Der Besitzer einer landwirtschaftlichen Fläche an der nordöstlichen Stadtgrenze von Wassertrüdingen will das Areal mit Solarmodulen bestücken. Nach zwei erfolglosen Versuchen scheint nun auch ein dritter Antrag zu scheitern. Der Rat verweigerte für eine Agri-Photovoltaik-Anlage aus städtebaulichen Gründen das gemeindliche Einvernehmen.
Östlich der Fläche verläuft die Nord-Ost-Tangente, westlich schließt sich ein Wohngebiet an. Wie es im schriftlichen Sachvortrag der Verwaltung heißt, haben sich Anwohnende bereits gegen das Vorhaben ausgesprochen. Zudem wies Bürgermeister Stefan Ultsch in der Sitzung des Gremiums auf die besondere Bedeutung der Fläche für die weitere Entwicklung Wassertrüdingens hin. Dies hätten unlängst auch die Planer des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts bestätigt, die für das Areal ein Mischgebiet favorisieren.
Ultsch teilte mit, dass es sich bei der beantragten Agri-PV-Anlage um ein privilegiertes Vorhaben handelt, vertrat aber dennoch die Meinung, den Plänen nicht zuzustimmen. So könne sich die Stadt ihre städtebauliche Entwicklung an dieser Stelle offen halten. Der Bürgermeister schlug vor, in einem weiteren Schritt in ein Bebauungsplanverfahren für diesen Bereich einzusteigen und zugleich auch eine Veränderungssperre zu verhängen. Die Alternative sei, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen und über einen städtebaulichen Vertrag eine entsprechende Eingrünung der Anlage sicherzustellen. Bei einer Agri-PV-Anlage findet neben der Erzeugung von Sonnenstrom auf der Fläche auch eine Feldbestellung statt.
Eine Veränderungssperre werde womöglich als Verhinderungsplanung gewertet, befand Peter Wittmann (CSU). Es sei zwar legitim, wenn der Antragsteller seine Fläche entsprechend nutzen wolle. Dennoch müsse man die künftige Entwicklung Wassertrüdingens sowie die Beeinträchtigungen für das angrenzende Wohngebiet im Auge behalten. Die CSU sei dafür, das Einvernehmen nicht zu erteilen, und appelliere an das Landratsamt, dieses nicht zu ersetzen.
Er persönlich finde, betonte Jörg Edelmann von der Parteiunabhängigen Fraktion, dass das Vorhaben an dieser Stelle nicht passe. Dem schloss sich auch Michael Dommel (Grüne) an, der sich für die Ausweisung des Mischgebietes aussprach. Demgegenüber zeigte Matthias Reichenberg (Parteiunabhängige Fraktion) Verständnis für den Bauwerber, dem bereits zwei Anträge abgelehnt worden seien und der durchaus kompromissbereit sei. Nun komme es zu einer weiteren Ablehnung. Letztlich werde der Mann von der Stadt zum Narren gehalten.
Zweiter Bürgermeister Klaus Schülein (CSU) stellte klar, dass mit dem Bauwerber ausgiebig gesprochen worden sei. Die Stadt stoße diesem somit nicht vor den Kopf. Auch Standortalternativen seien thematisiert worden.
Beim Beschluss über das Einvernehmen gab es nur eine Stimme für die Erteilung. Alle anderen Gremiumsmitglieder votierten dagegen. Mit seiner Idee, in die Bauleitplanung einzusteigen und dazu noch eine Veränderungssperre zu erlassen, konnte sich Bürgermeister Stefan Ultsch allerdings nicht durchsetzen. Dieser ergänzende Beschlussvorschlag hatte nur zwei Befürworter.