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Veröffentlicht am 01.01.2026 00:07

Ist vorinstalliert gut für mich? - Der Weg zum Wunschbrowser

Einfach mal einen anderen Browser ausprobieren? - Ist notiert! (Foto: Fabian Strauch/dpa/dpa-tmn)
Einfach mal einen anderen Browser ausprobieren? - Ist notiert! (Foto: Fabian Strauch/dpa/dpa-tmn)
Einfach mal einen anderen Browser ausprobieren? - Ist notiert! (Foto: Fabian Strauch/dpa/dpa-tmn)

Browser begleiten uns täglich fast auf Schritt und Tritt - und das relativ unauffällig. Dabei leisten Programme wie Brave, Chrome, Firefox oder Safari Beträchtliches. Sie sorgen dafür, dass wir schnell und bequem Sachen suchen, Dinge kaufen, Videos schauen, Nachrichten und Informationen lesen oder kommunizieren können.

Viele Nutzer bleiben einfach bei dem Browser, der bereits auf dem PC, Laptop, Tablet oder Smartphone vorinstalliert ist. Ein nachvollziehbarer Schritt schließlich sind diese Browser sofort nach dem Einschalten nutzbar.

Vorinstalliert heißt nicht automatisch optimal

„Die vorinstallierten Browser sind technisch ausgereift, sicher und gut integriert, Nutzer müssen also keine Probleme befürchten“, meint Jörg Geiger vom Computermagazin „Chip“. Allerdings sei vorinstalliert auch „wie ein Anzug von der Stange“, so Geiger. „Er passt manchmal, aber nicht jedem.“

Denn die vorinstallierten Browser sind in der Regel auch darauf ausgelegt, den Nutzer möglichst tief in das eigene Ökosystem zu integrieren, um beispielsweise über die Apple-ID, das Microsoft- oder Google-Konto weitere Dienste des jeweiligen Anbieters zu vermarkten. „Der Edge unter Windows fällt da besonders negativ auf, denn Microsoft versucht ziemlich aggressiv, dem Nutzer die eigenen Services anzupreisen“, sagt Timo Brauer vom Technikmagazin „Inside-digital.de“.

Alles Chromium oder was?

Technisch sind viele Browser ähnlich. „Etliche basieren auf der Chromium-Engine von Google – wie etwa Edge, Opera, Vivaldi oder Brave“, erklärt Jo Bager vom IT-Fachmagazin „c't“. Das führe zu vergleichbarer Geschwindigkeit und guter Webseitenkompatibilität.

Firefox und Safari hingegen würden mit eigenen Engines andere Wege gehen, seien aber funktional vollwertige Alternativen, sagt Bager. Da der Safari-Browser aber ausschließlich in der Apple-Welt verfügbar ist, sei Firefox tatsächlich der einzige wirklich unabhängige Browser mit eigener technologischer Plattform.

Darin unterscheiden sich Browser

Unterschiede zeigen sich vor allem darin, welchen Funktionsumfang ein Browser von Haus aus mitbringt. Während der Chrome bewusst schlank gestaltet ist, integrieren Opera oder Vivaldi viele Extras wie einen VPN-Dienst oder eine E-Mail-Funktion.

„Die größten Unterschiede für den Nutzer liegen im Design und den angebotenen Features“, sagt Timo Brauer. „So haben fast alle Browser eine Synchronisation über mehrere Geräte hinweg und einen Passwort-Manager an Bord – dazu kommen Funktionen wie Übersetzungen oder KI-Funktionen.“

Zentrales Thema Datenschutz

Wie Browser mit Daten umgehen, ist sehr unterschiedlich und für den Nutzer erst einmal nicht sichtbar. Was man wissen sollte: „Der Chrome-Browser ist weit verbreitet, hat aber keinen Werbeblocker: Google als Hersteller und Anbieter von Chrome verdient nun einmal mit Daten und Werbung sein Geld“, sagt Jo Bager. Hier landet also mehr Werbung beim Nutzer, und der Browser macht es Unternehmen einfach, auszuwerten, wo und wie sich der Nutzer im Internet bewegt.

Einen ähnlichen Weg in Sachen Datenverarbeitung geht der Microsoft-Browser Edge: „Auch er ist eng mit dem Microsoft-Ökosystem verbunden“, sagt Jörg Geiger. „Firefox, Brave oder DuckDuckGo positionieren sich dagegen klar als datenschutzfreundliche Alternativen.“ Diese Browser-Alternativen verfügen Geiger zufolge über einen integrierten Tracking-Schutz und bieten eine datenschutzfreundliche Suche.

Ein Browser für alle Geräte?

Wer Laptop, Tablet und Smartphone nutzt, kann davon profitieren, auf allen Geräten denselben Browser zu verwenden. Die Synchronisation von Lesezeichen, Passwörtern oder geöffneten Tabs spart Zeit und macht den Alltag leichter. „Das ist auch ein Grund, warum ein Browser wie der Chrome so beliebt ist, denn er ist auf allen Plattformen verfügbar“, sagt Jörg Geiger.

