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Veröffentlicht am 19.04.2026 07:00

Umbau vor 100 Jahren: Die Entwicklung des Stadthauses in Ansbach

Vor 100 Jahren gingen die Umbauarbeiten des einstigen Landständehauses in die Endphase, und am 26. Oktober 1926 trat der Ansbacher Stadtrat in dem nun als Stadthaus bezeichneten Gebäude zu seiner ersten Sitzung zusammen.

„Seit Jahren gebrach es der Stadtverwaltung an einem für Vollversammlungen der städtischen Körperschaften geeigneten, wenigstens einigermaßen repräsentativen Sitzungssaal, der nunmehr mit den erforderlichen Nebenräumen hier gewonnen wurde“: Mit diesen Worten eröffnete Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Borkholder die erste Sitzung des Stadtrates im neuen Sitzungssaal im zweiten Obergeschoss. Dieser 130 Quadratmeter große Raum war damals für 24 Stadtratsmitglieder als ausreichend empfunden worden – heute müssen sich 40 Stadträte den gleichen Platz teilen.

Früher als Landständehaus bezeichnet

Die Stadt Ansbach hatte das Landständehaus, das im 19. Jahrhundert die Hofapotheke beherbergte, 1925 erworben und unter Beratung von Professor Theodor Fischer durch das Stadtbauamt unter Leitung von Willy Flach zum Verwaltungsgebäude umgebaut.

Errichtet worden war es 1532 von dem Baumeister und markgräflichen Silber-Kämmerer Sixtus Kornburger; es war bis zum Übergang Ansbachs an das Königreich Bayern in öffentlichem Eigentum. Der Standort des Landhauses direkt vor der Turmfassade von St. Gumbertus war in der Zeit der Reformation bewusst gewählt. Man wollte die alte „via triumphalis“, den Prozessionsweg zur Stiftskirche hin, ganz bewusst unterbrechen.

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Markgraf Georg der Fromme schob damit im wahrsten Sinne weiteren Prozessionen einen Riegel vor. Auch der Heilsbronner Abt ärgerte sich, weil er Steine für den Bau des „Tanz- und Lusthauses“, wie er schrieb, liefern sollte. Errichtet wurde das Gebäude für das Kaiserliche Landgericht Burggraftum Nürnberg, das allerdings erst 1542 zum ersten Mal darin tagte.

Von Anfang an als Markthalle konzipiert

Das Erdgeschoss war wohl von Anfang an als Markthalle konzipiert, das erste Obergeschoss war ein einziger großer Raum, dessen Decke von acht hölzernen Säulen getragen wurde. In diesem großen Saal fanden nicht nur die Sitzungen der Landstände statt, sondern auch private Feierlichkeiten wie Hochzeiten oder öffentliche „Lustbarkeiten“ wie Tanzveranstaltungen. Im zweiten Obergeschoss – dort, wo sich später der Sitzungssaal des Stadtrates befand – tagte das Kaiserliche Landgericht. In der anderen Hälfte des zweiten Obergeschosses war das Archiv untergebracht.

Nach dem Übergang Ansbachs an das Königreich Bayern wurde das Gebäude 1807 an den Hofapotheker Andreas Heinrich Heyde verkauft, der in der gotischen Halle im Erdgeschoss seine Apotheke betrieb und im Haus auch seine Wohnung hatte. 1925 kaufte die Stadt Ansbach den Bau von dem Apotheker Heinrich Dümlein. Der damalige Stadtbaurat Willy Flach stellte klar, dass ein Privateigentümer bei einer Renovierung niemals der städtebaulichen Funktion des Gebäudes hätte gerecht werden können. „Hier musste eine öffentliche Körperschaft einspringen, und schon aus diesem Grunde war es unbedingt richtig, wenn die Stadt Ansbach das ehemalige Landständehaus wieder in den Besitz der öffentlichen Hand brachte.“

Das Stadtbauamt begann im selben Jahr noch mit dem Umbau für die Nutzung als Amtsgebäude. Dabei kam auch die Idee auf, das Rathaus gegenüber und das Stadthaus mit einer überdachten Brücke zu verbinden. Dies wurde aber nicht realisiert. Stadtbaurat Flach berichtet, dass in den 1860er Jahren „das bis dahin freigehaltene Sandsteinquadermauerwerk mit einem Ölfarbenanstrich überzogen“ wurde.

