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Veröffentlicht am 02.07.2024 07:00

„Habe die Schnauze voll”: Geschäftsmann wettert gegen Ansbachs Verwaltung

Stefan Wellhöfer ist ein Freund klarer Worte. Der umtriebige Mitarbeiter der Bekleidungsfirma „Lustobjekte“ hat sich in der Vergangenheit schon mit einigen pfiffigen Ideen zu Wort gemeldet und in der Citywerkstatt eingebracht. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

In diesen Tagen vertritt Wellhöfer die Ansbacher Boutiquen bei dem Sommerfestival „Tollwood“ im Münchner Olympiapark, zuvor ließ er seinem Unmut über den seit Jahren nachlassenden Kundenzuspruch in der Ansbacher Innenstadt freien Lauf. Im Fokus seines Ärgers: die Bemühungen der städtischen Verwaltung und der Citywerkstatt, für Belebung im Herzen Ansbachs zu sorgen.

Fehler in Ansbachs Verwaltung angeprangert

„Was heißt denn Belebung? Das sind nur Lippenbekenntnisse. Es wird doch alles dagegen getan“, schimpft der in Ansbach sehr bekannte Wellhöfer in markigen Worten. Er sieht den schwarzen Peter für die aktuelle Situation mit den nicht wegzudiskutierenden Leerständen und einer immer weniger werdenden Frequenz in der Innenstadt bei der Verwaltung.

Beklagt wird seinerseits vor allem das von Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) öffentlich propagierte Miteinander zwischen Bürgern und Verwaltung. Mit dieser Idee sei das Stadtoberhaupt offensichtlich noch nicht in jede Amtsstube durchgedrungen. Bis jetzt hätte noch immer niemand in der Verwaltung begriffen, wie man mit Einzelhändlern, Fieranten und sonstigen Ladenbetreibern umzugehen habe, schimpft Wellhöfer. „So werden nur Zeit, Geld und Ressourcen verschwendet.“


„Man wird wie ein Fremdkörper behandelt.”

Stefan Wellhöfer

Wellhöfer nennt ein konkretes Beispiel, dass die Stadt und ihre Mitarbeiter nur selten den richtigen Ton träfen. Als er vor einigen Wochen wegen einer Baumaßnahme direkt vor einem der beiden Geschäfte von „Lustobjekte“ in der Neustadt bei dem dafür zuständigen Amt anfragte, habe er lediglich als Antwort erhalten, dass man ihm diesbezüglich keine Auskunft geben müsse.

„In anderen Städten läuft das anders. Hier in Ansbach wird man wie ein Fremdkörper behandelt“, beklagt Wellhöfer und bringt zum Ausdruck, was auch von anderen Geschäftsinhabern hinter vorgehaltener Hand kritisiert wird. „Es muss doch grundsätzlich darum gehen, Lösungen zu präsentieren und nicht zweimal zu erklären, warum etwas nicht geht.“ Allerdings trügen auch die Ladeninhaber selbst ihren Teil bei, findet Wellhöfer. Noch immer gebe es keine einheitlichen Öffnungszeiten. Jeder sperre auf und zu, wie es ihm eben gerade passe.

Wellhöfers Geduld mit der Citywerkstatt ist am Ende

Das Zusammenspiel zwischen Verwaltung und Gewerbetreibenden sollte durch die Aktivitäten der Citywerkstatt verbessert werden. Mit zahlreichen Aktionen wartet die offene Ideenschmiede, in der Händler wie Privatpersonen vertreten sind, seit rund zwei Jahren auf. „Im öffentlichen Raum müssen alle miteinander konkurrierenden Perspektiven Berücksichtigung finden“, erklärt Gregor Heilmaier, Moderator der Citywerkstatt, zu der oft langwierigen Umsetzung. Diese Abstimmungen seien naturgemäß sehr zeitintensiv und nötigten allen Beteiligten einen langen Atem ab. Inzwischen aber ist Wellhöfers Geduld am Ende.

Dabei hatte er mit der Idee der bunten Regenschirme in der Neustadt und der Uzstraße im Mai 2022 den Startschuss der Citywerkstatt verantwortet. „Ich hab die Schnauze voll“, sagt er jetzt aber drastisch. Heilmaier bemüht sich derweil um Deeskalation. „Es bringen sich mehr und mehr Ansbacher und Ansbacherinnen in der Citywerkstatt ein. Was dazu führt, dass das Meinungsbild breiter wird – damit aber auch Entscheidungen zwischen mehreren Personen gefunden werden wollen.“

Kritik am „Haudrauf” des Geschäftsmannes

Grund für Wellhöfers Abkehr von der Citywerkstatt ist der Termin der nächsten langen Einkaufsnacht, die nach dem Willen der Mehrheit der Händler am 30. November stattfindet und sich zu Beginn der Weihnachtszeit an den tags zuvor deutschlandweit angesetzten „Black Friday“ koppelt. „Im Sommer wäre das was gewesen, aber so werden wir nicht daran teilnehmen.“ Stattdessen hatte Wellhöfer den 28. September parallel zur Grünen Nacht favorisiert.

„Je mehr Projekte wir alle miteinander verwirklichen, desto einfacher und geübter wird das Miteinander. Aber dieses Miteinander ist ein zartes Pflänzchen“, meint der Wirtschaftsexperte: „Ein Anprangern, ein Hauruck und Haudrauf ist da eher kontraproduktiv.“ Stefan Wellhöfer dürfte das anders sehen.

Ernüchtert in der Neustadt: Das Team der „Lustobjekte“ mit Manuela Trapp und Mitarbeiter Stefan Wellhöfer will sich nach eigener Aussage nicht mehr an Aktionen der Citywerkstatt beteiligen. (Foto: Florian Pöhlmann)
Ernüchtert in der Neustadt: Das Team der „Lustobjekte“ mit Manuela Trapp und Mitarbeiter Stefan Wellhöfer will sich nach eigener Aussage nicht mehr an Aktionen der Citywerkstatt beteiligen. (Foto: Florian Pöhlmann)
Ernüchtert in der Neustadt: Das Team der „Lustobjekte“ mit Manuela Trapp und Mitarbeiter Stefan Wellhöfer will sich nach eigener Aussage nicht mehr an Aktionen der Citywerkstatt beteiligen. (Foto: Florian Pöhlmann)
Wirbt für Geduld und einen langen Atem: Citywerkstatt-Moderator Gregor Heilmaier. (Foto: A. Bakker)
Wirbt für Geduld und einen langen Atem: Citywerkstatt-Moderator Gregor Heilmaier. (Foto: A. Bakker)
Wirbt für Geduld und einen langen Atem: Citywerkstatt-Moderator Gregor Heilmaier. (Foto: A. Bakker)

Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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