Allerdings bedeute das auch, dass viele persönliche Daten beim Anbieter landen. Wer besonderen Wert auf Datensparsamkeit legt, sollte überlegen, ob die Synchronisation über große Anbieter für ihn richtig ist oder auf Browser wie Firefox oder Brave ausweichen, rät Geiger. „Die bieten Sync-Lösungen mit weniger Datenerhebung an.“

Lesezeichen und Passwörter auslagern

Wer verschiedene Browser nutzt und zum Beispiel die private und berufliche Nutzung trennen will, hat auch andere Möglichkeiten, Passwörter oder Lesezeichen plattformübergreifend zu verwenden.

„Man kann auch nur die Bookmarks in einer Cloud ablegen, gleiches gilt auch für Passwörter“, erklärt Jo Bager. Hierfür gebe es unabhängige Anbieter mit einer guten Verschlüsselung, wie etwa Raindrop.io oder Start.me für Bookmarks oder Bitwarden und 1Password als Passwort-Manager.

Standardbrowser wechseln ist einfacher als gedacht

Den Browser wechseln, geht das so einfach? Klare Antwort: Ja. Der Wechsel kostet nichts und der Umstieg ist unkompliziert.

„Wer einen neuen Browser heruntergeladen hat, wird beim ersten Start automatisch gefragt, ob er zum Standard werden soll“, erklärt Jörg Geiger. Nach wenigen Klicks ist der Umstieg vollzogen.

Andere Anforderungen an Browser für Mobilgeräte

Egal, ob ein Browseranbieter für alle unterschiedlichen Endgeräte oder verschiedene: Die technischen Anforderungen bei Smartphones und Tablets sind andere als bei klassischen PCs oder Laptops. Kleinere Displays, Touch-Bedienung und die Notwendigkeit, sparsam mit Akku und Speicher umzugehen, machen mobile Browser zu Spezialisten.

„Die Mobile-Browser müssen besonders energieeffizient arbeiten, wenig Speicher verbrauchen und Inhalte auf kleinen Displays optimal darstellen“, erklärt Jörg Geiger. Wo am PC noch genug Platz für eine Seitenleiste ist, muss auf einem Smartphone oder Tablet anders navigiert und geordnet werden. Viele Funktionen, die am Desktop hilfreich sind, würden auf einem Handy-Display zum Chaos führen. Für mobile Browser gelte also die Devise: „Weniger ist mehr.“

Timo Brauer ergänzt hierzu den wichtigen Aspekt der Bedienung: „Die Nutzeroberfläche sollte gut an den Formfaktor des Gerätes angepasst sein.“ Und idealerweise sollten sich Nutzer nicht umstellen müssen: „Es ist praktisch, wenn die Browser mobil und stationär dieselben Features bieten, damit man stets den kompletten Funktionsumfang hat.“

Die App-Stores kennen den richtigen Browser

Wer mit dem Smartphone oder Laptop seinen Lieblingsbrowser installieren möchte, muss dazu nicht zwingend auf die Homepage des Anbieters gehen, die entsprechenden Anwendungen gibt es auch in den App-Stores. „Die Browser dort sind alle so konzipiert, dass es für Smartphones oder Tablets passt“, sagt Jörg Geiger. „Man kann also nicht den Fehler machen und aus Versehen eine Desktop-Version des Browsers installieren.“

Zudem müssen die Hersteller seit 2024 in der EU Browser-Alternativen deutlicher anzeigen. „Den „Standardbrowser” gibt es so auf dem Smartphone eigentlich nicht mehr“, meint Timo Brauer. Stattdessen bekomme jeder Nutzer bei der Ersteinrichtung eines neuen Smartphones eine Liste an Browsern angezeigt, um seinen Favoriten zu wählen. Aber auch später ist ein Wechsel natürlich jederzeit möglich.

Immer mehr KI-Funktionen

Künstliche Intelligenz findet sich zunehmend auch in Browsern: automatische Tab-Sortierung, Zusammenfassungen von Webseiten oder persönliche Assistenten. Zudem kommen neue Anbieter mit reinen KI-Browsern auf den Markt. „Das Thema KI-Browser ist derzeit ein großes Experimentierfeld“, meint Jo Bager.

Mit KI-Hilfe könne man sich inzwischen etwa eine ganze Reise planen lassen. „Allerdings muss man aufpassen, welche persönlichen Daten und Dokumente man zur Verfügung stellt“, warnt Bager. Denn was einmal hochgeladen ist, könne von den Anbietern auch gespeichert und gegebenenfalls weitergegeben werden.

Nicht immer freie KI-Wahl

Timo Brauer sieht vor allem die feste Verknüpfung von KI kritisch, wie etwa beim Edge-Browser: „Microsoft versucht, dem Nutzer den eigenen KI-Assistenten Copilot aufzudrängen und bietet keine Option, einen anderen KI-Dienst zu integrieren.“ Ein Plus für Nutzende sieht Brauer darin nicht: Die feste Integration biete keinen Mehrwert, sei sogar eher störend, weil sich die KI ständig proaktiv melden würde.

Bei den allermeisten Browsern können KI-Funktionen als Erweiterung hinzugefügt werden. Einig sind sich die Experten darin, dass es auch zukünftig möglich sein sollte, KI-Funktionen abschalten zu können.

© dpa-infocom, dpa:251231-930-484831/1


Von dpa
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