Landadel und Gangster – Neue Folgen von „The Gentlemen“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 03.09.2026 09:14, aktualisiert am 03.09.2026 10:28

Landadel und Gangster – Neue Folgen von „The Gentlemen“

Theo James als Eddie Horniman in einer Szene der Serie „The Gentlemen“. (Handout)  (Foto: Christopher Raphael/Netflix/dpa)
Theo James als Eddie Horniman in einer Szene der Serie „The Gentlemen“. (Handout) (Foto: Christopher Raphael/Netflix/dpa)
Theo James als Eddie Horniman in einer Szene der Serie „The Gentlemen“. (Handout) (Foto: Christopher Raphael/Netflix/dpa)

Kinofilme nach TV-Vorlagen gibt es viele. Im Streaming-Zeitalter hat sich der Trend umgekehrt: Serien, die auf erfolgreichen Filmen basieren, boomen – große Hits bleiben dabei aber die Ausnahme. Eine davon ist „The Gentlemen“: Die Netflix-Serie nach Guy Ritchies gleichnamiger Gangsterkomödie kam bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut an. Jetzt gibt es die zweite Staffel der Gaunersatire, in der die Grenzen zwischen Landadel und Gangstern verschwimmen (Streamingstart: 3.9.; 8 Episoden).

Für Ray Winstone, der den Gangsterboss Bobby Glass spielt, ist diese Trennung ohnehin hinfällig. Er sieht den Landadel skeptisch. „Niemand kommt dahin, indem er ehrlich bleibt“, sagt der für harte Kerle berühmte Schauspieler („The Departed“, „Sexy Beast“) im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn du ein ehrlicher Typ bist, der zur Arbeit geht, wirst du dir nie so ein Haus leisten können, so ein Erbe. Also warst du ein Schurke. Du warst ein Gangster, auf die eine oder andere Art. Und jetzt drehen wir das quasi um.“

Ein Herzog im Drogenimperium

In Staffel 1 erbt Ex-Soldat Eddie Horniman (Theo James) alias der Herzog von Halstead nach dem Tod seines Vaters dessen imposantes Landgut. Dort entdeckt er eine Cannabisplantage, die Teil des florierenden Drogenimperiums von Gangsterboss Bobby Glass (Ray Winstone) ist. Zunächst will Eddie die kriminellen Machenschaften beenden. Schließlich entscheidet er sich anders.

„Diese (adligen) Leute sind faul geworden, und sie haben kein Geld mehr“, so Winstone, der mit seiner markanten Stimme und dem Londoner East-End-Akzent die Idealbesetzung als Gangsterboss ist. „Wir bauen Marihuana auf deinem Grundstück an, geben dir ein bisschen Geld dafür. Und du hältst die Klappe. Und wir übernehmen die Kontrolle. Das ist im Grunde, kurz gesagt, was hier passiert, glaube ich.“

Fast. Denn Eddie taucht immer tiefer in die kriminelle Welt ein, schaltet Rivalen wie den windigen US-Investor Stanley Johnston (Giancarlo Esposito) aus und wird schließlich zum Partner von Bobby. Zusammen mit Bobbys taffer Tochter Susie (Kaya Scodelario) leitet der Herzog von Halstead fortan die illegalen Cannabis-Geschäfte.

Wer einmal seine Seele verkauft

„Im Grunde geht es darum, dass man als Mensch irgendwann beschließt, die eigenen moralischen Grundsätze aufzuweichen“, sagt der auf Schurken erprobte Giancarlo Esposito („Breaking Bad“, „The Mandalorian“) im dpa-Interview. „Man lässt das zu, weil man dafür etwas bekommt, weil man davon profitiert – auf Kosten eines anderen Menschen. Dann verkauft man gewissermaßen einmal seine Seele und denkt sich: Danach steige ich aus. Aber dann stellt man fest: Beim zweiten Mal fällt es schon leichter, seine Seele zu verkaufen.“

Staffel 2 von „The Gentlemen“ setzt etwa ein Jahr nach dem Ende der ersten Staffel an. Eddie hat sich etabliert und will das Geschäft nun weiter ausbauen, unter anderem nach Italien. Aber Bobby, der in einem luxuriösen Gefängnis sitzt, bremst ihn aus und trifft zunehmend unüberlegte Entscheidungen, die Eddie und auch Susie irritieren. Der von seinem Ego getriebene Eddie wird unterdessen immer ehrgeiziger, mischt sich auch in die Politik ein und riskiert einen Vertrauensbruch mit Bobby.

Kultbösewicht Vinnie Jones mal anders

Mit dabei ist auch wieder Ex-Fußballer Vinnie Jones. Er spielt in „The Gentlemen“ den Gutsverwalter Geoff, der eine besondere Beziehung zu Eddies Mutter Lady Sabrina (Joely Richardson) pflegt. Seit „Bube, Dame, König, grAS“ (1998) arbeitete er immer wieder mit Guy Ritchie zusammen und wurde zu einer Art Kultbösewicht.

In „The Gentlemen“ spielt der 61-Jährige keinen bedrohlichen Schläger, sondern einen ruhigen, zurückhaltenden Mann. „Die Leute meinten: Der spielt seit Jahren dieselbe Rolle“, so Jones im dpa-Interview. „Dann meinte Guy: Komm, mach mit und zeig mal eine andere Seite von dir.“

Guy Ritchies deutliche Handschrift

Erfolgreich ist die Serie nicht zuletzt, weil Guy Ritchie selbst mit am Werk war und bei mehreren Folgen Regie führte. Statt den Film mit Matthew McConaughey, Colin Farrell und Hugh Grant zu recyceln, erzählt er eine eigenständige Geschichte mit neuen Figuren, darunter jetzt auch Hugh Bonneville als Lord Hawthorne.

In Hinblick auf Stil, Humor und Thematik bleibt sich Guy Ritchie mit „The Gentlemen“ treu. Seine Handschrift ist klar erkennbar. Die Mischung aus britischem Humor, Klassendynamik, Manipulation, Machtspielen und Unterwelt-Ästhetik macht auch die acht neuen Folgen unterhaltsam.

© dpa-infocom, dpa:260903-930-625691/2


Von dpa
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