Sicherheit noch größer“ ist, werde es eine Informationsveranstaltung geben, sagte Vorlaufer, der vom guten Ruf seiner Firma in der Region sprach. Koglin erklärte, dass sich schnell herumspreche, dass man „damit Geld verdient. Dann sind die Windräder auf einmal nicht mehr so hoch und nicht mehr zu laut und werfen auch deutlich weniger Schatten.“
Matthias Oberth (SPD) fragte, wie es mit der Produktion der Windräder aussehe. Viele Kommunen setzen nun auf Windkraft, bei hoher Nachfrage entstünden mit Sicherheit Lieferengpässe. Vorlaufer erläuterte, dass seine Firma bereits mit zwei Herstellern in Gesprächen sei und auch Bad Windsheimer „Sonderlösungen“ mit diesen austüftele, eben auch damit man möglichst wenig roden müsse.
„Die wissen Bescheid und sobald wir das Go geben, brauchen sie ihre Sachen nur noch aus der Schublade ziehen. Unsere Hausaufgaben sind alle gemacht“, erklärte Koglin. Heckel versuchte die „Zeitspanne, von der wir reden“ etwas einzugrenzen. „Vor drei Jahren tut sich da nix.“ Finnberg hakte ein: „Da wollen wir in Betrieb gehen.“ Der Zeitplan werde angestrebt, sei aber zugegebenermaßen „sehr sportlich“, so der Windradexperte.
Die Betriebsdauer, nach der Erika Löblein (WiR) fragte, gab Koglin mit 20 Jahren an. Durch den Austausch von Verschleißteilen könne man die Genehmigung auf 25 Jahre und mehr verlängern. Allemal sei es eine Investition in eine klimafreundliche Zukunft und reduziere auf lange Sicht Kosten, so Düll: „Das Heizen mit dem Tauchsieder wird günstiger sein als alles andere, darauf wird es hinauslaufen.“