„Wir wollen noch bessere Instrumente, um die Schülerinnen und Schüler zu fördern und sie da abzuholen, wo sie stehen.” Dies betonte Christina Müller, unter anderem Leiterin des Beruflichen Schulzentrums Scheinfeld (BSZ). Viel wird schon getan. Nun eröffnen sich aber neue Möglichkeiten, da das BSZ für einen Modellversuch ausgewählt wurde.
Dies geschah durch das Bayerische Kultusministerium. Als eine von 13 Lehreinrichtungen qualifizierte man sich für den neuen Schulversuch der Stiftung „Bildungspakt Bayern” namens „Evidenzbasierte Schule”. Vorhandene Daten sollen dabei intelligent eingesetzt werden, um die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler zu optimieren. Dazu gehört es zudem, enger mit den Schulen zusammenzuarbeiten, die die jungen Leute vor dem Übertritt ans BSZ besuchten, sowie mit den Praxisanleitern und -leiterinnen. Letztgenannte können etwa Rückmeldungen über mögliche Autoritätsprobleme geben, aber auch darüber, wie es in den Einsatzstellen klappt.
Was versteht man ansonsten unter dem Begriff „evidenzbasierte Schule”? „Es ist wichtig, die in der Schule anfallenden Daten systematisch zu nutzen, zu sortieren und eventuell dahinter ein Muster zu erkennen”, sagt Müller. Bedeutet: Starke Schülerinnen und Schüler gelte es, weiter zu stärken, und Schwächere so zu fördern, dass sie den Abschluss schaffen.
Bei den schriftlichen Leitungsnachweisen sei es etwa wichtig, nicht nur die fachliche Kompetenz zu beurteilen, sondern dabei auch die Deutschkenntnisse im Auge zu behalten. Wenn es an Letztgenanntem hapert, bestehe die Möglichkeit, frühzeitig Hilfestellung zu bieten. Manche tun sich mit fachlichen Termini schwer. Hier kann man nach Müllers Erfahrungen mit einer berufssprachlichen Förderung, die individuell auf den Schüler oder die Schülerin zugeschnitten ist, viel bewegen. Wenn man um die Schwierigkeiten weiß, vermag die Schule, aktiv zu werden. Hierfür ist es wichtig, Daten so aufzubereiten, dass sie für die Lernenden und die Lehrkräfte als wertvolles Feedbackinstrument dienen.
Für den Schulversuch habe man bewusst den BSZ-Standort Scheinfeld gewählt. An der dortigen Staatlichen Berufsfachschule für Kinderpflege, Ernährung und Versorgung sowie für Sozialpflege und an der Berufsschule (BGJ Agrar und BVJ) unterrichten rund 30 Lehrkräfte zirka 200 Schülerinnen und Schüler (Vollzeit). Die überschaubare Größe des Schulorts ermögliche, so Müller, eine sehr persönliche Lern- und Arbeitsatmosphäre. Die Schülerschaft sei zudem sehr heterogen, bringe unterschiedliche Lernvoraussetzungen, Unterstützungsbedarfe und biografische Hintergründe, oft mit einem hohen Grad an Benachteiligung, mit.
„Wir haben dort das Schulprofil ,Inklusion' und verfügen über multiprofessionelle Unterstützungsstrukturen.” So kann man individuell helfen, etwa im Vieraugen-Gespräch etwas nachbesprechen, durch Coaching oder Nachhilfe viel erreichen. Was die Persönlichkeitsentwicklung und Selbstorganisation betrifft, sagt die Leiterin, versucht man auch hier zu begleiten. Nicht allen fällt es leicht, sich zu strukturieren, wenn es zum Beispiel darum geht, wann man mit dem Lernen für eine Arbeit beginnen sollte.
Mit Blick auf den neuen Modellversuch ist Christina Müller eines wichtig: „Wir wollen jetzt das vorhandene Datenmaterial nutzen und nicht noch mehr Bürokratie aufbauen.” Es soll das Motto „Von Daten zu Taten” realisiert werden. Bisher mangelte es mit Blick auf den Datenschutz bei der Datenübergabe von der Vorgängerschule ans BSZ. Die Schulleiterin sieht im jetzigen Schulversuch eine Chance, Wege zu finden, wie das datenschutzkonform möglich ist. Dazu wolle man auch KI (Künstliche Intelligenz) einbinden und die Bayern-Cloud „Schule” nutzen.
„Wir stehen jetzt erst am Anfang.” Seit man erfahren habe, dass man für den dreijährigen Modellversuch zugelassen sei, würden Ideen entwickelt. Als positiv wertet es Müller, dass man auch durch das, was andere teilnehmende Schulen entwickeln, neue Impulse bekommt. So sind etwa regelmäßige Austauschtreffen geplant, es gibt zudem Vorträge von Fachleuten.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung des gesamten Schulzentrums Neustadt/Aisch-Scheinfeld einfließen. Denn eines sei für alle wichtig: „Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler ins Leben begleiten, ihnen Hilfe auf dem Weg anbieten, durch temporäre Krisen begleiten, Perspektiven und Chancen aufzeigen.” Den neuen Schulversuch sieht die Schulleitung zudem als ein weiteres wichtiges Instrument, um auch in Zeiten knapper werdender Ressourcen die Qualität der Ausbildung gezielt zu sichern.