Jede Kommune muss sich in den kommenden Jahren damit beschäftigen, wie ihre Bürgerinnen und Bürger künftig sinnvoll heizen können. Die Kommunale Wärmeplanung ist eine gesetzliche Pflicht – und in Rothenburg schon voll im Gang. Projektleiter Nico Bollinger von den Stadtwerken Heidenheim stellte im Stadtrat den aktuellen Stand vor.
Die Stadt liege gut in der Zeit: Kommunen unter 100.000 Einwohner müssen die fertige Planung erst bis Juni 2028 vorlegen, so Oberbürgermeister Dr. Markus Naser in der Sitzung. Im Kern geht es darum zu ermitteln, wie groß der Wärmebedarf der Kommune ist und welche klimafreundlichen Quellen zur Verfügung stehen. Kosten entstehen der Stadt dadurch keine: Die Erstellung des Wärmeplans wird zu 100 Prozent gefördert durch die Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Mit dem Abschluss der Potenzialanalye habe man einen Meilenstein im Gesamtprojekt erreicht, so Naser. Dafür wurden zum einen Optionen für erneuerbare Energien identifiziert und bewertet – zum Beispiel Geothermie, Solarthermie, Biomasse oder Windkraft. Außerdem wurden Energieeinsparpotenziale in Gebäuden aufgezeigt.
Auf dieser Grundlage können dann in der Folge Zielszenarien entwickelt und entschieden werden, wo es sinnvoll ist, Wärmenetze einzurichten; und in welchen Gebieten weiter die Gebäudeeigentümer selbst für ihre Heizung sorgen müssen, weil die Häuser zu weit auseinander stehen, um sie sinnvoll an ein gemeinsames System anzuschließen. Über allem steht die gesetzliche Vorgabe des Bundes, bis 2045 klimaneutral zu werden.
Wie also sieht es in Rothenburg aus? Bei einer ersten Bestandsanalyse, so Bollinger, seien rund 3800 Adressen und 8000 Gebäude erfasst worden. Ein Großteil davon entfalle auf Wohnhäuser, hier wiederum dominieren Gebäude, die vor 1978 errichtet wurden, und somit „keine modernen Wärmeschutzstandards haben”. Außerdem wies Bollinger auf die große Anzahl denkmalgeschützter Gebäude hin. Der Innenstadtbereich sei flächendeckend mit Erdgas erschlossen. Es gebe zudem ein größeres Wärmenetz, das überwiegend öffentliche Gebäude und denkmalgeschützte Ensembles versorge.
Bollinger ging zunächst auf Möglichkeiten ein, den Wärmebedarf zu reduzieren. Durch energetische Sanierung sei das Potenzial bei Gebäuden aus den Baujahren 1948 bis 1978 besonders hoch, bei denkmalgeschützten Gebäuden seien die Sanierungsmöglichkeiten hingegen beschränkt.
Dann ging es um die Potenziale erneuerbarer Energiequellen und moderner Heizungstechnik. Oberflächennahe Geothermie lasse sich beispielsweise besonders gut für die dezentrale Versorgung von Bestandsgebäuden einsetzen. Ein großes Potenzial bescheinigte er Luftwärmepumpen, besonders bei Gebieten ohne alternative Heizungen und mit loser Bebauung.
Auch die Tauber könne als Wärmelieferant genutzt werden. Flusswasserwärme eigne sich gut für eine Grundlastversorgung im Netz, so Bollinger. Gleiches gelte für Klärwasserwärme. „Diese Quelle ist ganzjährig verfügbar, direkt vor Ort an der Kläranlage.” Die Nutzung sei allerdings logistisch anspruchsvoll. Ein weiterer Schlüssel zur klimafreundlichen Wärmeversorgung sei die Abwärme, die als Nebenprodukt von Industrie und Gewerbe entstehe.
Einige Fragen waren nach Bollingers Präsentation im Stadtrat noch offen. Fritz Sommer (UR) wollte beispielsweise wissen, was mit bereits sanierten denkmalgeschützten Gebäuden sei: „Welche Möglichkeiten habe ich hier?” Jedes Gebäude müsse man individuell vor Ort anschauen, so Bollinger. Oft sei eine Wärmepumpe möglich, oder Heizen mit Biomasse. „Einsparpotenzial bietet auch eine Senkung der Vorlauftemperatur.”
Peter Schaumann (CSU) fragte: „Worauf sollen wir achten? Was können wir tun?” Wolle man zum Beispiel der Ölverbrauch reduzieren? Es müsse analysiert werden, ob der Umstieg von Öl auf Gas möglich sei, so Bollinger, riet aber gleichzeitig zur Besonnenheit. „”Wir sollten die Sache nach und nach angehen, nichts übers Knie brechen.”
Stefan Stiegele (Grüne) merkte an, dass in seinen Augen in der Analyse die Photovoltaikanlagen fehlen. Die seien untrennbar mit dem Einsatz von Wärmepumpen verknüpft. „Aber sie sind keine Heiztechnik an sich”, erklärte Bollinger, und daher nicht aufgeführt.
Dr. Dr. Günther Strobl (SPD) forderte Praktisches. Erdwärme, bei der man bis zu 400 Meter tief bohren muss, „das macht niemand, das ist zu teuer”. Dem stimmte Bollinger zu: „Bei einem Einfamilienhaus macht das keinen Sinn.” Hier gebe es aber andere technische Möglichkeiten, zum Beispiel Flächenkollektoren in geringer Tiefe.
Peter Wack (CSU) wollte wissen, wie die kommunale Wärmeplanung nach Abschluss des Projektes fortgesetzt werde. Dazu Bollinger: „Die Daten werden dann alle fünf Jahre neu erhoben”, was Folgekosten verursache. Der aktuelle Stand der Wärmeplanung ist auf der Website der Stadt unter dem Oberthema Stadtentwicklung einsehbar.