Auf den Streuobstwiesen in der Region ist Erntezeit. Der Bund Naturschutz und der Allfra Regionalmarkt Franken der Hesselberger Streuobstinitiative nehmen in den kommenden Wochen die ungespritzten Äpfel und Birnen an – aus Beständen, die landschaftsprägend und ein Refugium der Artenvielfalt sind.
Jutta Grießer ist in Deffersdorf bei Wieseth mit Obstbäumen groß geworden und mittlerweile Mit-Geschäftsführerin des Hesselberger Regionalmarktes, der sich für eine langfristige wirtschaftliche Perspektive der Streuobstwiesenbesitzer einsetzt. Die von ihren Großeltern und Eltern gepflanzten alten Baumbestände hat sie zusammen mit ihrem Mann durch Nachpflanzungen weiter entwickelt.
Die artenreichen Flächen auf der Hofstelle werden gehegt und gepflegt. Zum einen wegen des Angebots an Äpfeln, Birnen, Zwetschgen und Kirschen, aber auch zum Schutz der biologischen Vielfalt. „Unsere Birnbäume tragen heuer sehr gut, die Williams-Christ-Birnen sind wunderbar“, sagt Jutta Grießer. Bei den Apfelbäumen sei die Erntebilanz gemischt. „Einzelne Bäume hängen gut voll, an anderen hängt kaum etwas.“
Es gebe regionale Unterschiede. Auf einem Hanggrundstück im benachbarten Reichenau hängen die Obstbäume „brechend voll“. Auch auf dem Kappelbuck bei Beyerberg „tragen die allermeisten Bäume sehr gut“.
Die Hoch- und Tieflagen auf dem Hesselberg als auch auf der Frankenhöhe und die Spät- und Frühblüher unter den Obstbäumen, können je nach Witterung unterschiedliche Erträge erzielen. Die Wetterextreme Trockenheit, Hitze, Dauerregen sorgten dafür, dass es viel Fallobst gibt und die Ernte etwa 14 Tage früher beginnt als üblich.
Beim Ortstermin warb Jutta Grießer gemeinsam mit Harald Domscheit, Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Ansbach des Bund Naturschutz, um Aufmerksamkeit für die Streuobstannahme (siehe Aufstellung). Wie gewohnt, bezahlt die beteiligte Mosterei zusätzlich zum Tagespreis einen Zuschlag von 4,60 Euro pro Doppelzentner, den sogenannten „Streuobst-Pflegebeitrag“.
Um in den Genuss dieses Aufpreises zu kommen, müssen die Früchte entsprechende Kriterien erfüllen: Sie müssen aus hochstämmigen Streuobstbeständen stammen und im Wirtschaftsjahr darf kein chemischer Pflanzenschutz stattgefunden haben. Die Flurstücknummer und die Gemarkung der Grundstücke sind anzugeben, von denen die Früchte stammen. Angefaultes Obst sollte aussortiert werden.
Das Aufpreismodell, so Harald Domscheit, zielt auf diejenigen Obstmengen ab, die den Eigenbedarf übersteigen. Mit Hilfe des von der Mosterei bezahlten Streuobst-Pflegebeitrages hofft man, so Domscheit, „dass die ökologisch notwendige Weiternutzung und Neuanlage von langlebigen Streuobstbeständen wieder interessanter werden“.
Sowohl die BN-Kreisgruppe mit den „Grünspecht“-Produkten als auch die Hesselberger Initiative sind Partner des Unternehmens Hohenloher Fruchtsäfte in Schwäbisch Hall. Der Bund Naturschutz organisiert und betreibt die Streuobst-Sammelstellen in ehrenamtlicher Arbeit. Pro Sammelstelle würden zwischen 40 bis 60 Tonnen Obst abgeliefert, so Domscheit. Bei der Containerlogistik unterstützt ein regionales Transportunternehmen. Die Allfra Regionalmarkt Franken GmbH ist ein Zusammenschluss von vielen Obstaktivisten aus der Region Hesselberg aus den verschiedensten Bereichen. Die Gründung erfolgte 2006 nach sechs Monaten Vorbereitungszeit von 34 Gesellschafterinnen und Gesellschaftern.
Das Hesselberger Sortiment ist inzwischen breit gefächert. Es gibt Säfte, Schorlen, Limonaden, Moste, Cider, Sekt, Seccos, Brände, Digestifs, Honige und Gelees. Gemeinsam setze man sich dafür ein, betonen Jutta Grießer und Harald Domscheit, Streuobstbestände zu sichern und auch die jüngere Generation für die umweltverträgliche Bewirtschaftungsmethode zu gewinnen. Bei der regionalen Kreislaufwirtschaft gilt das Prinzip der kurzen Wege. Der Streuobstpakt hat sich freiwillig Qualitätsvorschriften auferlegt: ohne Gentechnik und ohne Aromazusätze.