Zugehängte Schaufenster, verrammelte Türen – viele Monate nach der sieben Jahre währenden Sanierung bietet die Neustadt noch immer ein Bild des Jammers. Die einst so quirlige Einkaufsmeile steht sinnbildlich dafür, dass es nicht zum Besten steht mit der Innenstadt. Jetzt will die Stadt etwas gegen die unübersehbaren Leerstände in der City unternehmen.
Unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen/Bekanntgaben“ kündigte Baureferent Jochen Büschl im Stadtrat an, man werde eine Stelle für ein Leerstandsmanagement ausschreiben. „Wir wollen unsere Aktivitäten auf diesem Feld verstärken“, kündigte er an. 50.000 Euro seien im Haushalt 2024 eingestellt, so Büschl. Es kommt also Bewegung in eine Sache, die eigentlich schon ad acta gelegt war.
Denn noch im November, bei den Haushaltsberatungen, hatte das ganz anders geklungen. Damals war der Posten eines City-Managers den Sparzwängen geopfert worden. Ursprünglich war geplant, 200.000 Euro für den Zeitraum von zwei Jahren auszugeben, um der Attraktivität der Innenstadt auf die Beine zu helfen. Das Ganze freilich vorbehaltlich der finanziellen Möglichkeiten. Und so fiel das Projekt letztlich dem Rotstift zum Opfer, obwohl eigentlich Konsens im Stadtrat herrschte, dass man „etwas für die Innenstadt machen muss“.
Inzwischen hat man eine Möglichkeit gefunden, im Rahmen der Städtebauförderung doch noch Mittel zu generieren. Die Regierung von Mittelfranken habe ein mögliches Leerstandsmanagement in Ansbach als förderfähig anerkannt, kündigte der Baureferent im Stadtrat an. Die Verwaltung folgt damit dem Beispiel anderer Städte, die auf diesem Feld schon seit Jahren aktiv sind. „Das Rad musste also nicht neu erfunden werden“, fasste der Baureferent zusammen.
Konkret soll das Leerstandsmanagement Eigentümer kontaktieren und beraten. Nach der Erstberatung und einer eingehenden Analyse sollen die Potenziale und der Investitionsbedarf der Immobilie herausgearbeitet werden.
Gratis sollen die Hausbesitzer in der Innenstadt diese Dienstleistung freilich nicht bekommen. Es sei „eine gewisse Beteiligung der Eigentümer vorgesehen“, kündigte Büschl an. Er sprach – je nach Umfang der Beratung – von 3000 bis 5000 Euro. Bei späterer Umsetzung der Pläne könne das dann wieder in Ansatz gebracht werden.
Ob überhaupt bekannt sei, wie viel Leerstände es in der Ansbacher Innenstadt gibt, wollte Stadtrat Boris-André Meyer von der Offenen Linken Ansbach (OLA) wissen. Es gebe da nur „eine Momentaufnahme“ von einem zurückliegenden Gutachten, musste Büschl einräumen, aber es habe da keine Fortschreibung gegeben. „Wir wissen es nicht“, gab der Baureferent zu.
Es ist offenbar höchste Zeit, dass ein Leerstandsmanagement in einem ersten Schritt die freien Laden-Einheiten erfasst. Vom aktiven Einwirken auf die Innenstadt-Vermieter und dem Heben konkreter Potenziale ist man damit freilich noch ein Stück entfernt.