Im Örtchen Neukatterbach gibt es eine Dorfkneipe mit Retro-Charme | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 05.01.2025 13:00

Im Örtchen Neukatterbach gibt es eine Dorfkneipe mit Retro-Charme

Der 72-jährige Ernst Haßler ist der Wirt des Gasthauses „Rotes Ross“ in Neukatterbach. Er freut sich auf seine Gäste. (Foto: Ute Niephaus)
Der 72-jährige Ernst Haßler ist der Wirt des Gasthauses „Rotes Ross“ in Neukatterbach. Er freut sich auf seine Gäste. (Foto: Ute Niephaus)
Der 72-jährige Ernst Haßler ist der Wirt des Gasthauses „Rotes Ross“ in Neukatterbach. Er freut sich auf seine Gäste. (Foto: Ute Niephaus)

Die Tage vieler Gasthäuser sind gezählt. In etlichen Dörfern haben sie bereits für immer geschlossen, sind verwaist. Damit ging für viele ein Ort verloren, an dem man sich auf ein oder mehrere Bierchen oder auf ein alkoholfreies Getränk traf. In Neukatterbach (Gemeinde Neuhof, Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) gibt es noch eine solche Rarität mit Retro-Charme.

Wenn man das Wirtshaus „Rotes Ross“ von Ernst Haßler betritt, hat man das Gefühl, die Zeit ist stehengeblieben. Der Charme der 1960er/1970er Jahre ist allgegenwärtig und unverkennbar. Weiße Stores, dazu robuste Übergardinen und Lampen in Retro-Optik. Es gibt keinen großen Schnickschnack, alles ist zweckmäßig und etwas in die Jahre gekommen. Auf den Tischen mit den grauen Resopal-Oberflächen finden sich weder Tischdecken noch Dekorationsutensilien.

Diejenigen, die dort regelmäßig zu Gast sind, vermissen das nicht. So lässt sich das halbe Dutzend Tische leichter abwischen, sagt die Gruppe, während gerade neues Bier bestellt wird. Eine Getränkekarte braucht niemand: Wein, Bier, Wasser, Apfelschorle, Limo und einige Schnäpse hat Ernst Haßler unter anderem im Sortiment. Wer mag, kann auch einen Kaffee bekommen. „Das ist eine Bierkneipe“, sagt er. Speisen gibt es dort nicht. Es ist aber erlaubt, sich aber selbst seine Brotzeit mitzubringen, was auch immer wieder vorkommt.

Gäste können Vesper selbst mitbringen

Auch in der Vergangenheit hätten die Gäste ihr Vesper dabeigehabt, sagt der 72-jährige Wirt und erzählt, dass früher sonntags gekocht wurde und ab und an ein Hammelessen veranstaltet wurde. Aber das ist Geschichte. Sein Vater habe zudem Teufelsgeige gespielt. Das macht Ernst Haßler nicht, der 35 Jahre als Betriebsschlosser sein Geld verdiente und nun dafür sorgt, dass das aus dem Jahr 1920 stammende Gasthaus, das seither im Familienbesitz ist, weiterbetrieben wird. Aus den Anfängen scheint noch das Schild zu stammen, das das „Ausspucken auf den Boden, das Mitbringen von Hunden und das Betasten der Nahrungsmittel“ verbietet. Heutzutage ist das kein Thema mehr.

Im Gespräch erinnert der Wirt daran, dass es früher für alle ab dem 100. Lebensjahr von der Brauerei in Neuhof, über die man den Gerstensaft bezog, Freibier gab – jeden Tag eine Maß. Ein Mitbürger kam in diesen Genuss und feierte in dem heute wie eine Kultkneipe wirkenden Gasthaus seinen dreistelligen Geburtstag.

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Früher Bibelabend und Quetschen-Musik

Diese Zeiten sind längst vorbei, auch die Bibelabende der Kirchengemeinde, die im „Roten Ross“ stattfanden, gehören der Vergangenheit an. Zur Dorfversammlung kommt man jedoch nach wie vor zusammen. Regelmäßig trifft sich der Stammtisch, sechs bis zehn Leute – je nach Lust und Laune.

Dieses Mal sind es Erwin Gattinger, Hannelore Ittner, Richard Ittner („Wir sind beide nicht verwandt“, betonen sie wegen der gleichen Nachnamen lachend), Thorsten Heubeck, Johann Herbolzheimer und Alexander Lotter. Letztgenannter ist mit 21 Jahren der Jüngste in der Runde. „Ich kam mal spontan dazu und es hat mir super gefallen“, erzählt er. Seither ist er regelmäßig dabei.

Willkommen ist jeder, auch diejenigen, die nicht im Dorf leben. Zu denen gehört etwa Günther Berger, der in Adelsdorf wohnt. Er schaut häufig vorbei und schätzt die gute Kameradschaft. Aber auch andere Auswärtige können gerne vorbeischauen.

Im Winter ist mittwochs und sonntags geöffnet, das gilt offiziell auch für den Sommer. Aber eigentlich bekommt man in den warmen Monaten fast täglich sein Bier, da der Wirt fast immer vor Ort ist, verrät Bürgermeisterin Claudia Wust. Dann kann man draußen auf den Biergarnituren sitzen. Neukatterbach zählt 85 Einwohnerinnen und Einwohner. Wust stammt selbst aus dem Dorf und ist spontan vorbeigekommen. Ihre Eltern leben noch im Ort.

Derzeit sind die Windräder ein willkommenes Diskussionsthema

Im Gastzimmer ist es mollig warm. Dafür sorgt der kleine Ölofen in der Raummitte. Während dieser schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist der Fernseher in der Ecke neueren Datums. Wer gedanklich in die Ferne schweifen mag, kann auch den Globus kreisen lassen. Doch an diesem Abend bleiben alle im Dorf, reden über „Gott und die Welt“, die große und die Gemeinde-Politik, es gibt Klatsch und Tratsch.

Derzeit sind die neuen Windräder ein willkommenes Diskussionsthema, natürlich bietet ferner auch die Dorferneuerung immer Gesprächsstoff, bei der sich viele aus dem Ort tatkräftig einbringen. Doch das ist ein anderes Thema. Derweil wird am Stammtisch weiter debattiert – und man lässt sich die von Bürgermeisterin Wust spendierte Runde Schnaps schmecken. Bis auf Günther Berger und die Neuhöfer Bürgermeisterin muss keiner heimfahren. „Wir können alle laufen. Das ist super“, resümieren die Stammtischmitglieder. Dazu zählen inzwischen auch Frauen.

Das war früher anders. Da traf sich die weibliche Bevölkerung am Milchhaus auf einen Plausch und die Männer kamen am Stammtisch zusammen. Was es mit der Wurst auf sich hat, die über den Köpfen der Stammgäste von der Lampe baumelt, lässt sich auf die Schnelle nicht klären. Wer weiß, vielleicht ja dann beim nächsten Besuch in der Neukatterbacher Kultkneipe.

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