Die Hubschrauber dröhnen unablässig, dichter Rauch zieht herab ins Tal: In den Chiemgauer Alpen hat ein Bergwald Feuer gefangen. Mehr als 200 Einsatzkräfte kämpfen in dem unwegsamen Gelände im Gipfelbereich der Hochwand nahe der Lackenbergwand bei Unterwössen (Landkreis Traunstein) gegen die Flammen. Die Behörden rufen den Katastrophenfall aus.
„Wir haben uns entschieden, dass wir gleich voll durchstarten“, sagte der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler) nahe dem Brandort. Man brauche schnellen Zugriff und „schlagkräftige Hilfe“ bei der Brandbekämpfung. Dabei hätten auch die Erfahrungen aus dem tagelangen Waldbrand am Saurüsselkopf im Mai eine Rolle gespielt.
„Die Wetterlage ist nicht sehr günstig“, so Danzer am frühen Nachmittag. Wegen des immer wieder auffrischenden Winds werde eine schnelle Ausbreitung des Brands befürchtet. Deshalb sei auch Hilfe aus Österreich angefordert worden. Evakuierungen seien aktuell nicht nötig. Sicherheitshalber liefen aber die Vorbereitungen für einen solchen Fall.
Wegen der starken Rauchentwicklung war am Morgen die Bevölkerung in der Gegend gewarnt worden. „Da werden die Menschen gebeten, die Fenster und Türen geschlossen zu halten, die Lüftungs- und Klimaanlagen auszuschalten und den Bereich um den Einsatzort zu meiden“, sagte ein Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein. Aufgrund der Löscharbeiten wurde die Bundesstraße 305 in beide Richtungen gesperrt.
Bereits bei der Alarmierung am Mittwochabend war eine deutliche Rauchsäule im Gipfelbereich auf etwa 1000 Meter Höhe zu sehen. Rund 2,5 Hektar Fläche waren den Angaben nach am Donnerstagnachmittag betroffen.
„Die Vegetationsbrandbekämpfung im Bergwald ist sehr schwierig“, erläuterte der Feuerwehrsprecher. „Das ist nicht wie ein Feld zu sehen, das 100 Meter lang und 60 Meter breit ist und dann habe ich 6000 Quadratmeter. Da geht es nach oben und unten, nach hinten und vorne.“
Deshalb sind Drohen im Einsatz: Mit Wärmebildtechnik versuchen die Einsatzkräfte systematisch zu erfassen, wie viele Wärmequellen am Berg vorhanden sind. Die Einsätze der Drohnen müssten aber mit den Flügen der Hubschrauber koordiniert werden, schilderte der Fachmann eine weitere Schwierigkeit. Eine Aussage zur Brandursache war zunächst nicht möglich. Nach aktuellem Stand wurde niemand verletzt.
Grundsätzlich seien die Verhältnisse zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Feuers ähnlich gewesen wie bei am nicht weit entfernten Saurüsselkopf nahe Ruhpolding im Mai, sagte der Feuerwehrsprecher. Der Brand dort hatte sich im Anschluss auf etwa 160 Hektar Fläche ausgebreitet und war extrem schwierig zu bekämpfen gewesen. Erst nach einem Monat wurde der Einsatz endgültig für beendet erklärt.
Auch beim aktuellen Brand an der Hochwand hat sich das Feuer in der ersten Nacht Richtung Tal ausgeweitet. „Man hat gestern Abend und in den Nachtstunden begonnen, lange Schlauchstrecken aufzubauen und alle paar Meter sogenannte Kreisregner aufzubauen“, schilderte der Feuerwehrsprecher. „Das kann man sich vorstellen wie einen großen Gartensprinkler. Damit wird der Bereich, der nicht vom Brand betroffen ist, bewässert, um eine Ausbreitung zu verhindern.“
Dazu wurde ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen eingerichtet. Auch drei Löschhubschrauber waren sowohl am Mittwochabend als auch am Donnerstag im Einsatz. Weil es kein größeres Gewässer in unmittelbarer Nähe gibt, befüllt die Feuerwehr die Behälter in Minutenschnelle mit Hilfe von Schläuchen, während die Hubschrauber über einem Feld im Tal in der Luft stehen.
„An den Ursprungsbrand kommt man nicht mit Fahrzeugen hin“, schilderte der Feuerwehrsprecher. Eine unmittelbare Brandbekämpfung im Gipfelbereich des Berges mit bodengebundenen Kräften sei zunächst nicht möglich gewesen.
Eine Schwierigkeit für die Nacht gibt es: Da können keine Hubschrauber mit Löschwasser fliegen. Insofern liefen laut Feuerwehr am Nachmittag bereits die Vorbereitungen, um dann vom Boden aus den Brand weiter bekämpfen zu können. Es soll auch verhindert werden, dass das, was am Tag gelöscht worden ist, in der Nacht wieder auflodert.
Das Engagement der vielen Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdiensten und Bergwacht gibt den Anwohnern ein gutes Gefühl: „Es ist ganz schön schockierend, muss ich sagen. Weil mit so etwas rechnet man natürlich nicht, dass sowas irgendwann mal vorkommen kann“, sagte eine Bürgerin. „Aber die Kräfte vor Ort sind super. Direkt Angst werden wir nicht haben brauchen, weil die wirklich tüchtig sind und ihre Arbeit gut machen.“
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