Nicht jeden Tag ist etwas los in Baudenbach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Am Donnerstag um die Mittagszeit dürfte die 1300-Einwohner-Gemeinde aber alle Rekorde gebrochen haben: Der Einkaufsmarkt an der Stübacher Straße wurde wiedereröffnet – mit ausgesprochen viel Publikum. Die zwei jungen Geschäftsführerinnen hatten trotzdem alles fest im Griff.
Bürgermeister Wolfgang Schmidt klang hochzufrieden, als er erklärte: „Unsere Nahversorgung wieder zum Leben zu erwecken, ist geschafft – gut drei Monate früher als geplant.“ An der Stelle, wo früher über 30 Jahre hinweg die Familien Roth und Härtlein ihr Geschäft betrieben hatten, zieht nun ein 24/7–Laden ein.
Für die großen Investitionsketten sind wir kein lohnendes Ziel.
Nach der Brandvorsorge, Trinkwasser und Abwasser stehe sofort die Nahversorgung auf der Prioritätenliste aller Bürgermeister, weiß Schmidt. „Gerade bei diesem Thema tun sich die kleineren Gemeinden deutlich schwerer als die größeren. Für die großen Ketten sind wir kein lohnendes Ziel.“
Deshalb habe man den „Weg der kleinen Leute“ beschritten, erläuterte Schmidt. Der Gemeinderat hatte den Impuls zum Kauf des Gebäudes gegeben. Dieser „mutige Schritt“ wurde im September 2024 vollzogen. Ein „Förderszenario“ wollte man aufgrund der langen Wartezeiten nicht aufbauen.
Dann habe der Bauhof sich ins Zeug gelegt: Es waren 1050 Stunden, erklärte dessen Leiter Reinhold Göller zur Arbeit, die neben ihm Christian Müller, Willi Jakob und Armin Pfänder geleistet hatten. Elektrik erneuern, Isolierung verbessern, Wände spachteln und streichen, den Boden einer Kur unterziehen, die Fassade erneuern: Seit dem Frühjahr waren sie am Werk.
Die ersten Betreiber-Gespräche wurden mit Alfred Winkler aus Kleinweisach geführt und führten zum Erfolg. Die beiden Geschäftsführerinnen sind nun seine Töchter Anne (24) und Annika (20) Winkler. Beide sind gelernte Landwirtinnen und kennen sich vom Ackerbau über Biogas bis hin zur Selbstvermarktung aus. Wie sie bei der Ansprache erklärten, wollten sie ursprünglich in Vestenbergsgreuth einen Laden bauen. Aber Baudenbach war schneller: Dort fanden sie ein geeignetes Gebäude vor – „und einen Bauhof, der uns das Ganze so schön hergerichtet hat“, sagte Anne Winkler unter großem Applaus der Gästeschar.
Mit zwei großen Blumensträußen hieß Schmidt schließlich die Familie willkommen, im Hintergrund standen Mutter Angelika, Vater Alfred und die Freunde der Töchter, die im Vorfeld ebenso kräftig angepackt hatten.
Schon seit vielen Jahren habe die Familie die Idee gehabt, viele regionale Lebensmittel mit weiteren Waren in einem Laden anzubieten, erzählten die Geschäftsführerinnen. Als Partner fanden sie den familiengeführten Lebensmittelgroßhandel Graf aus Bad Neustadt an der Saale.
Euer Konzept, das ist famos.
Wie dessen Außendienstmitarbeiter Tobias Weikard gegenüber unserer Zeitung erklärte, beliefere man 140 Dorfläden in Süddeutschland – und jener in Baudenbach sei die Nummer 15 mit dem „Mein Markt 24“–Konzept. Aufgrund von Personal- und Fachkräftemangel habe sich dies so entwickelt. „Euer Konzept, das ist famos“, sangen auch die Kindergartenkinder mit einem eigens getexteten Lied. Kostprobe: „Endlich kann man wieder schön kaufen und muss nicht in die Ferne laufen.“
Den zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern vor dem Markt rief Schmidt zu: „Ich fordere euch auf, bitte nehmt die neue Einkaufsmöglichkeit an, probiert das bargeldlose Einkaufen aus und geht an eure finanziellen Grenzen!“
Das musste er ihnen nicht zwei Mal sagen, denn sofort wurden die Einkaufskörbe und -taschen ausgepackt. Auch das Zahlen am sprechenden Kassencomputer, über den die Waren bis zum „Piep“ gezogen werden müssen, stellte für Alt und Jung kein Problem dar.