Jessica Chastain als kalte Kunstmäzenin | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 22.07.2026 09:33

Jessica Chastain als kalte Kunstmäzenin

Chastain stellte „Dreams“ bei der Berlinale vor. (Archivbild) (Foto: Christoph Soeder/dpa)
Chastain stellte „Dreams“ bei der Berlinale vor. (Archivbild) (Foto: Christoph Soeder/dpa)
Chastain stellte „Dreams“ bei der Berlinale vor. (Archivbild) (Foto: Christoph Soeder/dpa)

Der Titel „Dreams“ ist vieldeutig. Er verweist einerseits auf den Traum des jungen mexikanischen Balletttänzers Fernando (Isaac Hernández) von einer großen Karriere in den USA. Andererseits meint er auch die Haltung der schwerreichen US-Amerikanerin Jennifer (Jessica Chastain), sich für Geld tatsächlich alles und jeden kaufen zu können. 

Und damit ist schon die Grundkonstellation von „Dreams“ beschrieben, dem neuen Film des mexikanischen Regisseurs Michel Franco. Das Erotikdrama lief im Wettbewerb der Berlinale.

Fernando gilt als vielversprechendes Talent aus dem Umfeld von Jennifers Kulturstiftung: Sie unterstützt das mexikanische Tanzstudio, in dem er arbeitet. Wobei sie ihn gleichzeitig ausbeutet: Die ältere Frau erkauft sich mit ihrem Geld nämlich eine intensive körperliche sexuelle Lust von dem wesentlich jüngeren Mann. Doch er glaubt an Liebe.

Eine Amour Fou voller Brutalität

Als Fernando eine gemeinsame Zukunft anstrebt, hintergeht Jennifer ihn. Als Angehörige der Upper Class kann sie es sich vermeintlich nicht leisten, einen armen Schlucker mit Migrationshintergrund, der illegal in den USA lebt, als Partner in die Gesellschaft der Schönen und Reichen in „Gottes eigenem Land“ einzuführen. 

Ist er in Mexiko, so ihr Glaube, können sie sich ungestört allen Sexabenteuern hingeben. Doch er fühlt sich damit von ihr betrogen und trifft eine geradezu mörderische Entscheidung.

Der mit einigen freizügigen Szenen versehene Spielfilm von Drehbuchautor und Regisseur Franco hinterlässt Fragen: Handelt es sich um ein kapitalismuskritisches Sozialdrama oder um einen auf Provokation ausgerichteten Film, der in ein gewaltreiches Finale mündet?

Franco („Sundown - Geheimnisse in Acapulco“) setzt dabei weniger auf psychologische Tiefe und detaillierte Milieuschilderungen als auf Momentaufnahmen einer Amour Fou, die von Extremen geprägt ist.

Eine Demontage des amerikanischen Traums

Manche Szenen dürften bei Zuschauern starke emotionale Reaktionen hervorrufen - von Ekel, Unbehagen bis hin zu Spannung. Eine tiefergehende gesellschaftliche Reflexion legt der Film dabei nur bedingt nahe.

Es kommt einem höchstens der Gedanke, dass Michel Franco vielleicht vor allem einen Traum demontieren möchte, nämlich den legendären sprichwörtlichen amerikanischen Traum, dass es jede und jeder vom Tellerwäscher zum Millionär bringen kann. Mehr als oberflächliche Verweise darauf sind jedoch nicht auszumachen. Die Flut an Sex and Crime deckt das nämlich zu.

Oscar-Preisträgerin Jessica Chastain, bekannt für Rollen wie „Zero Dark Thirty“ und „The Eyes of Tammy Faye“, spielt eine superreiche Frau, deren Figur wenig Tiefe entwickelt.

Der bisher vor allem als Tänzer und Choreograph aktive Isaac Hernández darf seinen trainierten Körper ausstellen, Erkundungen einer komplizierten Seelenlandschaft wurden ihm nicht abverlangt. Wer im Kino gern eine Gänsehaut bekommt, wird effektvoll bedient. Wer mehr sucht, geht weitgehend leer aus.

© dpa-infocom, dpa:260722-930-420268/1


Von dpa
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