Hospizbegleiterin Sy Geis bringt in Rothenburg etwas Besonderes mit | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.06.2025 10:13

Hospizbegleiterin Sy Geis bringt in Rothenburg etwas Besonderes mit

Sy Geis ist Hospizbegleiterin und bringt den Kunstkoffer zu ihren Patientinnen und Patienten und damit Farben, Beweglichkeit und Impulse in die Pflegeheime und Krankenzimmer. (Foto: Irmeli Pohl)
Sy Geis ist Hospizbegleiterin und bringt den Kunstkoffer zu ihren Patientinnen und Patienten und damit Farben, Beweglichkeit und Impulse in die Pflegeheime und Krankenzimmer. (Foto: Irmeli Pohl)
Sy Geis ist Hospizbegleiterin und bringt den Kunstkoffer zu ihren Patientinnen und Patienten und damit Farben, Beweglichkeit und Impulse in die Pflegeheime und Krankenzimmer. (Foto: Irmeli Pohl)

Farben in allen erdenklichen Tönen, aufgereiht auf einem Tisch, ein Koffer mit verschiedenem Papier, das sich in der Kolorierung und Haptik unterscheidet. Pinsel, Stifte, Werkzeug, um etwas zu erschaffen, das keine Worte braucht. Sy Geis bringt Sterbende und Kunst zusammen. Und sie hilft ihnen dabei, das auszudrücken, was sie vielleicht niemals zu sagen vermögen.

Geis ist Hospizbegleiterin und Kunstschaffende. Wenn sie den Kunstkoffer mit zu ihren Klientinnen und Klienten bringt und mit ihnen gemeinsam künstlerisch aktiv wird, geht es ihr nicht um das Ergebnis, sondern um den Prozess, etwas Kreatives zu erschaffen.

Fortbildung in der Palliativakademie

Der Kunstkoffer biete ein „niederschwelliges Angebot“ und einen Zugang zur Kunst. Den Koffer könne jede Hospizbegleiterin und jeder Hospizbegleiter zu den Treffen mitnehmen, so Geis. Finanziert wurde er vor einigen Jahren über Spendengelder an den Hospizverein, der ihn dann einrichtete. „Ein ehemaliger Arzt machte mich darauf aufmerksam, dass man Sterbende auch kunsttherapeutisch begleiten kann. Das ist mir dann irgendwie im Hinterkopf geblieben“, erinnert sie sich.

Vor sieben Jahren begann sie dann selbst in der Palliativakademie im Julius-Spital in Würzburg ihre Fortbildung zur Kunsttherapeutin. „Die Impulse, die ich damals mitgenommen habe, die wachsen jetzt“, ist sie sich sicher. Mittlerweile unterrichte sie auch die anderen Mitglieder des Hospizvereins. „Wir bringen Farben, Beweglichkeit und Impulse ins Pflegeheim, ins Krankenzimmer und in den Haushalt.“

Kunst kann das Gefühl von Freiheit vermitteln

Und damit auch die Freude. „Die Reaktionen sind oft überraschend“, erzählt Geis. „Wir arbeiten in einem sehr sensiblen Bereich.“ Es gelte, sich zunächst einmal mit dem Menschen vertraut zu machen. Was sind seine Interessen? Wie kann den Schwerkranken und ihren Familien geholfen werden? Auch zu erfahren, wie fit die Menschen noch sind, ob sie beispielsweise noch einen Stift halten können, gehöre zu ihrer Arbeit als Hospizbegleiterin.

„Kunst wird oftmals als abstrakt und elitär angesehen“, bedauert die 65-Jährige. Das führe dazu, dass Menschen sich vergleichen und sich letztendlich selbst nicht zutrauen, künstlerisch aktiv zu werden. Dabei könne Kunst das Gefühl von Freiheit vermitteln – Freiheit, sich selbst noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise auszudrücken. Um diese Freiheit weiterzugeben, fängt Geis mit ganz simplen Dingen an: Ein paar Farbkarten in unterschiedlichen Tönen, und die Person darf sich ihre Lieblingsfarbe aussuchen. Oder Geis stellt Fragen: Wie war deine Woche? Wie war deine Kindheit?

Ein Bild mit Rosen

Die ausgesuchte Farbkarte repräsentiert dann das Gefühl, das mit der Frage einhergeht. Rot oder Orange stehen für Stress, für schwierige, aufgewühlte Zeiten. Blau oder violett vielleicht eher für Entspannung. „Man kann Farben auf unterschiedlichste Art und Weise in den Krankenzimmern mitbringen“, weiß die Hospizbegleiterin.

Eine ihrer Patientinnen war zu schwach, um einen Stift in die Hand zu nehmen. Aber: Die Kunsttherapeutin wusste, dass sie Rosen über alles liebte. Also nahm sie selbst den Stift und malte ihre Patientin, umgeben von Rosen. „Wir wollen es den Menschen, die krank sind, nochmal so richtig schön machen. Dafür sind wir da.“


Das hat auch viel mit

Hingabe zu tun und mit Liebe zum Menschen.

Das Ende des Lebens sei ein ganz besonderer Prozess, sagt Geis. „Das ist eine Phase im Leben, in der oft Unmittelbarkeit da ist.“ Die Kunst sei eine andere Form von Sprache und Ausdruck. Die Patientinnen und Patienten wissen, sie müssen gerade nichts leisten. Es ginge nicht darum, „ein schönes Bild zu malen“. Die Hospizbegleiterinnen und -begleiter bewerten die Werke der Sterbenden nicht.

Manchmal sei da Trauer, Angst, Abschiedsschmerz, vielleicht aber auch der Wunsch, der Familie etwas zu hinterlassen. Die Themen, die die Menschen noch umtreibt, können durch das künstlerische Schaffen zu Papier gebracht und damit vielleicht auch losgelassen werden.

Manchmal spreche sie mit den Patienten über die Bilder, sagt Geis. Jeder sehe etwas anderes in der Kunst. Sie sei eine Art Vermittler, die zu berührenden Gesprächen führen könne. „Man lernt für sich selber auch ganz viel, ich verschenke meine Zeit. Das hat auch viel mit Hingabe zu tun und mit Liebe zum Menschen. Ich glaube, sonst macht man das nicht.“


Irmeli Pohl
Irmeli Pohl
Volontärin
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