Landwirte müssen ihre Arbeiten seit eh und je an Natur und Witterung ausrichten. Doch die staatlichen Vorschriften überschreiten immer öfter die Grenzen des Zumutbaren, findet Jürgen Dierauff, der Bauernverbands-Vorsitzende im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.
Anstelle eines Handelns im Einklang mit der Natur trete immer mehr eine „Kalenderlandwirtschaft“, so Dierauff. Krasse Auswüchse der Gängelung erlebten Landwirte derzeit mit Grünlandflächen, die im Roten Gebiet liegen, wie er am Montag am Hof von Jürgen Summ in Kaubenheim erläuterte.
Seine 50 Hektar Wiesen im Aischgrund braucht Summ zur Ernährung von 130 Milchkühen. Doch der verregnete Herbst machte Probleme und es konnte lange nicht siliert werden. Zu spät stellte sich Hochdruckwetter ein und nach der Siloernte blieb kaum mehr Zeit, die Gülledüngung auszubringen, erklärten die Landwirte.
Bei der Vorstandsitzung des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung Mittelfranken in Neustadt wurde kürzlich die Befürchtung geäußert, dass sich Landwirte gezwungen sehen könnten, am letzten Tag vor Ablauf der gültigen Frist Gülle zu fahren. Am Montag dieser Woche lief die Frist ab. Ein Antrag von Bauernverbandsleuten aus Mittelfranken, die Frist für einzelne Betriebe verlängern zu können, blieb unbeantwortet, wurde in Neustadt kritisiert.
Dass Landwirtschaft nach Kalendervorgaben nicht funktioniert, habe sich schon in sozialistischen Ländern gezeigt, wurde betont. Kreisbäuerin Renate Ixmeier warf in Neustadt die Frage auf, warum Jungbauern noch top ausgebildet werden, wenn ihnen jeder Handlungsschritt vorgeschrieben und auch noch per Satellitenfoto kontrolliert werde.
Dierauff stellt fest, dass schon die schwarz-rote Bundesregierung damit begonnen habe, die Daumenschrauben bei den Vorschriften anzuziehen. Die jetzige Ampel-Regierung mache damit weiter und sei nicht bereit, unsinnige Regelungen – wie feste Datumsangaben bei der Düngeverordnung – wieder zu streichen. „Wir verlangen zumindest von der bayerischen Regierung, in solchen Ausnahmesituationen kurzfristig einzelbetrieblich Befreiungen auszusprechen“, so Dierauff.