Felix Straub aus Ansbach startete am Wochenende bei seinen ersten Olympischen Winterspielen. Im Viererbob-Wettbewerb in Cortina d’Ampezzo blieb im Schlitten von Francesco Friedrich Gold nur ein Traum. Johannes Lochner siegte, doch Straub & Co. gewannen die Silbermedaille.
Die Spiele im Norden Italiens wurden als das wohl letzte große Doppel-Duell zwischen Johannes Lochner und Francesco Friedrich gehypt. Im Zweierbob hatte Lochner die Nase klar vorn und gewann sein erstes Olympia-Gold vor Friedrich. Im Vierer wollte Friedrich, mit Anschieber Felix Straub an Position 4 im Schlitten, Revanche nehmen und mit dem fünften Olympiasieg zum erfolgreichsten Bobpiloten aller Zeiten werden.
In den Trainingsläufen hatte der Italiener Patrick Baumgartner für Aufsehen gesorgt. Er kennt das neue Cortina Sliding Centre am besten und war meist schneller als die favorisierten deutschen Bobs. Beim 1. Lauf am Samstagvormittag sah es dann aber anders aus. Da der Weltcup-Stand ausschlaggebend für die Startliste war, durfte Lochner als Erster vorlegen.
Der Oberbayer kam gut durch die Schlüsselstelle in Kurve 4 und fuhr in 53,91 Sekunden einen Bahnrekord. An dem, so sollte sich ab dem zweiten Starter zeigen, würde sich die Konkurrenz die Zähne ausbeißen. Nach Lochner war Team Friedrich an der Reihe.
Der Rekordweltcupsieger war am Start und in der Anfangsphase noch gleichauf mit Lochner. Kurve 4 fuhr er aber nicht ideal und verlor fortan Zeit auf seinen Dauerrivalen. In 54,30 Sekunden lagen Friedrich, Matthias Sommer, Alexander Schuller und Straub nach dem ersten von insgesamt vier Läufen auf dem 2. Platz. Der Rückstand war mit 39 Hundertstelsekunden schon gewaltig.
Hinter Friedrich ging es eng zu. Der Brite Brad Hall (54,39 sec) lag auf Rang 3, der Schweizer Cedric Follador (54,49 sec) war Vierter und das dritte deutsche Team um Adam Ammour (54,51 sec) lag auf Rang 5.
Der 2. Lauf wurde um 12 Uhr mittags gestartet und war früh nach einem Sturz unterbrochen. Der österreichische Pilot Jakob Mandlbauer wurde dabei verletzt und musste behandelt werden. Auch die Eisbahn wurde durch den Schlitten, der bis in den Zielbereich schlitterte, beschädigt. Es waren Reparaturen nötig.
Als dann die schnellsten Teams an der Reihe waren, zeigte sich: Die Zeiten im Vergleich zum 1. Lauf waren langsamer. Am besten drauf war Ammour, der sich mit Laufbestzeit (54,69 sec) auf den 3. Rang nach vorn schob.
Friedrich legte eine neue beste Startzeit hin, leistete sich im unteren Abschnitt aber leichte Fehler. Seine 54,74 sec waren letztlich knapp langsamer als die 54,70 sec von Lochner, der nach Rückstand in der zweiten Rennhälfte viel Zeit gutmachte.
Bei einem Rückstand von 43 Hundertstelsekunden auf Team Lochner lag Team Friedrich nach zwei von vier Läufen klar auf Silberkurs.
Im 3. Durchgang legte Lochner vor. Er fuhr nach einem leichten Fehler eine Zeit von 54,25 sec, schneller als im 2. und langsamer als im 1. Lauf.
Das Team Friedrich war am Start deutlich schneller. Die Fahrt im Kanal war aber insgesamt nicht so sauber und der Sachse handelte sich sogar noch sechs weitere Hundertsel Rückstand ein (54,30 sec). Ammour blieb abermals ein Stück hinter den beiden Topteams zurück (54,48 sec), verteidigte aber Platz 3 und machte ein rein deutsches Podium immer wahrscheinlicher.
Zum Abschluss starteten die Teams wieder in umgekehrter Reihenfolge des bisherigen Klassements. Friedrich musste angreifen, Lochner reichte ein weiterer Sicherheitslauf. Zuvor hatte Ammour die Aufgabe, den Bronze-Rang gegen den Schweizer Michael Vogt (54,77 sec) zu verteidigen. Das gelang ihm mit einer Zeit von nur 54,90 sec nicht.
Friedrich legte dann einen guten, aber wieder nicht perfekten Lauf hin. Seine 54,80 sec waren drei Hundertstel langsamer als der Vogt-Lauf. Der Führende ließ am Ende nichts anbrennen. Lochner fuhr mit Laufbestzeit (54,71 sec) ins Ziel und gewann Gold. Felix Straub holte damit bei seinen ersten Olympischen Spielen die Silbermedaille. Bronze ging an den Schweizer Vogt.
Im Interview erklärte Straub: „Es ist ein tolles Gefühl, wir haben sehr viel Blut und Schweiß in diese Medaille gesteckt.” Sein Pilot Friedrich erklärte: „Jeder Fehler wird hier knallhart bestraft. Die Bahn hatte es in sich. Es war ein harter Kampf. Wir sind äußerst zufrieden, wenigstens Silber herausgeholt zu haben.” Auf die Frage, ob seine Karriere – und damit auch die von Straub – weitergeht, konnte Friedrich noch keine endgültige Antwort geben.