Helferkreis will Wiederöffnung des Schmalenbacher Gnadenhofs | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 12.12.2023 18:17

Helferkreis will Wiederöffnung des Schmalenbacher Gnadenhofs

Hans Böckler ist nicht wenigen Menschen in Ansbach als Zahnarzt wohlbekannt. Im Ruhestand engagiert sich der inzwischen 70-Jährige nun für die ungewöhnliche Einrichtung in Schmalenbach. Den derzeit behördlich geschlossenen Gnadenhof sieht Böckler der Willkür des Veterinäramtes ausgesetzt, weshalb er einen Unterstützerkreis initiierte.

Nur ein paar Tage ist es her, dass Böckler mit seiner Idee an Katrin Schülein, Betreiberin des tierischen Asyls im Lehrberger Ortsteil Schmalenbach, herantrat. Aus der Schar an Freunden, Gästen und Tierliebhabern haben sich aktuell 73 Menschen zusammengefunden, die Schülein und ihr Projekt unterstützen wollen.

Amtsführung wird kritisiert

Dazu hat Böckler ein Schreiben an die bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, geschickt. In dem der FLZ vorliegenden Brief prangert Böckler vor allem die Amtsführung von Veterinäramts-Chef Dr. Ralf Zechmeister an. „Trotz aller Bemühungen, den gestellten Anforderungen gerecht zu werden, werden immer wieder neue abstruse Vorwürfe konstruiert“, heißt es da. Laut Böckler hat sich das Veterinäramt offenbar zum Ziel gesetzt, „diese Einrichtung zu liquidieren“.

Seit Anfang des Jahres betreibt Schülein den Gnadenhof für Tiere, die bei ihren bisherigen Besitzern nicht mehr bleiben können, aufgrund ihres Alters hohe Rechnungen beim Tierarzt nach sich ziehen oder schlichtweg überzählig sind. Ihnen gewährt Schülein ein Obdach – vom Kaninchen bis zum Lama.

Das könnte Sie auch interessieren
Noch kein Durchbruch: Verhandlungen um Zukunft des Raubtierasyls in Ansbach laufenBürokratieabbau durch weniger Ausschüsse? Ansbachs Landrat Meier sieht Entlastung19-Jähriger stürzt in Ansbach von Pedelec, weil er einem Hasen ausweichen wollteWenn Leben von der Leine abhängt: Rehkitze benötigen jetzt SchutzFür das ehemalige Bäckerei-Anwesen in Mitteleschenbach gibt es eine neue IdeeMit Flohmarkt und Blaulicht-Einblicken: Freibad-Eröffnung in LichtenauHecht und Rehkitz im Nest: Was das Monitoring über Seeadler bei Rothenburg verrätDie Unternehmer-WG in Neustadt/Aisch sucht noch Kreative mit TatendurstDer neue Neustädter Kreistag gibt seinen Ausschüssen mehr MachtPolizei ermittelt gegen Landwirt: Mähwerk tötet zwei Rehkitze bei Bechhofen2027 sollen die Bagger anrollen: Neuer Radweg im Landkreis Ansbach geplantInteressengemeinschaft macht gegen große Biogas-Anlage in Feuchtwangen mobilEin waschechtes Wildmobil im Abenteuerwald von Markt ErlbachVom Bürgermeister zum Landrat: Marco Meier sagt im Rathaus Ornbau Adieu„Alleskönner” zeigten sich: Über 5000 Menschen bei Bullenparade in Neustadt/Aisch

„Die Kinder waren selig“

Da die Freizeitoase aber seit August geschlossen bleiben muss, verdient sie kein Geld. Die Betreiberin hat gegen die Schließungsanordnung des Landratsamtes geklagt.

Weil bisher keine Lösung in Sicht ist, aber weiterhin Futterkosten und Tierarztrechnungen anfallen, wird nun die Unterstützergruppe um Böckler aktiv. „Das ist eine nette, heimelige Einrichtung. Ich selbst habe mit meiner Familie dort schon einen vergnüglichen Nachmittag verbracht. Die Kinder waren selig“, schildert Böckler seine persönlichen Erfahrungen.

Mit dem an die Ministerin adressierten Schreiben übergeht Böckler bewusst Landrat Dr. Jürgen Ludwig, den direkten Vorgesetzten des Veterinäramtsleiters. „Bei ihm habe ich keine große Hoffnung, dass sich in der Sache etwas bewegt“, meint Böckler, der den üblichen Beschwerdeweg über das Landratsamt als „Sackgasse“ betrachtet. „Ich gehe nicht zum Schmiedler, ich gehe zum Schmied.“

Böckler weist die Ministerin auch darauf hin, dass das Angebot der Freizeitoase bislang regelmäßig von verschiedenen sozialen und therapeutischen Einrichtungen aus Stadt und Landkreis genutzt wird. „Das ist ein ganz wichtiger sozialer Aspekt“, findet Böckler: „Ohne die Freizeitoase würde etwas fehlen.“

Unterstützung hat auch die ÖDP zugesagt. Sie plant am 30. Dezember einen Infostand zum Thema „Futter statt Böller“ in der Innenstadt und will dabei Geld für den Gnadenhof sammeln.

Die Freizeitoase ist nach behördlicher Anordnung derzeit geschlossen. Die Tiere müssen aber gefüttert werden, weshalb Katrin Schülein die Kosten davonzulaufen drohen. (Foto: Florian Pöhlmann)
Die Freizeitoase ist nach behördlicher Anordnung derzeit geschlossen. Die Tiere müssen aber gefüttert werden, weshalb Katrin Schülein die Kosten davonzulaufen drohen. (Foto: Florian Pöhlmann)
Die Freizeitoase ist nach behördlicher Anordnung derzeit geschlossen. Die Tiere müssen aber gefüttert werden, weshalb Katrin Schülein die Kosten davonzulaufen drohen. (Foto: Florian Pöhlmann)

Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
north