Die Bälle sind weggepackt, der Hallenschlüssel ist schon abgeben. Beim TV 1860 Bad Windsheim ging vor wenigen Tagen mit einem schmucklosen Heimsieg gegen den Tabellenletzten der untersten Liga eine Ära zu Ende: Die Handballer ziehen sich nach 78 Jahren vom Spielbetrieb zurück.
Sehr junge Bad Windsheimer, die sich heute ein Handball-Bundesliga- oder Länderspiel anschauen, mögen sich das kaum vorstellen können: Zu den tollsten Zeiten war auch ihre Dreifachturnhalle am Schulzentrum ein gefürchteter Hexenkessel, wenn die Sechziger in der Landesliga zum Tanz baten.
Zweimal, Ende 1980er und kurz nach der Jahrtausendwende, spielte der TV Bad Windsheim in der damals fünftklassigen Landesliga und war die erste Adresse für Leute, die am Samstagabend zwei spektakuläre Stunden in der Kurstadt verbringen wollten. Der Verein brachte mit Hans Wild einen Bundesliga-Spieler hervor. Nationalteams waren zu Testspielen da.
Davon sind nur noch die Erinnerungen übrig. Der heutige – und vielleicht letzte – Abteilungsleiter Manuel Kögler ordnet es ein: „Es war ein Sterben auf Zeit. Das begann eigentlich schon vor zehn Jahren.“
Der Landesliga-Glanz färbte irgendwann nicht mehr ab. Früher wurden TVW-Nachwuchsteams bayerische Meister, doch seit Jahren nehmen nun schon keine Jugendmannschaften mehr am Spielbetrieb teil. „Wir standen ja schon öfter an dem Punkt“, sagt Kögler. Bei der jährlichen Abteilungsversammlung im Februar war der Mehrheit schließlich klar: Es ist vorbei.
In den Jahren zuvor ging es mit der Männer-Mannschaft immer weiter bergab. Einmal zog man sogar während der Saison zurück. Vor Corona gab es einen wenig glorreichen Rettungsversuch mit einer Spielgemeinschaft mit dem TuS Feuchtwangen. Am Ende der Saison 2023/24 stieg man freiwillig von der Bezirksliga in die Bezirksklasse ab.
Im Kader der nun abgeschlossenen Saison standen zwar 15 Spieler, doch die waren im Schnitt über 30 Jahre alt. Die alten Haudegen, die immer wieder überredet werden mussten, hatten wenig Zeit und nicht immer große Lust. Sie liefen eigentlich nur noch auf, um die Abteilung am Leben zu erhalten. Seit dem 23:13-Heimsieg gegen die SG Kernfranken III vergangene Woche sind sie befreit.
„Es war nur noch ein Durchgehangel. Gott sei Dank haben wir es geschafft, die Saison zu Ende zu spielen. Aber jetzt reicht es“, bringt es Kögler auf den Punkt.
Auch die Handballerinnen haben beim TVW keine Zukunft. Zwei, drei Frauen seien zuletzt noch in der Handballgemeinschaft mit dem TSV Neustadt aktiv gewesen, so Kögler. Auch die HG werde deshalb beendet. Damit nimmt der Handball-Sport, auf den ältere Windsheimer durchaus immer ein wenig stolz waren, ein trauriges, aber absehbares Ende.
Am 17. April ist eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Handballer angesetzt. Ob dann sogar die Abteilung offiziell aufgelöst wird, sei noch nicht abschließend besprochen, so Kögler. Theoretisch könnte ja irgendwann jemand dahergekommen und einen weiteren Wiederbelebungsversuch starten. „Ich weiß aber nicht, wer das sein soll. Ich glaube nicht daran.“