Großformatige Porträts und Lebensgeschichten: Die Lebenshilfe zeigt im Brückencenter, wie Inklusion gelebt wird. Und wie Teilhabe unterstützt werden kann.
Da die Selbsthilfevereinigung Lebenshilfe Ansbach vor 60 Jahren von Eltern gegründet wurde, die für ihre Kinder mit Behinderung nach Fördermöglichkeiten gesucht haben, stellt die Ausstellung Familien in den Vordergrund, die von der Lebenshilfe begleitet werden oder wurden. Zum Beispiel Familien mit Kindern aus der Frühförderung.
Diese geben mit ihrer Darstellung einen Einblick in den Alltag. Die Ausstellung mit dem Titel „Wege gemeinsam gehen” im Brückencenter in Ansbach lädt dazu ein, das Thema Behinderung aus einer sehr persönlichen Perspektive zu betrachten und die Menschen dahinter kennenzulernen.
Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Chronologie der Lebenshilfe Ansbach mit mehr als 30 Einrichtungen und Dienstleistungen. Die Selbsthilfeorganisation bietet über 1800 Menschen mit Beeinträchtigungen ein Zuhause, Arbeit, Qualifizierungen, Freizeit und Feiern. Mit über 800 Beschäftigten ist die Lebenshilfe auch ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.
Der Fachkräftemangel in der Heilerziehungspflege, bei den Sozialpädagoginnen und -pädagogen sowie weiteren betreuenden Personen gehört zu den Herausforderungen der Zukunft. Das Ziel ist, „den Status Quo halten zu können”, so Vorstandsvorsitzender Michael Breuker. Auch die Refinanzierungssituation mache Sorgen. „Wir müssen Angebote selber finanzieren.” Das schaffe man auf lange Sicht nicht, ohne weitere Unterstützung. Hinzu kommt der Sanierungsstau an Gebäuden: „Da kommt für die zehn Jahre ein großer Batzen auf uns zu.”, sagte Breuker.
Bei der Ausstellungseröffnung schilderten mit Margit Fragner und Günther Schühlein eine Mutter und ein Vater eines beeinträchtigten Kindes ihre Situation. „Ich bin zur Kämpferin geworden gegenüber Behörden, Kliniken und Krankenkassen”, sagt Margit Fragner. Für Günther Schühlein „beginnt Teilhabe im Alltag – und Offenheit führt zu Akzeptanz”. Beide engagieren sich ehrenamtlich in der Lebenshilfe und bringen ihre Erfahrungen als Eltern mit ein.
Den Programm-Auftakt im Brückencenter mit kurzen Grußreden von dem stellvertretenden Landrat Stefan Horndasch und Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner moderierte Christoph Maul. Im Anschluss an die Moderation präsentierte der Comedian aus Schillingsfürst ein Kurzprogramm, in dem er mit Witz die Eigentümlichkeiten des fränkischen Charakters beleuchtete. Zum Abschluss richtete er einen Appell an das Publikum, einander mit Freundlichkeit und Toleranz zu begegnen – als Beitrag zu dem, was wir im eigenen Umfeld beeinflussen können, auch wenn wir die großen politischen Ereignisse nicht ändern können.
Die Lebenshilfe Ansbach will „sichtbar sein in der Gesellschaft”, betonte Michael Breuker. Inklusion lebendig machen, nicht nur im fachlichen Bereich, sondern auch beim Feiern. Zum 60-jährigen Jubiläum präsentiert sich die Lebenshilfe neben der Ausstellung, die bis Samstag zu sehen ist, mit Zauberei, Ballontieren und Rhythmen der integrativen Trommelgruppe am Freitag.