Für knapp zwei Millionen Euro will die Stadt Leutershausen ein neues, gemeinsames Gerätehaus für die Feuerwehren Wiedersbach und Neunkirchen bauen. Doch die Neunkirchener stellen sich quer: Ihnen taugt der Standort nicht. Nun steckt der Stadtrat in einem Dilemma: Wie groß soll das neue Gebäude werden?
Architektin Christine Pfister aus Herrieden hatte sich Gedanken gemacht, wie das dreieckige Grundstück gegenüber vom Wiedersbacher Schützenhaus am besten zu nutzen wäre, sie hatte gezeichnet und gerechnet. Zwei Varianten stellte sie dem Stadtrat nun vor: eine mit Platz für zwei Fahrzeuge, eine für drei Feuerwehrautos.
Für drei Stellplätze habe die Regierung bereits grünes Licht gegeben und dafür bis zu 411.000 Euro an Fördermitteln bewilligt, berichtete Bürgermeister Markus Liebich. Nun sei es also am Stadtrat, zu entscheiden, wie groß gebaut wird.
Bei grob kalkulierten Gesamtkosten von knapp zwei Millionen Euro für die größere Variante würde der Verzicht auf einen Stellplatz lediglich rund 100.000 Euro ausmachen, erklärte die Architektin. Erst auf Nachfrage aus dem Gremium ergänzte sie, dass auch der Rest des Gebäudes, etwa der Spindbereich, dann kleiner ausfallen könnte, sodass sich die Kosten um weitere 125.000 Euro reduzieren würden.
Mit Planungsdetails des in Holzbauweise konzipierten Gerätehauses, das eine Photovoltaikanlage aufs Dach bekommen soll, hielt sich der Stadtrat indes nicht lange auf. Denn Harald Kapp (SPD) schnitt ein Thema an, das die weitere Debatte dominierte: Die „atmosphärischen Störungen“ zwischen den beiden Wehren, die sich – so schlägt es der Feuerwehr-Bedarfsplan vor – künftig ein Domizil teilen sollen.
Eigentlich sollten die beiden Wehren längst zu einer verschmolzen sein, doch die Fusion scheiterte bislang – nicht zuletzt an der Standortfrage des neuen Hauses. Er sei viel zu nah an der Stützpunktwehr Leutershausen, zu weit weg von Neunkirchen und strategisch viel zu weit im Westen, obwohl man doch primär den Osten des Stadtgebietes mit Hinterholz, Tiefenthal und Lengenfeld abdecken soll, sagen die Neunkirchener. Und verweisen auf den Bedarfsplan, in dem ebenfalls ein Platz weiter östlich vorgeschlagen wird.
Dort habe man allerdings trotz intensiver Bemühungen kein geeignetes Areal bekommen, betont Liebich: „Es sind sehr viele Gespräche geführt worden. Doch auch Großgrundbesitzer waren nicht bereit, auch nur 3000 Quadratmeter zu verkaufen“, sagte er. Letztlich hätten aber beide Wehren ihre Zustimmung zu dem Grundstück beim Schützenhaus gegeben. „Das alles ist doch nicht aus Jux und Tollerei geschehen. Fakt ist: Wir haben ein Grundstück gekauft, wo sich beide das Gerätehaus vorstellen konnten“, so der Bürgermeister: „Nur dort war eine Fläche zu haben.“
In den Planungsprozess hat sich bislang indes nur die Wiedersbacher Wehr eingebracht. Neunkirchen habe sich komplett herausgehalten, berichtete Liebich. Das bestätigte deren Kommandant Stefan Kaiser auf FLZ-Anfrage. „Wir werden uns nicht beteiligen“, sagte er. Denn der Standort sei für ihn und seine Kameraden, aber auch für die Bürger der östlichen Stadtteile nicht vertretbar: „Das versteht keiner.“
Der Stadt brennt das Projekt derweil auf den Nägeln, denn das neue Wiedersbacher Tanklöschfahrzeug ist zu groß für das alte Feuerwehrhaus und parkt deshalb provisorisch in einer Maschinenhalle, die keinerlei Standards entspricht. „Wir haben den kommunalen Unfallverband im Nacken“, hob Liebich den dringenden Handlungsbedarf hervor.
Zugleich plädierte der Rathauschef dafür, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. „Ich bin permanent in Neunkirchen und spreche mit den Menschen. Aber da müssen sich auch Stadtratsmitglieder einbringen und versuchen, einen Weg zu finden, die beiden Wehren zusammenzubringen.“ Doch nicht einmal ein Mediationsprozess habe die Gräben geschlossen. „Es ist sehr unschön, dass sich eine Wehr verweigert. Ich sehe da großen Egoismus. Das schadet der Stadt“, befand Erwin Heidenfelder (SPD).
Die Gretchenfrage warf Alexander Scholl (Fraktion CSU/Freie Wähler) in die Runde: „Was machen wir, wenn die sich nicht einig werden?“ Zwar könnte der Bürgermeister als Dienstherr den Dienstort bestimmen. „Doch dann steht halt unser Auto dort, aber keiner geht hin“, prognostiziert Stefan Kaiser, der auch sagt: „Wir haben den großen Bedarf nicht.“ Das Gerätehaus in Neunkirchen entspricht zwar ebenfalls nicht den aktuellen Normen, doch das Mannschaftsfahrzeug passt hinein. „Zusperren kann uns die Stadt nicht“, betont der Kommandant. Aber wie es weiter geht mit seiner gut 30-köpfigen Wehr, „das wissen wir nicht“.