Hammer und Schraubenzieher - oder Elektrohobel, Schwingschleifer und Winkelsäge? Wie viel Werkzeug sich in den Kellern und Werkzeugkästen hierzulande findet, das dürfte sehr unterschiedlich ausfallen. Doch was brauchen Menschen, die weder ambitionierte Heimwerker sind noch jeden Nagel von Nachbarn oder Freunden in die Wand schlagen lassen wollen, eigentlich wirklich?
Die kurze Antwort darauf: „Das kann man pauschal nicht sagen. Es ist abhängig von der persönlichen Situation“, sagt Ralf Liehmann. Er ist Trainer bei der DIY Academy in Köln. „In einem Einfamilienhaus mit Garten brauche ich andere und mehr Werkzeuge als in einer Zwei-Zimmer-Stadtwohnung.“
Eine Grundausstattung ist aber auch in letzterer notwendig, um im Alltag zurechtzukommen. „Als Orientierung könnte man vielleicht einen Umzug nehmen, den eigentlich jeder Mensch mindestens einmal im Leben absolviert“, sagt Gereon Bründt, Redakteur bei der Zeitschrift „selbst ist der Mann“. Wer die Wohnung wechselt, der muss schließlich in vielen Fällen Löcher bohren, Nägel einschlagen, Möbel zusammenbauen, Wände streichen oder tapezieren und Flächen ausmessen.
Fürs Messen, Montieren, Bohren, Renovieren empfiehlt der Fachredakteur dann auch einen Schraubendreher mit Kreuz- und Schlitzprofil in mehreren Größen, ein Satz Innensechskantschlüssel, einen Maulschlüsselsatz, eine Kombizange, eine Wasserpumpenzange und einen Hammer. Dazu kommen noch Cuttermesser, Maßband bzw. Zollstock, Wasserwaage, Taschenlampe oder Arbeitsleuchte und Akku-Bohrschrauber mit Bitsatz. Außerdem verschiedene Nägel, Dübel und Schrauben als Vorrat.
„Hilfreich ist zusätzlich eine Kartuschenpresse, um Silikon oder Montagekleber aus der Kartusche zu bekommen“, sagt Ralf Liehmann. „Das braucht man, weil häufig nicht mehr mit Dübeln gearbeitet, sondern Montagekleber zum Befestigen von Gegenständen verwendet wird.“
Und noch ein Tipp: Nur weil man wenig werkelt, sollte man beim Kauf von Werkzeug nicht auf Qualität pfeifen. Im Gegenteil. „Profis könnten Qualitätsmängel oft noch mit ihrer Erfahrung ausgleichen“, sagt Liehmann. Bei Heimwerkern ist das meistens nicht der Fall. Vor allem Bohrer, Meißel, Sägeblätter sollten ihm zufolge „von höchster Güte sein“. Es gilt: „Lieber eine etwas schlechtere Bohrmaschine mit einem guten Bohrer als umgekehrt.“
Als Grundstock für den Haushalt sind Werkzeugkoffer eine gute Sache, die es in verschiedenen Größen und Bestückungen gibt, so Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion „Das sichere Haus“ (DSH). „Hier sollten Käufer auf gute Materialien Wert legen, aus denen die Werkzeuge gefertigt wurden, zum Beispiel Chrom-Vanadium, das sehr robust und verschleißfest ist.“
Ein Vorteil: Werkzeugkoffer sind oft günstiger als die Teile im Einzelverkauf. Aber: Kunden sollten eher auf Klasse als auf Masse achten, so Gereon Bründt. 50 bis 100 Teile seien oft sinnvoller als 300 Teile oder mehr, die man dann doch nicht alle benutzt. Und: „Universalwerkzeuge mit vielen Funktionen und Vorsätzen sind nur selten zu empfehlen“, denn „sie können oft vieles, aber nur wenig davon gut.“
Eher verzichten kann man auch auf Spezialwerkzeuge, die nur im Einzelfall gebraucht werden. Parkett- oder Flächenschleifer, Betonmischer, Kernbohrgeräte, Abbruchhämmer und vieles mehr kann man im Fall der Fälle mieten.
„Viele Baumärkte, aber vor allem spezialisierte Werkzeugverleihfirmen, die es in jeder größeren Stadt gibt, bieten vom Gerüst bis zum Bagger fast jedes Werkzeug und zahlreiche Baumaschinen an“, sagt Gereon Bründt. „Allerdings kann es günstiger sein, bestimmte Werkzeuge günstig gebraucht bei Nachbarschafts- oder Kleinanzeigenportalen zu kaufen und anschließend, oft sogar verlustfrei, wieder zu verkaufen, vor allem, wenn man sie über einen längeren Zeitraum benötigt.“
Ob Profi oder Anfänger, eines gilt für alle: Sämtliche Werkzeuge sollten ausschließlich für den Zweck verwendet werden, für den sie vorgesehen sind. „Wer seinen Schlitzschrauber als Meißel verwendet und mit dem Hammer oben draufhaut, muss sich nicht wundern, wenn das Werkzeug kaputtgeht“, so Ralf Liehmann. Auch die Verletzungsgefahr ist groß. Und: „Bei unsachgemäßem Umgang hat auch das beste Werkzeug nur eine kurze Lebensdauer“.
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