In Neustädtlein ist der Unmut groß: Die Menschen, die in dem Dinkelsbühler Stadtteil leben, klagen über viel zu viel Verkehrslärm. Und ärgern sich, weil in der Nachbarschaft Lkw-Tempolimits greifen und bei ihnen nicht.
Jochen Mahler ist kaum zu verstehen. Der Ortssprecher des Dinkelsbühler Stadtteils Neustädtlein kämpft mit seiner Stimme gegen den Verkehrslärm auf der B25-Ortsdurchfahrt an. Über 40 Personen hören ihm zu, als er am Buswartehäuschens des Dorfs darüber spricht, warum eine Geschwindigkeitsbeschränkung für Lkw und auch ein stationärer Blitzer notwendig sind, um Neustädtlein mehr Ruhe und vor allem mehr Sicherheit zu schenken.
Seit 2008 ist Mahler an dem Thema dran, erzählt er. Und bereits 2014 sei die Forderung an die Große Kreisstadt Dinkelsbühl gestellt worden, das Tempolimit und den Blitzer umzusetzen. Dass das bislang nicht passiert ist, kann er nicht nachvollziehen. „Knittelsbach hat das doch auch geschafft”, stellt er fest.
In dem nur gut einen Kilometer südlich von Neustädtlein gelegenen Wilburgstettener Ortsteil gibt es sein ein paar Jahren beides. Nachts müssen Laster ihre Geschwindigkeit auf 30 km/h drosseln und wer das nicht macht, rast in die Radarfalle. Mahler versteht nicht, warum sich Dinkelsbühl damals nicht der Initiative der Gemeinde Wilburgstetten angeschlossen hat, die vom dortigen Bürgermeister Michael Sommer unterstützt wurde. Dafür bekommt er Zustimmung von der Gruppe der Neustädtleiner Bewohnerinnen und Bewohner.
Als dann einige Wochen vor der Kommunalwahl Oberbürgermeister Dr. Christoph Sommer zwischen dem Kreisverkehr Am Brühl und der Jet-Tankstelle Richtung Feuchtwangen Tempo-30-Schilder aufstellen ließ, die für Lkw ab 22 Uhr bis 6 Uhr morgens gelten, hat sich der Neustädtleiner Ortssprecher des Themas wieder intensiver angenommen. „In Dinkelsbühl standen plötzlich Schilder, da habe ich gleich wieder bei der Stadt angeklopft”, berichtet er den Leuten aus dem Dorf. Außerdem habe er alle Fraktionen des Stadtrats angeschrieben.
Die Stadt Dinkelsbühl war mit der Anordnung des nächtlichen Tempolimits einer Forderung von Anwohnenden in der Luitpoldstraße und Feuchtwanger Straße nachgekommen, hieß es Ende Januar beim Pressetermin. Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer hatte damals auch von den Hintergründen berichtet. Im Jahr 2025 habe sich ein Anwohner bei der Stadt gemeldet, der auch im Auftrag anderer von Lärmbelästigungen berichtet habe. Vor allem nachts seien diese von „erheblichem Schwerverkehr” verursacht worden. Als Untere Straßenverkehrsbehörde sei die Große Kreisstadt befugt, solche verkehrsrechtlichen Anordnungen auszusprechen, so der OB weiter.
Der Oberbürgermeister habe ihm nach der Aktion in der Luitpoldstraße versichert, sich zu kümmern, so Mahler weiter. Schilder wurden zwar keine aufgestellt, aber in der vergangenen Woche hat der Ortssprecher von der Stadt ein Lärmgutachten erhalten, in dem untersucht worden sei, welcher Effekt für Neustädtlein entstehen würde, wenn Lkw abgebremst werden. Weil darin nur von einem Dezibel weniger Lärm die Rede sei, reiche das für das Tempolimit nicht, berichtete Mahler über den Inhalt des Gutachtens.
Er wundert sich nun: „In Dinkelsbühl und in Knittelsbach funktioniert es, nur in Neustädtlein nicht.” Dabei habe damals der Wilburgstettener Bürgermeister angeregt, Dinkelsbühl solle sich an der Initiative beteiligen, die zu Tempolimit und Blitzer geführt hat. Der Vorwurf des Ortssprechers: „Die Verwaltung macht nichts.”
Er will dranbleiben an dem Thema. Er steht mit den Forderungen der Neustädtleiner Bürgerschaft in Kontakt mit Polizei und Staatlichem Bauamt Ansbach. Und er hat Zweifel an manchen Zahlen: Eine Zählung aus dem Jahr 2024 habe 8000 Fahrzeuge pro Tag zum Ergebnis gehabt. Aber bereits 2018 habe eine Zählung durch einen „stillen Blitzer” 10.000 bis 11.000 Fahrzeuge pro Tag ergeben. Es gebe zwar auch Geschwindigkeitsmessgeräte, „aber die Smileys sieht man nicht”, kritisiert der Ortssprecher.
Das Dorf soll sicher sein.
Deshalb fordert er im Namen des Dorfes einen stationären Blitzer auf beiden Seiten der B25 und eine ganztägige Tempobeschränkung auf 30km/h für Lkw. Denn im Ort gebe es viele Kleinkinder. „Neustädtlein soll sicher sein”, unterstreicht er die Forderung der Dorfgemeinschaft. Denn die Erfahrung zeige, dass Laster oft noch bei Rot über die Fußgängerampel rauschen würden.
Unterstützung haben die Menschen in Neustädtlein von der Wählergruppe Land, die gemeinsam mit dem Ortssprecher zu der Aktion aufgerufen hat. Stadtrat und Bürgermeister Georg Piott schüttelt bei der Protestaktion seinen Kopf und sagt: „Ich verstehe nicht, wie das funktionieren soll: Wenn die Lkw in der Luitpoldstraße runtergebremst werden, muss man sich doch fragen, wo die herkommen.” Weil eine Ortsumfahrung für Neustädtlein unrealistisch sei, „ist Tempo 30 das Mindeste”, sagt er und ergänzt: „Flagge zeigen ist wichtig.”
Auch die Gruppierung Dinkelsbühl Gemeinsam Gestalten ist vor Ort. Deren Vorsitzender und Stadtrat Florian Zech bedauert: „Die B25-Ortsumfahrung für Dinkelsbühl wird als Gewinn gefeiert, aber die kleinen Dörfer werden vergessen.” Damit bezieht er auch Seidelsdorf ein, wo die Menschen ebenfalls unter dem Verkehr leiden.
Ein Vorwurf, der an diesem Nachmittag auch laut wird, ist, dass die Politik vergesse, im Verbund zu denken. Da müsse man nur nach Baden-Württemberg schauen, wo solche Tempobegrenzungen funktionierten.
Derzeit jedenfalls sei Neustädtlein, neben Lehengütingen, das „einzige gebrannte Kind” zwischen Augsburg und den Autobahnanschlussstellen bei Feuchtwangen, was den ungebremsten Lkw-Verkehr angehe.