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Veröffentlicht am 15.03.2025 12:00

Kein Betreuungsplatz in Ansbach wegen Verdacht auf Autismus?

Beran Berrak ist besonders: Verdacht auf Autismus. Ein Platz in einer Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT) hätte ihn auf die Schule vorbereiten sollen. Doch die Einrichtung eröffnete nicht. Seine Familie sorgt sich um seine soziale Entwicklung. Nun sucht sie verzweifelt einen Betreuungsplatz.

Beran hat eine unheimliche Begabung fürs Rechnen und brachte sich das Klavierspielen selbst bei. Gedichte hört er einmal und kann sie aufsagen. Gegenüber anderen Kindern entwickelt er ein starkes Konkurrenzdenken: Er will zeigen, was er kann, und verbessert sie, wenn sie Fehler machen. Der Sechsjährige ist schon immer schüchtern gegenüber Fremden und hatte Probleme mit der Sprache. Wenn er seinen Willen nicht bekommt, schaltet er auf stur.

Endgültiger Befund steht noch aus

Untersuchungen an der Uniklinik in Würzburg brachten eine erste Diagnose: Verdacht auf Autismus. Ein endgültiger Befund wird in den nächsten Wochen erwartet.

Beran ist kein extremer Fall, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Er kann interagieren und spielt gern mit anderen Kindern. „Wenn Freundinnen meiner Tochter zu Besuch sind, nervt er sie wie jeder andere kleine Bruder“, erzählt Mutter Burcin Berrak mit einem Lächeln. Sein Verhalten gegenüber anderen Menschen habe sich über die Jahre deutlich gebessert.

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16 betroffene Familien dabei

Ab September 2025 soll Beran mithilfe eines Schulbegleiters in die erste Klasse der Ansbacher Luitpoldschule. Zur Vorbereitung hätte er im aktuellen Schuljahr die neugebildete HPT der Diakonie in der Pestalozzi-Schule besuchen sollen. Die Einrichtung ist speziell auf Kinder mit einem besonderen Förderbedarf zugeschnitten. Auch angesichts seiner sozialen Fortschritte hätte Beran das Angebot auf die Schule weiter vorbereiten sollen. Laut Aussage der Familie Berrak hatte sie bereits eine Zusage.

Doch die HPT öffnete nicht. Immer wieder wurden die Berraks vertröstet und auf eine fehlende Genehmigung durch die Behörden verwiesen, ohne näher ins Detail zu gehen. In einem Video-Meeting im Oktober 2024 wurde ihnen und anderen Eltern die Situation erklärt – bei der Sitzung seien 16 betroffene Familien aus Ansbach dabei gewesen.

Auch keine Aufnahme in einen Kindergarten

Die Berraks versuchten, als Notlösung einen Kindergartenplatz für Beran zu organisieren, wie Vater Sabit Berrak erzählt: „Wir haben im ganzen Landkreis angefragt. Doch sobald wir sagten, dass er in eine HPT gehen sollte, haben alle geblockt.“ Mutter Burcin Berrak stimmt dies traurig: „Keiner will ihm eine Chance geben.“ Auch die Stadt Ansbach habe trotz Rechtsanspruchs keinen Platz vermitteln können.

Christin Kohler ist Pressereferentin bei Diakoneo. Sie widerspricht der Darstellung der Familie Berrak: „Für unsere HPT in Ansbach führen wir eine Warteliste. Wir haben alle Interessenten stets darauf hingewiesen, dass der genaue Eröffnungstermin noch nicht feststeht.“ Aktuell laufe immer noch das Antragsverfahren. Sie hofft, dass es bis zum Sommer abgeschlossen ist und die HPT dann eröffnen kann.

Anne Ziegler vom Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters ordnet den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ein: „Dieser greift erst drei Monate, nachdem die Behörden über eine geplante Inanspruchnahme informiert wurden.“ Konkretes zum Fall der Familie Berrak wollen Kohler und Ziegler mit Verweis auf den Datenschutz nicht sagen.

Mutter bleibt zu Hause

Die Familie Berrak will so schnell nicht aufgeben. Die Mutter hätte im Januar eine neue Stelle als Zahntechnikerin anfangen sollen. Wegen ihres Sohnes bleibt sie aktuell zu Hause. Ihr Chef zeigt Verständnis für die Situation. Trotzdem wollen die Berraks eine dauerhafte Lösung für sich und ihren Sohn. Burcin Berrak sagt: „Wir sorgen uns um die soziale Entwicklung von Beran. Er hat sich auf die HPT gefreut und will nicht nur zu Hause rumsitzen. Außerdem will ich arbeiten.“

Beran Berrak hat seinen eigenen Kopf und schaltet schon mal auf stur, wenn er seinen Willen nicht bekommt. Fürs Foto mussten seine Eltern ihm gut zureden. Sein Sozialverhalten soll sich aber verbessert haben. (Foto: Stefan Neidl)
Beran Berrak hat seinen eigenen Kopf und schaltet schon mal auf stur, wenn er seinen Willen nicht bekommt. Fürs Foto mussten seine Eltern ihm gut zureden. Sein Sozialverhalten soll sich aber verbessert haben. (Foto: Stefan Neidl)
Beran Berrak hat seinen eigenen Kopf und schaltet schon mal auf stur, wenn er seinen Willen nicht bekommt. Fürs Foto mussten seine Eltern ihm gut zureden. Sein Sozialverhalten soll sich aber verbessert haben. (Foto: Stefan Neidl)
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