Lange vor Taylor Swift, Madonna oder Beyoncé gab es Linda Ronstadt. „Der erste weibliche Solo-Superstar unserer Zeit“, wie die Zeitschrift „Vogue“ einmal schrieb. „Die Erste, die Stadien gefüllt hat. Die Erste, die vier Platin-Alben nacheinander hatte. Die am besten bezahlte Frau der Musikbranche. Die Königin des Rock.“
Die größten Erfolge feierte Ronstadt, die heute 80 Jahre alt wird, in den 70er Jahren - mit Alben wie „Heart Like a Wheel“ und Songs wie „You're No Good“ und „Don't Know Much“. Sie brachte insgesamt rund zwei Dutzend Alben heraus, gewann mehrere Grammys und andere Auszeichnungen und wurde in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen.
Aufgrund einer seltenen schweren Nervenerkrankung, die der Parkinson-Krankheit ähnelt, hatte sie 2013 verkündet, dass sie ihre musikalische Karriere beenden müsse. „Ich kann nicht eine Note mehr singen.“ Seitdem hat sich Ronstadt auch weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und musste ihr Leben stark einschränken. „Die Sachen, von denen ich erwartet habe, dass ich sie an diesem Punkt meines Lebens machen würde - im Garten arbeiten, Stricken, Reisen zum Spaß und nicht wegen der Arbeit - die kann ich alle nicht mehr machen“, sagte Ronstadt dem AARP-Magazin.
„Ich habe es einfach akzeptiert. Es gibt absolut nichts, was ich dagegen machen kann“, ergänzte sie im „New Yorker“. Am meisten vermisse sie es, Live-Musik zu erleben, etwa im Konzertsaal. „Aber meine Freunde kommen zu mir und machen Musik und das ist sowieso auch, wo ich es am liebsten mag: Im Wohnzimmer.“ Zuhause in San Francisco schreibt sie auch noch Bücher und arbeitet an Dokumentarfilmen mit. Derzeit ist auch ein Biopic in Arbeit, in dem sie von Schauspielerin und Sängerin Selena Gomez gespielt werden soll.
Geboren wurde Ronstadt 1946 in Tucson im US-Bundesstaat Arizona - nahe der Grenze zu Mexiko. Den Nachnamen hat sie von den deutschen Vorfahren ihres mexikanischen Großvaters. Aufgewachsen in einer musikalischen Familie ging sie nach der Schule an die Westküste und feierte dort schon bald mit der Folk-Gruppe The Stone Poneys erste Erfolge. „Oh Gott! Wir waren so schrecklich“, sagte sie viele Jahre später dem AARP-Magazin. „Ich habe erst so etwa ab 1980 angefangen, wirklich gut zu singen.“ Millionen Fans weltweit sahen das damals und heute deutlich anders.
Nach Riesen-Erfolgen mit Rock-Musik in den 70er Jahren probierte sich die Sängerin auch in anderen Genres aus - Country, Jazz, Punk, Musical, Oper und vor allem der Musik aus ihrer Heimat, traditionsverbunden im Mariachi- und Ranchero-Stil.
Die Stimme von Ronstadt schien einfach alles meistern zu können - und dabei sei sie auch immer eine extreme Perfektionistin gewesen, sagte Kollegin Dolly Parton einmal der „Vogue“. „Sie kann manchmal echt nerven, weil sie so eine Perfektionistin ist. Sie ist einfach nicht zufrieden, bevor es nicht perfekt ist. Sie hat mich früher immer gezwungen, die Begleitstimme immer nochmal und nochmal zu singen.“
Ihr Privatleben hielt Ronstadt so gut es ging aus der Öffentlichkeit heraus. Unter anderem mit dem früheren Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, dem Schauspieler Steve Martin und dem Star-Regisseur George Lucas soll sie Beziehungen gehabt haben und adoptierte zwei Kinder. „Ich musste nicht heiraten“, sagte sie einmal dem „New Yorker“. „Ich weiß nicht, ob irgendjemand heiraten muss. Wenn sie es machen, unterstütze ich sie. Aber ich musste nicht heiraten. Ich hatte mein eigenes Leben.“
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