„Ich spüre den geballten Hass noch in allen Knochen“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 17.08.2022 20:15

„Ich spüre den geballten Hass noch in allen Knochen“

Trotz seiner Recherchen bleibt er ein Optimist: Tobias Ginsburg war zu Gast auf der Bühne im Burggarten. (Foto: Simone Hedler)
Trotz seiner Recherchen bleibt er ein Optimist: Tobias Ginsburg war zu Gast auf der Bühne im Burggarten. (Foto: Simone Hedler)
Trotz seiner Recherchen bleibt er ein Optimist: Tobias Ginsburg war zu Gast auf der Bühne im Burggarten. (Foto: Simone Hedler)

Tobias Ginsburg las im Rahmen des Taubertal-Festivals aus seinem Buch „Die letzten Männer des Westens“.

„Es wird unangenehm“, kündigte der Autor gleich zu Beginn seiner Lesung an. Denn „ich bin seit Jahren undercover dort unterwegs, wo man keinen Fuß hinsetzen sollte“: bei „Antifeministen, rechten Männerbünden und den Kriegern des Patriarchats“.

Nachzulesen sind seine Erlebnisse in diesem „internationalen Netzwerk von Frauenhassern“ im aktuellen Buch des Investigativjournalisten „Die letzten Männer des Westens“. Einige Passagen daraus las er im Rahmen des Taubertal-Sonderprogramms im Burggarten, ergänzt durch unbequeme und aufrüttelnde Hintergrundinformationen.

Den geballten Hass, den er bei seinen Recherchen erlebt hat, spüre er noch heute „in allen Knochen“, sagte Ginsburg. Dass er dennoch in die rechte Szene eingetaucht ist, liege an seiner Angst: „Ich habe Angst, wenn ich etwas nicht verstehe“, daher habe er herausfinden wollen, woher dieser Hass kommt. „Mein wichtigstes Werkzeug war dabei die Empathie“, so Ginsburg.

Er veränderte sein Äußeres, gab sich neue Namen und baute eine virtuelle Identität mit Webseiten und Social-Media-Accounts auf. Damit sei es ihm leicht gelungen, in die entsprechenden Netzwerke einzudringen: „Ich bin ein Mann, ich bin weiß, da stehen mir die Türen offen.“

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Er versuchte es damit bei Maskulisten wie zum Beispiel den „Liberalen Männern“, einer Gruppierung innerhalb der FDP. „Das sind selbst ernannte Männerrechtler, die davon überzeugt sind“, so Ginsburg, „von Feminismus und Genderismus systematisch unterdrückt zu werden“.

Er schleuste sich undercover bei Burschenschaften ein und war mit falscher Identität in den USA und in Polen unterwegs, um dort dem Faschismus nachzuspüren. Corona führte ihn nach Deutschland zurück, wo er zurück in die „bierverklebte Welt der Burschenschaften“ ging. In den Kreisen der „Neuen Rechten“ – einer internationalen rechtsradikalen Strömung – lernte er, wie muskelbepackte Neonazis jugendlichen Nachwuchs rekrutieren. Und mit wie viel Finanzkraft und Intelligenz diese Gruppierung agiert.

Trotz alledem sei er Optimist, erzählte Ginsburg. Dennoch: „Antidemokraten sind überall, sie haben Kohle, dagegen müssen wir kämpfen!“

Simone Hedler

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