„Jedes Mal weniger”: Pläne zum Brauhaus-Hotel in Rothenburg ärgern Stadtrat | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 25.10.2025 09:00

„Jedes Mal weniger”: Pläne zum Brauhaus-Hotel in Rothenburg ärgern Stadtrat

Visualisierungen dazu, wie das Hotelareal aussehen könnte, liegen vom Planungsbüro vor - hier eine Ansicht vom Zugangstor aus. Auch ein Betreiberkonzept liegt inzwischen vor. Was aber noch immer fehlt, ist ein Investor. (Grafik: Isin + Co GmbH & Co. KG)
Visualisierungen dazu, wie das Hotelareal aussehen könnte, liegen vom Planungsbüro vor - hier eine Ansicht vom Zugangstor aus. Auch ein Betreiberkonzept liegt inzwischen vor. Was aber noch immer fehlt, ist ein Investor. (Grafik: Isin + Co GmbH & Co. KG)
Visualisierungen dazu, wie das Hotelareal aussehen könnte, liegen vom Planungsbüro vor - hier eine Ansicht vom Zugangstor aus. Auch ein Betreiberkonzept liegt inzwischen vor. Was aber noch immer fehlt, ist ein Investor. (Grafik: Isin + Co GmbH & Co. KG)

Der Durchbruch lässt weiter auf sich warten. Für ein Hotel auf dem Brauhaus-Areal wurde jetzt zwar ein Betreibermodell gezimmert. Nach wie vor fehlt aber ein Investor. Im Stadtrat, wo es um den Stand der Dinge ging, wurde deutlicher Unmut laut, auch wegen einer weiteren vom Planungsbüro vorgenommenen Abspeckung des Projektumfangs.

Mitte September, als auf dem früheren Brauhaus-Gelände im Nordosten der Altstadt am Tag des offenen Denkmals eine öffentliche Führung stattfand, hatte Oberbürgermeister Dr. Markus Naser mit der Äußerung für Wirbel gesorgt, nicht daran zu glauben, dass für das Vorhaben auf der bisherigen Basis ein Betreiber und ein Investor gefunden werden könnten. Er lasse sich aber gerne eines Besseren belehren, wenn in der Oktober-Sitzung des Stadtrates das Planungsbüro jemanden vorstelle.

Gesellschaft mit Sitz in Hamburg übernähme

Am Donnerstagabend nun, als das Gremium tagte, kam Architekt Cemal Isin, der mit seinem Aalener Büro für die Projektentwicklung zuständig ist, in der Tat in Begleitung. Mit ihm eingefunden hatten sich Katharina Hohn, Geschäftsführungsvertreterin der 1912 Hotels GmbH mit Sitz in Hamburg, und Daniel Bowen, Entwicklungsmanager der international aufgestellten Gruppe IHG Hotels & Resorts, zu der unter anderem die Häuser der Marken Holiday Inn, Crowne Plaza oder InterContinental gehören.

Die Ratsrunde erfuhr von Daniel Bowen, dass ein Hotel auf dem Brauhaus-Areal sehr gut passen würde zur Ausrichtung der IHG-Gruppe, die das Haus aber nicht selber betriebe. Vielmehr sei hier an eine Franchise-Partnerschaft mit der 1912 Hotels GmbH gedacht, die das Haus führen würde, und zwar unter dem Label Indigo.

Katharina Hohn erklärte, dass es das Ziel sein werde, das Haus „als lebendigen Teil der Stadtstruktur zu etablieren”. Wichtige Säulen seien eine Gastronomie mit regionaler Identität, das Sudhaus als Ort der Begegnung sowie ein hochwertiger Wellness-Bereich. Die 156 Zimmer und sechs Suiten würden ausgelegt für Individualreisende, Paare und kleine Gruppen, wobei neben internationalem Publikum, etwa aus den USA und Asien, auch an Wochenend-Gäste aus der näheren Umgebung gedacht werde, die das Wellness-Angebot schätzten.

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Die Ratsmitglieder waren an der Reihe

Im Anschluss waren die Ratsmitglieder an der Reihe, wobei OB Naser betonte, dass es an dieser Stelle nicht um eine Grundsatzdebatte und den Austausch von Meinungen gehe, sondern sich das Ganze auf inhaltliche Fragen beschränken solle. So ganz klappte das nicht. Mehrere Ratsmitglieder, die sich zu Wort meldeten, brachten in ihren Fragen deutliche Kritik unter.

So äußerte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Dr. Günther Strobl enttäuscht darüber, dass weiterhin kein Investor in Sicht sei: „Was nützt uns das schöne Konzept, wenn ich es nicht finanziert kriege”, meinte er. Überdies fehle jetzt in den Plänen plötzlich der „Speiserei” genannte große Anbau neben dem historischen Sudhaus. Langsam habe er da deshalb jetzt wirklich „ein Problem mit dem Vertrauen”, so StrobI.

Eine Rüge des Oberbürgermeisters

Diese Bewertung brachte ihm eine Rüge des Oberbürgermeisters ein, der daran erinnerte, dass nur Fragen gestattet seien. Also schob Strobl eine solche nach: „Können Sie nachvollziehen, dass wir als Stadtrat ein Problem haben mit der Glaubwürdigkeit?” Architekt Cemal Isin erwiderte, dass er solche Gedankengänge verstehen könne. Allerdings sei es mit dem Investieren in der Hotelbranche seit der Pandemie leider sehr schwierig.

Strobl setzte nach und wurde noch deutlicher: „Ich habe das Vertrauen verloren, weil Sie uns mehrfach schon nicht die Wahrheit gesagt haben”, erklärte er. In einigen Nachbarstädten stünden solche Hotels, wie es sich der Stadtrat für Rothenburg vorstelle, schon längst.

Mandatsträger sprach von einer „Salamitaktik”

Sein Fraktionskollege Stefan Reihs monierte, dass das Gremium in den vergangenen Jahren „unzählige Entwürfe vorgelegt bekommen” habe, „und jedes Mal ist es weniger geworden”. Es sei jedenfalls der falsche Weg, mit solchen Planänderungen Betreiberwünschen entgegenzukommen, vor allem wenn gleichzeitig noch ein Investor fehle.

Fritz Sommer (UR) sprach mit Blick auf die Reduzierung des Projektumfangs von einer „Salamitaktik” und bezeichnete vor allem die Menge der geplanten Stellplätze mit Blick auf die Gäste- und die Mitarbeitenden-Zahl als unrealistisch gering.

Jutta Striffler (FRV-Fraktionsvorsitzende) wollte wissen, was das Büro dazu bewogen habe, die Pläne „so granatenmäßig abzuspecken”, dass es „in keinster Weise mehr unseren Vorstellungen entspricht”. Für sie sei das allmählich nur noch „ein Bettenhaus”, so Striffler.

Wellness-Bereich massiv geschrumpft

Insbesondere der Wellness-Bereich sei mit rund 400 Quadratmetern inzwischen „dermaßen zusammengeschrumpft”, dass er sich frage, wo da noch das Prädikat „Alleinstellungsmerkmal” gerechtfertigt sei, „wenn ich nach Dinkelsbühl oder Langenburg schaue”, meinte auch Peter Wack (CSU).

Zu den möglichen Investitionskosten wurde in der Sitzung nichts gesagt. Im Raum steht die von Oberbürgermeister Naser Mitte September geäußerte Einschätzung, wonach mit 55 bis 60 Millionen zu rechnen sein werde. Zu beschließen war bei dem Punkt nichts. Wie es mit dem Projekt nun weitergeht, blieb offen. Konkrete Äußerungen gab es dazu jedenfalls nicht.

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