Die Sandsteine konnten wieder atmen

Außerdem wurden 1871 im Erdgeschoss Ladeneinbauten mit „Türausbrüchen und dadurch bedingten Fensterverbreiterungen“ ausgeführt. Die Ölfarbe wurde 1925 in „mühseliger Arbeit“ wieder entfernt, und die Sandsteine konnten wieder atmen, wie Flach sich ausdrückte.

Um aufsteigende Feuchtigkeit zu stoppen, wurde das gesamte Mauerwerk unterhalb des Fußbodens durchsägt und zwischen Dachpappenstreifen wurden Bleiplatten eingelegt. Im Erdgeschoss wurden viele Öffnungen zugemauert, um die ursprüngliche Form wiederherzustellen. Einige Sandsteinquader mussten mit Exemplaren aus einem Cadolzburger Sandsteinbruch ersetzt werden.

Im Erdgeschoss wurde das alte Gewölbe wieder freigelegt und der Raum zur Kassen- und Schalterhalle der Stadtverwaltung umgebaut. Der große Saal im ersten Obergeschoss wurde für die Büronutzung unterteilt. Auf den Giebeln wurden wieder Zinnen angebracht und im Dachgeschoss wurden mehrere Gauben angebaut, um dieses Stockwerk zu belichten. Auf diesen Zinnen standen bis 1633, als ein Sturm in Ansbach wütete, ursprünglich Figuren von Kaisern und Kurfürsten.

Den Abriss gefordert

Im Vorfeld der Adaptierung des Landständehauses für die Zwecke der Stadtverwaltung wurde Mitte der 1920er Jahre viel diskutiert. Dabei wurden auch Stimmen laut, die einen Abriss des Stadthauses forderten, um einen großen Marktplatz zu bekommen.

Stadtbaurat Flach konnte damals aber alle Eingriffe in die historische Bausubstanz des Gebäudes verhindern. In einer Festschrift, die anlässlich der Renovierung erschien, schrieb er: „Das Stadthaus ist Ansbachs letztes Baudenkmal aus gotischer Zeit, das einen prominenten Platz hat. Ohne das Stadthaus wäre das Stadtbild undenkbar.“ Gleichzeitig rief der Baufachmann dazu auf, das Ansbacher Stadthaus in seiner historischen Echtheit und Schönheit zu erhalten.

Das Stadthaus wurde bewusst wie ein Riegel vor der Turmfassade von St. Gumbertus platziert.  (Foto: Alexander Biernoth)
Das Stadthaus wurde bewusst wie ein Riegel vor der Turmfassade von St. Gumbertus platziert. (Foto: Alexander Biernoth)
Das Stadthaus wurde bewusst wie ein Riegel vor der Turmfassade von St. Gumbertus platziert. (Foto: Alexander Biernoth)
1925 verfügte das Stadthaus über zahlreiche Ladeneinbauten, die später entfernt wurden.  (Repro: Alexander Biernoth)
1925 verfügte das Stadthaus über zahlreiche Ladeneinbauten, die später entfernt wurden. (Repro: Alexander Biernoth)
1925 verfügte das Stadthaus über zahlreiche Ladeneinbauten, die später entfernt wurden. (Repro: Alexander Biernoth)
Der Sitzungssaal wurde 1926 umgebaut und erhielt so seine heutige Gestalt. Ursprünglich war es der Gerichtssaal. (Repro: Alexander Biernoth)
Der Sitzungssaal wurde 1926 umgebaut und erhielt so seine heutige Gestalt. Ursprünglich war es der Gerichtssaal. (Repro: Alexander Biernoth)
Der Sitzungssaal wurde 1926 umgebaut und erhielt so seine heutige Gestalt. Ursprünglich war es der Gerichtssaal. (Repro: Alexander Biernoth)
Das Ansbacher Stadthaus dominiert die Altstadt zwischen dem Johann-Sebastian-Bach-, dem Martin-Luther- und dem Montgelas-Platz (Foto: Alexander Biernoth)
Das Ansbacher Stadthaus dominiert die Altstadt zwischen dem Johann-Sebastian-Bach-, dem Martin-Luther- und dem Montgelas-Platz (Foto: Alexander Biernoth)
Das Ansbacher Stadthaus dominiert die Altstadt zwischen dem Johann-Sebastian-Bach-, dem Martin-Luther- und dem Montgelas-Platz (Foto: Alexander Biernoth)
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