ANSBACH - Beim Schlagwort Brandschutz denkt jeder in Ansbach aktuell an das Große Haus des Theaters, das seit Monaten nicht genutzt werden kann. Doch die Stadt hat schon deutlich länger eine andere Baustelle in Sachen Brandschutz: die Dreifachturnhalle des Theresien-Gymnasiums (ThG). Und Abhilfe ist so schnell nicht in Sicht.
Seit einer Überprüfung vor drei Jahren gibt es erhebliche Einschränkungen in der Nutzung, wie die Stadt auf FLZ-Anfrage bestätigt. Im Oktober 2021 informierte die Stadt, dass die große Tribüne aus Brandschutzgründen gesperrt wird. Oberbürgermeister Thomas Deffner kündigte damals in einer Pressemitteilung der Stadt an: „Diese Maßnahmen möchten wir möglichst schnell umsetzen, um in der Halle für unsere Vereine schnellstmöglich wieder Spielbetrieb mit Zuschauerinnen und Zuschauern zu ermöglichen.“
Möglichst schnell ist ganz offensichtlich ein dehnbarer Begriff. Denn drei Jahre später hat sich an der Situation nichts geändert. Der Frust unter den Hallensportlern ist entsprechend groß. Denn eigentlich ist die Halle geradezu prädestiniert, um hier Wettbewerbe auszutragen, die auch ein größeres Publikum anziehen. „Wenn Gäste kommen, loben sie die tolle Halle und fragen, warum auf der Tribüne keiner sitzen darf“, erzählt einer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.
Lediglich die östliche Tribüne an der Stirnseite des Hallenabschnitts C darf genutzt werden. Einen richtigen Überblick hat man dort freilich nicht, wenn die komplette Halle genutzt wird. Außerdem passen auch nur 100 statt sonst 400 Personen in den Zuschauerbereich. Die weit attraktiveren Zuschauerplätze im Süden des Baus, die sich über alle drei Halleneinheiten ziehen, bleiben gesperrt.
Die Stadt verweist auf Anfrage darauf, dass es eine mobile Tribüne der Volleyballer gibt, die direkt in die Halle geschoben werden kann und weitere 200 Zuschauer fasst. Das ist freilich aber allenfalls die zweitbeste Lösung. Denn zum einen steht das Gerüst mit den Sitzplätzen mitten im Geschehen und nimmt den Sportlern Platz weg. Zum anderen ist die fest eingebaute Tribüne deutlich erhöht, was für mehr Übersicht sorgt.
„Um die Tribüne mit ihrer vollen Auslastung nutzen zu können, müssen bauliche Brandschutzdefizite beseitigt werden“, räumt die Stadtverwaltung auf FLZ-Anfrage ein. Die Ursache der Mängel liege an „zahlreichen Umbauten“ am Theresien-Gymnasium. So wurde vor einigen Jahren unter anderem die Zweifachturnhalle zur Dreifachturnhalle vergrößert.
„Bei der Überprüfung im Jahr 2021/22 zeigte sich, dass die Breite der Rettungswege nicht ausreichend ist“, erklärt die Stadt. Drei Jahre später soll nun im Oktober dieses Jahres endlich die „Auswahl des Architekten und des Fachplaners“ für die Haustechnik erfolgen, kündigt die Stadt an. Hierfür war eine europaweite Ausschreibung erforderlich.
Bis November sollen die genauen Planungsleistungen vergeben werden. „Nach ersten Einschätzungen des Hochbauamtes der Stadt Ansbach sollen die Planungen 2025 abgeschlossen sein und die Umsetzung soll in den Jahren 2026 und 2027 erfolgen“, heißt es von der Stadt.
Der Zeitplan dürfte auch bei den Ansbacher Theaterfreunden die Kinnladen nach unten klappen lassen. Wenn es schon mehr als fünf Jahre dauert, um die Brandschutzmängel einer Schulturnhalle zu beseitigen, wie viel Zeit ist dann für ein deutlich älteres Theater erforderlich?
Da es noch keine genaue Planung gibt, wie die Brandschutzmängel beseitigt werden sollen, kann die Stadt derzeit noch keine Kosten beziffern. Aber man sieht offenbar keine dramatische Einschränkung: „Die Volleyballabteilung des TSV 1860 Ansbach ist die einzige Verbandsmannschaft, die ihre Pflichtspiele in der Sporthalle des Theresien-Gymnasiums austrägt“, erklärte die Stadt. „Andere Sportgruppen können in der Halle weiterhin wie bisher trainieren, da sie von der Begrenzung der Zuschauerzahl nicht betroffen sind.“ Dr. Tilman Botsch, der Leiter der Volleyballabteilung des TSV 1860 Ansbach, bestätigte auf FLZ-Anfrage, dass sich die Einschränkungen fürs Training in Grenzen halten. Allerdings gibt er auch zu bedenken: „Für den Spielbetrieb der Jugendmannschaften ist es sehr schade, weil Eltern und Fans nicht von der eigentlichen Tribüne aus zuschauen können.“
Doch auch für das normale Training gibt es Einschränkungen, die die Stadt in ihrer Antwort nicht eigens erwähnt. Wegen der Defizite bei den Rettungswegen müssen bei Nutzung der Halle die Tore der Geräte-Garagen offen bleiben, wie Sportler der FLZ schildern. Auch darf dort nichts herumstehen, um die Fluchtwege frei zu halten. An kalten Wintertagen zieht es dann natürlich. Von Bällen, die dort irgendwo zwischen den Geräten landen, ganz zu schweigen.